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Meine Halte: Poccistraße – die unliebsame Heimat

Susanne Ongyerth

"Ich bin nicht klein. Ich bekomme nur später die Regentropfen ab als du."
Susanne Ongyerth

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Man kann sich nicht aussuchen woher man kommt, heißt es.

Tja, liebe Poccistraße: Du bist meine Heimat und wirst es wohl auch noch eine Weile bleiben. Warum mir die Station mittlerweile wirklich manchmal Angst macht und was einen möglicherweise baldigen „Geisterbahnhof“ doch zum vertrauten Heimathafen macht, liest du hier.

Es geht ja nicht nur ums Äußere, oder?

Touristen, die sich nach der Ankunft im nah gelegenen Bold-Hotel in das Münchner Stadtleben stürzen wollen, ahnen im Zwischengeschoss der Poccistraße vermutlich noch nichts Schlimmes. Fährst du aber die lange Rolltreppe runter, treten langsam die ersten gelben Säulen in dein Sichtfeld, großen Risse in der Decke und extra Stützbalken, die dem Absenken der Deckenkonstruktion entgegen wirken sollen, und kleine Wasserlachen über das Gleis verteilt. Ein bisschen beängstigend, wenn du mich fragst.

Bereits 2016 hieß es, eine Vollsperrung der Poccistraße wäre möglich. Wenn der geplante Bau der U9 durch das Pinakothekenviertel in den nächsten zehn Jahren abgeschlossen ist, bedeutet das wohl das Ende für meine Halte. Ein sogenannter „Geisterbahnhof“ könnte aus ihr werden. Ohne Fahrgäste, ohne grölende SchülerInnen der nahgelegenen Berufsschule, ohne Leben.

Aber zehn Jahre sind eine lange Zeit und die Poccistraße hat abgesehen von den unschönen Aussichten doch so einiges zu bieten.

Wo Schatten ist, muss es auch Licht geben…

Die meisten Dinge haben ja auch eine gute Seite und das ist hier zum einen definitiv der Standort – ins Zentrum der Stadt brauche ich maximal zehn Minuten.

Bekannt dürfte die Poccistraße vor allem durch die Nähe zur Wiesn sein, oder aber als unliebsame Station auf dem Weg zum KVR

Zu bieten hat sie noch eine ganze Menge mehr: Egal, ob man auf der Suche nach einem netten Café ist, mal wieder Hunger auf Döner hat, ein P-Seminar des Theresien-Gymnasium-Münchens im Substanz Impro-Theater spielen sehen oder die Nacht im Strom durchfeiern will – die Poccistraße macht’s möglich.

Der gute Konditor von nebenan, das ist das Café Kustermann!

Mit meiner Halte verbinde ich heute automatisch auch alle Läden, die sich ein Stück weiter Richtung Goetheplatz befinden. Zum einen die Café Konditorei Kustermann, die die besten hausgemachten Torten und Gebäckstücke verkauft. Gegenüber die Tanzschule Neubeck, in der man jeden Samstag sein Standard-Tanzbein schwingen kann. Bist du auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen, inklusive gutem Kaffee und Bagels, dann ist die Kaffeerösterei Coffee Mamas mit Sicherheit der richtige Ort.

Gewohnheit und Routine machen’s wohl wirklich manchmal aus. So habe ich mittlerweile sogar die gelbe Farbe der Säulen liebgewonnen. Und wenn die U-Bahn nach einer langen Nacht endlich in meine Station einfährt, fühlt es sich einfach so an, als wäre ich bereits Zuhause.

Das ist sie, die Poccistraße. Meine Halte.

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