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Kunst auf Glas: Schaufenster-Illus von Katharina Konte

Susanne Schöb

Ob in Schwabing, im Glockenbachviertel oder der Maxvorstadt: schlendert man an ein paar Geschäften vorbei, ist einem ihre Kunst nicht unbekannt. Fast ebenmäßig fügen sich Katharina Kontes Illustrationen in das Bild der Stadt ein und machen sie mit ihren lebendigen Motiven und verwobenen Mustern noch dekorativer. Kunst auf Glas – so könnte man ihre Werke beschreiben. Ich durfte sie bei ihrer Arbeit in Schwabing besuchen.

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Herz und Leidenschaft

Sieht man Katharina beim Zeichnen zu, versteht man sofort, warum sie ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht hat. Auf dem Fensterbrett von The Beautery stehend, die Kreidestifte in der linken Hand, bemalt sie die Scheiben mit einer unermüdlichen Leichtigkeit. Fast so, als wären die Motive schon vorgezeichnet, fügt sie die feinen Kreidestriche zu einem Gesamtbild zusammen.

Katharina Konte ist eigentlich Grafikdesignerin und hat lange als Produktionsassistentin einer Agentur im Modebereich gearbeitet. „Aber ich wollte schon immer Illustratorin werden!“, erzählt sie mir.

Ihr Zeichenstil ist unverkennbar, denn die feinen, fast schon graphisch anmutenden Linien ergeben immer eine wundervolle Einheit. „Ich male, seitdem ich ein Kind war. Für mich war es schon immer am schönsten, meine Eindrücke und Erlebnisse in meinem Skizzenbuch zu verewigen und jetzt damit mein Geld zu verdienen. Das ist ein Traum, der in Erfüllung geht.“

Dabei war die Idee für ihre Schaufensterillustrationen eine ganz spontane. Eine Freundin, die Inhaberin eines Ladens in der Türkenstraße, wollte mehr Aufmerksamkeit und da Katharina damals schon mit Kreidestiften auf Tafeln zeichnete, versuchte sie es auch einfach auf dem Schaufenster. „Dann hat sich das einfach rumgesprochen. Die Leute fanden die Idee toll.“ und so bemalte die symphatische Künstlerin bald die Schaufenster von Lodenfrey.

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Beloved Munich

Die Inspirationen zu ihren Werken findet die gebürtige Schwabingerin direkt in der Stadt. „Wenn ich zum Beispiel in Alt-Giesing unterwegs bin und all die Straßenkunst sehe oder auch nur mit dem Radl durchs Glockenbachviertel fahre, dann komme ich total inspiriert nach Hause und mache mich am liebsten direkt an die Arbeit.“ Katharina sammelt aber auch Bildbände über München und alte Land- und Postkarten, die sie dann mit ihren Illustrationen versieht.

Als ich sie nach ihrem Lieblingsplatz in München frage, lacht sie. „Die Münchner Freiheit – auch wenn das für die meisten komisch klingt, aber an der Münchner Freiheit, auf dem Platz vor dem gleichnamigen Café bin ich am liebsten. Hier trifft man einfach auf alle Facetten der Stadt: Dort sind Einheimische, die Mittags ihr Weißbier trinken, aber auch Mütter mit ihren Kindern, Touristen und Geschäftsleute aber auch Straßenmusiker und Menschen, die einfach nur in eine Tram oder einen Bus nach Hause steigen wollen. Ich war hier auch als Kind oft.“

Auch wenn die Künstlerin schon in Paris gelebt hat und als Produktionsassistentin viel unterwegs war, ist München immer ihre Heimat geblieben. „Jedes Viertel ist anders in München. Schwabing zum Beispiel finde ich fast schon ländlich. Das Glockenbachviertel hingegen ist laut und wild. Hat schon fast ein bisschen was von Berlin.“ Die Mutter eines siebenjährigen Sohnes genießt aber an München besonders die Nähe zum Grünen und die heimisch lokale Atmosphäre. Am liebsten enden ihre Streifzüge durch die Stadt dann in der Galerie Art:ig in der Corneliusstraße, in der ihr oftmals Ideen für eigene Projekte kommen.

 

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Mehr Streetart

„Das spannende an den Illustrationen auf Glas ist ihre Individualität und Saisonalität.“ Und so ist auch Katharinas Schaufensterkunst immer auf das Geschäft, die Menschen dahinter und deren Idee abgestimmt. Die Arbeiten an den Fenstern entstehen dabei in individuellen Kontexten und besonders im Miteinander.

„Ich habe gerade das Gefühl, dass sich ganz viele Frauen, besonders auch junge Mütter, wieder trauen in den Einzelhandel zu gehen und ihre eigenen Geschäfte aufmachen.“ erzählt Sie mir. „Man unterstützt sich Gegenseitig und geht auch mal einfach so einen Kaffee trinken.“

Auch Evi Weidel von The Beautery hat sie über Connections dieser Art kennen gelernt. Und auch Sie ist eine selbstständige junge Mutter mit einem ganz besondern Ladengeschäft. Erst seit Ende Oktober 2016 empfängt sie hier ihre Kunden zu Kosmetikbehandlungen, Make up, Mani- und Pediküre oder Augenbrauen-Treatments. Das schöne Design des Ladens kreiert eine Atmosphäre, in der man sich schon fast wie im heimischen Wohnzimmer fühlt. Genau dieses Gefühl will Evi ihren Kunden auch in ihren Einzelterminen vermitteln. „Ein paar Stunden nur für dich“, nennt sie es. Dazu verwendet sie nur hochwertige Naturkosmetik um bewussten Konsum zu fördern, der mit Nachhaltigkeit überzeugt.

„Der Trend geht wieder hin zu kleineren Läden. Irgendwann gab es nur noch Ketten. Jetzt sehnen sich die Menschen wieder nach dem Individuellen und machen sich Gedanken, was und wo sie kaufen. Es ist so wunderschön, dass es wieder anders ist,“ sagt Evi.

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Während Katharina Konte ihre letzten Striche zeichnet, unterhalten wir uns über Kreativität und München.

„Siehst du dich eigentlich als Street-Art Künstlerin, Katharina?“ frage ich sie. “ Schon auch, ich glaube meine Illustrationen sind einfach Teil der Stadt- und ja auch auf der Strasse…“ „Meine Visionen sind aber tatsächlich raus auf die Straße zu kommen. Ich würde gerne viel mehr Wandillustrationen machen oder zum Beispiel auch Gartenzäune bemalen. Damit könnte ich meine Kunst auch permanenter machen. Manchmal arbeite ich einen Tag an einer Schaufensterillustration und dann ist sie am nächsten Tag wieder verschwunden.“ Sie zuckt mit den Schultern. „Genau das ist aber auch das Spannende an der Illustration auf Glas.“


Beitragsbild: © http://www.katharina-konte.de/schaufenster-design/

Fotos: © Susanne Schöb

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