Kultur, Live

Fran(zis)k(a)s Geburtstag!

Frank Wedekind wird 150! heute! Einen weiteren nah verwandten „Geburtstag“ feiert die Produktion „Franziska“ an den Münchner Kammerspielen, die heute zum 25. Mal gegeben wird… und zum letzten Mal! Wedekind-/Dernièren-Geburtstag, sozusagen.

(c) Judith Buss

(c) Judith Buss

„Franziska“ ist weder für Wedekind noch für die Münchner Kammerspiele einfach eines von vielen Stücken im Repertoire. 1912 feierte „Franziska“ in den Kammerspielen seine Uraufführung und diese wiederum ihre Eröffnung. Danach verschwand „Franziska“ weitgehend von der Bühnenfläche, bis Andreas Kriegenburg es zum 100. Geburtstag der Kammerspiele 2012 wieder auf seine Ursprungsbretter hob. Heute Abend spielt man das feminisierte Faust-Art-Stück in seiner 25. Aufführung und gleichzeitig in seiner Dernière, am Geburtstag seines Autors.

„Franziska“ ist ein Spinnennetz aus philosophischen, soziologischen, intertextuellen und auch autobiographischen Strängen. Wedekind selbst spielte damals den mephistophelischen Verführer. Ein irgendwie-Stück als Kommentar auf Goethes „Faust“. Ein weiterer ironischer Effekt stellt sich gerade heute ein, wenn man bedenkt, dass auf der anderen Straßenseite das Residenztheater seinen „Faust“-Komplex (mit „Faust“ (Kusej), „Faustin&out (Simons) und „Phosphoros“ (Lenk)) spielt. An den Kammerspielen macht sich 100 Jahre nach der Uraufführung später Andreas Kriegenburg mit „Franziska“ an den fülligen Textkorpus.

Seine Schauspieler steckt er in nicht minder monströse Fat-Suits, die eine große Zeit lang (drei Stunden, ohne Pause) über die monotone Bühne springen. Unter diesen spielt Brigitte Hobmeier als Spinnenfrau die Hauptrolle. „LEEEBEN!“ haucht sie, dehnt sie, spricht sie, kreischt sie… es folgt der Pakt mit dem Verführer Veit und dann geht die zwei Jahres Reise der Franziska los durch Großstadtfeeling, Stadtrandabgrund, Nostalgie und Heiterkeit und Egoismus. Dass diese Gegensätze sich nicht anziehen, sondern eher abstoßen, wird spätestens nach einer halben Stunde klar, wenn die Handlung eher auseinander zu brechen droht, als sich nachvollziehbar weiterzuspinnen. Nach drei Stunden bricht das Stück sogar ab; der 5. Akt wird weggelassen. Zurück bleibt eine Frau. Allein. Weitersuchend.

Heute kann man dieses Stück mit MK-Tradition noch einmal sehen.
Karten gibt es noch an der Abendkasse!

Franziska“ um 19:30 Uhr!
Münchner Kammerspiele
Maximiliansstraße 26-28
80539 München

_____
btw:
„Franziska“ ist Auftakt zur Wedekind-Geburtstags-Reihe, die nach der Spielzeitpause im September hier auf mucbook.de fortgesetzt wird…
Denn das Kulturreferat der Stadt München hat ein facettenreiches Programm zusammegestellt zu Ehren dieses hochbedeutenden Schriftstellers der deutschen und vor allem auch der münchner Literaturgeschichte.

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