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Kommt der Atelierpark am Bahnwärter Thiel?

Während der Club Bahnwärter Thiel gerade notgedrungen einen verlängerten Winterschlaf einlegt (danke, Corona), kehrt im Rest des großflächigen Geländes am Viehhof so langsam wieder Leben ein. Nicht nur, dass dort seit kurzem ein Biergarten eröffnet hat, der bei gutem Wetter immer öffnet, nein, wenn alles gut geht, könnte auch bald der lange geplante Atelierpark dort Realität werden.

Die Vision des Bahnwärter-Teams ist, einen liebevoll gestalteten Begegnungsort mit Urban Gardening, Ateliers, Proberäumen, Open Workspaces, Werkstätten, Jugendtreff und einem Bahngartenbistro zu schaffen – umgeben vom einem Panorama aus Trambahnwaggons, Seecontainern und U-Bahnwägen.

Ein Crowdfunding soll das Projekt nun retten

Klingt fast zu schön, um wahr zu sein, oder? Einen kleinen Stolperstein gibt es tatsächlich noch! Mit der Schließung des Regelbetriebs im Club fällt die primäre Einnahmequelle des Bahnwärter-Betriebs erst mal weg. So hängt das Projekt nun kurz vor Vollendung – zu 3/4 soll es bereits fertig gestellt und finanziert sein – doch in der Schwebe. Abhilfe soll deshalb ein Crowdfunding schaffen. Unter dem Motto „Rettet den Atelierpark“ läuft seit einigen Tagen eine entsprechende Kampagne auf der Online-Platform Startnext. Mit kleinen oder größeren Beträgen kann man dem Projekt dabei auf den letzten notwendigen Metern unter die Arme greifen.

Blick über das Gelände

Ganz „umsonst“ soll die Hilfe allerdings nicht sein. Auf alle Unterstützer*innen warten im Falle eines erfolgreichen Fundings – je nach gegebener Summe – viele Dankeschöns mit Bezug zum Projekt. Von T-Shirts und Jutebeuteln über Führungen bis hin zur Miete eines kompletten Ateliers als Mäzen richtet sich das Dankeschön je nach der beigetragenen Summe.

Künstler*innen können sich jetzt mit ihren Ideen bewerben

Bis zu 200 Künstler*innen könnten im Falle des erfolgreichen Fundings dort Platz finden. Viel Platz für die Stadt ohne bezahlbaren Raum für Kulturschaffende also, denn die Preise für die Ateliermieten sollen überschaubar bleiben. Gegen eine Raummiete ab 80 Euro können sich Kulturschaffende für die Ateliers in einer Größe von 7,5 bis 30 m2 bewerben.

Ob Künstleratelier, Kulturbüro oder Bandproberaum: Das Team von Bahnwärter Thiel will sorgfältig kuratieren, wer den Zuschlag auf die einzelnen Räume bekommt, wer zur Philosophie des Projekts passt und was in welcher Konstellation auf dem Areal gut zusammen passen könnte.

Abschrecken soll dieser Bewerbungsprozess allerdings niemanden: „Jede*r kann sich bewerben, auch ohne Referenz-gespickten Lebenslauf und geregeltes Einkommen. Nur die Idee zählt!“ heißt es dazu auf Startnext.

Blick in eines der Ateliers im Renovierungsstadium

Ab Ende August könnte es dann losgehen

Aus dem Bahnwärter-Büro vernehmen wir auf Nachfrage vorsichtigen Optimismus, denn in der ersten Woche läuft die Kampagne gut an. Knapp 17.000 Euro der 40.000 Euro als Mindestziel sind – Stand jetzt – schon gesammelt. Mit dem zweiten und finalen Fundingziel von 100.00 Euro wären die Voraussetzungen allerdings ideal: Dann könnten alle der geplanten Ateliers zeitnah geöffnet und Mieter*innen zur Verfügung gestellt werden.

Mit dem nun gesammelten Geld müssen nämlich die restlichen Gewerke der Renovierungsarbeiten an den Seecontainern – wie zum Beispiel das Einbauen von Fenstern und Strom und die Isolierung der Räume – finanziert werden.

Das Crowdfunding läuft vorher noch bis zum 9. August. Ab Ende August könnten dann schon die ersten Mieter*innen in den Atelierpark einziehen, heißt es gegenüber MUCBOOK. Zu wünschen wäre der baldige Start dem Bahnwärter Thiel, denn die Betreiber*innen wissen – Stand jetzt – ja auch noch nicht sicher, ob sie denn über die gegebene Vertragsfrist von 2022 hinaus am Viehhof bleiben dürfen.


Fotos: © Bahnwärter Thiel

Florian Kraus

Für MUCBOOK unterwegs in der Stadt, meist wenn's um Kultur oder Politik geht.
Florian Kraus
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