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„Ich möchte sagen können, ich habe mein Leben gelebt“

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Als wir überlegten, unsere Bands’n’Books-Band Rag Dolls aus der Schweiz für den Gig am 11. April in der LAXMag-Redaktion einzuquartieren, war uns schnell klar: Auch die Autorin, die bei Bands’n’Books im Provisorium liest, muss sich damit auskennen, auf fremden Böden, Betten und Sofas zu schlafen. Und wer wäre besser dafür geeignet als Christine Neder? Sie campt zurzeit auf verschiedenen Festivals (sie will die 40 erreichen), hat zuvor leere Wohnungen in ganz Deutschland gehütet und über ihre 90 Nächte in fremden Berliner Betten ein Buch geschrieben. Davon wird sie uns am zweiten Mittwoch im April erzählen und hier vorher noch weitere Details im Interview ausplaudern.

mucbook: Christine, du hast Modedesign studiert, aber festgestellt, dass der Job nichts für dich ist. Ãœber die Berlin Fashion Week hast du trotzdem dieses Jahr gebloggt (http://www.lilies-diary.com/) – was bedeutet Mode für dich und siehst du sie dank deines Studiums mit anderen Augen, als der Otto-Normal-Fashion-Week-Besucher?

Christine Neder: Ja, ich sehe, ob etwas gut verarbeitet ist oder nicht. Deswegen ist einkaufen bei Ketten auch so schwer. Ich habe ein Praktikum bei der Vogue gemacht, in dem Jahr konnte ich in keinen H&M und in keinen Zara gehen. Bei jedem Teil, das ich in der Hand hatte, wusste ich sofort ,von welchem Designer es geklaut ist. Ich finde Mode hat so viel mit Menschen, Geschichten und Kultur zu tun. Deswegen mag ich es auch noch so sehr. Und die Modebranche ist eine abartig interessante Gesellschaft.

mucbook: Festivals, Berliner Sofas, leere Wohnungen in ganz Deutschland – hast du nicht langsam das Gefühl, mit deinen gesetzten 26 Jahren sesshaft zu werden?

Christine Neder: Ja, das Gefühl habe ich jeden Tag. Manchmal probiere ich es auch, aber es funktioniert noch nicht so ganz. Und solange die Ideen noch kommen, der Spaß da ist und ich noch nicht genug habe, geht es auch noch weiter. Ich möchte einmal meine Hütte in den Bergen haben, meine eigene Kuh, meine Geranien auf dem Balkon und zufrieden sagen können – ja, ich habe mein Leben gelebt.

mucbook: Wie kommen deine Freunde und deine Familie mit deinen Projekten klar?

Christine Neder: Ich höre schon sehr viele Klagen, dass ich nie da bin und immer unterwegs. Ich möchte sie alle einmal auf ein Festival mitnehmen. Aber so direkt gefragt, wie sie damit klar kommen, habe ich sie eigentlich nie.

mucbook: Welcher Stadt Deutschlands muss man unbedingt mal einen Besuch abgestattet haben und warum?

Christine Neder: Schweinfurt. Dann versteht man vielleicht, warum ich jetzt so viel unterwegs bin!

mucbook: Du hast bereits angedeutet, an einem Roman zu arbeiten. Wie läuft’s damit? Ist das Schwerer für dich, als über deine Erlebnisse im Selbsttest zu schreiben?

Christine Neder: Ja, den Roman habe ich angefangen, der muss jetzt aber noch ein bisschen warten. Obwohl er sich schon perfekt im Köpfchen entwickelt hat. Und ich finde es sogar fast einfacher, weil man nicht an die Realität gebunden ist und seine eigene Welt aufbauen kann.

mucbook: Du hast bei Bucherscheinung im November vor den Besitzern besagter Berliner Sofas gelesen und warst sehr nervös. Wie bereitest du dich auf Bands’n’Books vor?

Christine Neder: Ich google die Straße und schau bei der MVV, wie ich am besten hin komme!

„90 Nächte, 90 Betten“, erschienen im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag / 14,95 € / Autorinnenfoto Nico Klein-Allermann

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