Kultur, Was machen wir heute?

Happy Birthday, Muffathalle

Julia Serdarov

GillScottHeron

„I´m New Here“ – das kann die Muffathalle mit ihren stolzen 17 Jahren nicht mehr von sich behaupten. Das neue Werk von Gil Scott-Heron heißt so. Die Rap-Legende haben sie sich zum Geburtstag (Donnerstag den 22. Juli) vors Mikrofon geholt.

17 Jahre Muffathalle
I’m New Here

Konzert und Spoken Word Performance mit Gil Scott-Heron&Band
Support: Omar Musa&Soweto Kinch
An den Turntables: Poetry-DJ Rayl Patzak
After-Show Party mit Jay Scarlett (beatdimensions) im Café Muffathalle

Gil Scott-Heron gilt als Pionier des Rap und der Spoken Word Poetry und ist für seine scharfzüngigen Texte so berüchtigt wie gefürchtet. Bereits Anfang der 1970er sorgte er mit seinem Mix aus poetischem Soul-Sprechgesang und gesellschaftskritischen Texten für Furore. Auf seinem legendären Album „The Revolution Will Not Be Televised“ prangerte der damals 23-Jährige nicht nur Apartheid und politische Missstände an, sondern entwarf damit auch gleichzeitig die Blaupause für die spätere HipHop- und Spoken Word-Bewegung.

Heron, der aus einer aktiven Bürgerrechtler-Familie stammt, nahm nie ein Blatt vor den Mund. Dies brachte ihm den Groll mancher ein und machte ihn zum Helden der afroamerikanischen Bewegung, von der er sich aber nie einnehmen ließ. Bereits in Lincoln, Tennessee, wo er einen Teil seiner Kindheit verbrachte, war Scott-Heron offenem Rassismus ausgesetzt. Noch deutlicher spürte er den Hass in der Metropole New York. Dort vergrub er sich in seinen Büchern und begann schließlich, selbst zu schreiben. Mit 19 Jahren veröffentlichte er sein erstes Buch „The Vulture“ und wurde an der Lincoln University in Pennsylvania aufgenommen, der einst auch sein großes Vorbild, der einflussreiche Dichter Langston Hughes, angehörte. Doch bereits nach einem Jahr brach er das Studium ab und widmete sich ausschließĺich seiner Karriere als Dichter und Musiker. Mitte der Achtziger zog er sich aus dem Musikgeschäft vollends zurück, veröffentlichte aber weiterhin Bücher, Gedichtbände und gesellschaftskritische Texte.

Ganze 13 Jahre nach seiner letzten CD erscheint nun mit „I´m New Here“ das lange erwartete neue Werk. Es entstand in Zusammenarbeit mit XL Recordings Labelchef Richard Russell, einem der schillerndsten Köpfe der britischen Musikindustrie. „I´m New Here“ ist keine Retrospektive, sondern ein Album, das nach vorne blickt und neue Grenzen auslotet. Die Einflüsse reichen von The xx über Burial bis hin zu Beats mit HipHop-Hintergrund. Bei den Coversongs wie „I´ll Take Care Of You“ (Brook Benton) oder „I´m New Here“ (im Original von Smog) schaffen elektronische Sounds bereitwillig Platz für Gil Scott-Herons raumgreifenden Bariton.

www.gilscottheron.net

feat. Soweto Kinch (Saxophon/Rap)
An den Turntables: DJ Rayl Patzak

Australiens Poetry Slam Champion Omar Musa zählt zu den wichtigsten neuen Stimmen des roten Kontinents. Der australisch-malaysische Bariton, der einst ‚Aboriginal Kids‘ im Outback unterrichtete und sich als Grassroots-Aktivist für die Rechte der ‚Native Australians‘ einsetzt, bewegt sich zwischen Hemingway, Underground HipHop und Performance Poetry. Als Sohn eines bekannten Sufi-Dichters aus Malaysia und einer australischen Künstlerin wuchs er in den tristen Suburbs von Queanbeyan, einer konservativ-bürgerlichen Vorstadt von Canberra, auf. Von dort aus hat er fast jeden Kontinent ‚gebackpackt‘ – während seiner 8 Monate in London arbeitete er mit Rap-Ikone Dizzee Rascal sowie UK-Grime-Master und MOBO Awards Gewinner Akala. Omar ‚rockte‘ die Main Stage des internationalen ‚Ubud Writers and Readers Festival‘ auf Bali und partizipierte am transkontinentalen Schlagabtausch komplexer Reime auf dem ‚Singapore Writer Festival‘ sowie dem ‚Sydney Writers Festival‘. Im legendären Münchner Club ‚Substanz‘ stellte er bei Europas größtem Slam vor einem begeisterten bavarischen Publikum seine Schlagfertigkeit unter Beweis. Und in Seattle traf er auf Rock Veteran Geoff Stanfield, der 2010 sein aktuelles Album produzierte: Mit „World Goes to Pieces“ leitete der australische Wortakrobat eine neue Spoken Word- und HipHop-Ära in Downunder ein. Shoutouts von DJ Muggs von Cypress Hill interagieren mit Geoff Stanfields rauen Bass-Riffs, Underground Sounds treffen auf klassische Poesie. Sein spezifischer Mix aus Aussie HipHop, britischen Grime, gesampelten Didgeridoo-Grooves aus den Northern Territories bis hin zu verwaschen-grungigen Rocksounds von der US-West Coast macht Omar zu einem Symbol des neuen urbanen Crossover Australiens. Nicht selten nehmen seine scharfzüngigen Reime und Raps die ‚weiße‘ Aussie-Gesellschaft auf die Schippe, prangern die weltweit gegenwärtige Islamophobie an, entlarven die scheinheilige Gesellschaft und treffen mit lyrischen Spitzen ins Mark: „Meine muslimische Herkunft trägt sicherlich dazu bei, dass ich mich mit allen verbunden fühle, die unterdrückt und unterprivilegiert sind“, merkt Omar an, der in seiner Heimat häufig mit Gil Scott-Heron verglichen wird.

Begleitet wird der australische Ausnahme-Poet und MC, der sich unter dem Motto ‚Support Independent Music!‘ aktiv für die freie Musikszene und den Erhalt von ‚Independent Labels‘ einsetzt, von Soweto Kinch, einem britischen Jazz-Saxophonisten und Rapper, der 2002 nicht nur als Rising Star bei den Jazz Awards der BBC ausgezeichnet wurde, sondern auch die International Sax Competition beim Montreux Jazz Festival gewann und den Peter Whittingham Award für Jazz-Innovation erhielt.

An den Turntables residiert DJ Rayl Patzak, der für seine wuchtige Mischung aus Elektro mit poetischen Elementen bekannt ist. Der Münchner ist nicht nur Veranstalter verschiedener Poesie-Shows, SlamMaster und Europas einziger Poetry-DJ. Er ist auch – zusammen mit Ko Bylanzky – Initiator und Gastgeber von Europas größtem Poetry Slam im Substanz.

www.myspace.com/omarmusa
www.myspace.com/sowetokinch
www.myspace.com/raylpatzak

17 Jahre Muffathalle
I’m New Here

Donnerstag, 22.07.2010, 20:30 Uhr
Muffathalle, Zellstr. 4
Eintritt: VVK 25 € zzgl. Gebühren, AK 30 €

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mucbook macht mit der Rubrik “Gute Werbung” auf Dinge aufmerksam, die Aufmerksamkeit verdienen.

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