Leben

Gärtnerplatz – von der grünen Wiese zum rosa Viertel

Wie das Gärtnerplatzviertel wurde, was es ist? Alles begann 1957. Damals kam der Tänzer und Schauspieler Ernst Craemer an das Theater am Gärtnerplatz. Eine Stadtführerin erzählt.

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Mit seinem Freund mietete er sich im Hotel der „Deutschen Eiche“ ein und wohnte dort insgesamt vier Jahre. Craemer wurde bald ein Freund der beiden Wirtinnen, Toni und Ella Reichenbach, die damals in großen Finanznöten waren. Er sorgte dafür, dass seine Theaterkollegen die „Eiche“ zu ihrem bevorzugten Treffpunkt erkoren. Zu ihnen gesellten sich die Kollegen vom Nationaltheater, und bald frequentierten das Lokal fast nur noch Männer. Die „Deutsche Eiche“ an der Reichenbachstraße 13 war dann auch das erste Lokal Münchens, in dem sich Homosexuelle unbehelligt treffen konnten.

Die einst ganz normale Wirtschaft mit dem stramm deutschen Namen wurde zur Bühne ausschweifender Feste. Legendär waren vor allem die Faschingsaufführungen, mit denen das jeweils aktuelle Kulturgeschehen parodiert wurde. Hauptakteurinnen waren stets Toni und Ella Reichenbach, langjähriger Regisseur Ernst Craemer. Die erste Aufführung feierte 1960 mit einer Parodie auf „Schwanensee“ Premiere. 1964 war der James-Bond-Film „Goldfinger“ mit Gert Fröbe als deutscher Bösewicht in den Kinos und dann unter dem Motto „Null Null Sex“ in der Eiche zu sehen.

Mit großem Tamtam wurde jedes Jahr das Ende des wilden Treibens am Faschingsdienstag um Mitternacht zelebriert. Bei der Beerdigung des Faschingsprinzen wurde Ella Reichenbach in einem „Trauerzug“ auf einer Bahre einmal rund um den Gärtnerplatz und wieder zurück zur Eiche getragen. Dem Zug voraus schritt unter lautem Beten, mit Eimer und Klobürste, der als Pfarrer verkleidete Ernst Craemer und segnete die Umstehenden. 1984 fand die letzte Aufführung statt, Faschingsfeste hingegen werden nach wie vor in der Eiche gefeiert.

Petra Wucher erzählt diese und mehr Geschichten bei ihren Stattreisen-Führungen „Von der grünen Wiese zum rosa Viertel“ durch das Gärtnerplatzviertel. (Photo: privat)

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