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„Menschen sind wegen einer Überdosis von uns gegangen“: Münchner Rapperin Zora über FLINTA, DIY und Theatron

Noch 9 Tage, 2 Stunden und 11 Minuten bis zum Theatron Musiksommer! Das sagt zumindest der Countdown auf der Hompage des wohl bekanntesten kostenlosen Festivals der Stadt, während diese Zeilen getippt werden. 23 Tage voller Live-Musik aus allen erdenklichen Genres warten auch diesen Sommer wieder am Olympiasee auf alle Münchner*innen. Neu ist ein Vormittagsprogramm sowie ein Programm für Kinder.

Den Auftakt am 31. Juli macht die Münchner Rapperin Zora – begleitet von Partner-in-(C)ryhme FreakinFreddy und DJ L One. First things first, dachten wir uns, und haben Zora schon mal vor’s Mikro geholt. Vor’s Interview-Mikro. Ein Gespräch über Boom-Bap-Beats, Betäubungsmittel und Münchens Status als Rap-Stadt.

“Ich stehe zu dieser Zeile” – Zora im MUCBOOK-Interview

Hi Zora, wie geht’s dir gerade?
Hi, mir geht es wieder besser. Ich war die letzte Woche am Kränkeln. War viel zuhause und habe mich auskuriert. Krank sein war nervig, aber so bin ich auch mal zur Ruhe gekommen.

Du rappst oft über klassische Boom Bap Beats. Was verbindet dich mit dieser Musik?
L One, unser DJ, kann nicht nur rappen, sondern produziert auch wunderschöne Beats, meist Boom Bap. Inspiriert durch seine Musik, schreibe ich viele Texte auf Boom Bap Beats. Wir sind als 90s Kids natürlich auch damit aufgewachsen. Die neueren Genres wie Trap und Co. hören wir schon auch, aber da verspürt man nicht diese besondere Nostalgie.

Damals waren gefühlt 99% aller Rapper männlich. Was bedeutet es dir, den Eröffnungsabend des Theatron gemeinsam mit zwei weiblichen Acts zusammen (Ami Yerewolo und Suppra aus Mali und Chile) zu spielen?
Ich freue mich unheimlich auf beide Konzerte und finde es so stark, dass FLINTA-Rap endlich mehr Reichweite bekommt. Auf Veranstaltungen wo nur männliche Rapper spielen, langweile ich mich schnell. Es muss schon eine krasse Qualität und guten Inhalt haben, damit es mich catcht. Natürlich ist Rap von einer FLINTA-Person nicht per se gut nur wegen der Identität, aber FLINTA haben eigentlich immer spannendere Themen, sind in ihren Texten reflektierter und sind meist kritische Stimmen gegen das Patriarchat. Wie auch nicht, nachdem sie seit ihrer Geburt damit kämpfen müssen.

München haben nicht gerade viele auf ihrer Rap-Landkarte. Was entgegnest du denen?
Wir werden oft für Konzerte in andere Städte eingeladen, also scheinen doch ein paar Leute zu wissen, dass hier was geht. Ich würde den Zweifelnden sagen: „Kommt doch mal vorbei, anstatt immer nur zu meckern!“ Klar, München bestätigt viele Klischees und es gibt einiges zu kritisieren. Aber trotz allem gibt es auch hier eine Rap-Szene, und vor allem viele Menschen, die durch ihre Initiative die DIY-Party-Kultur prägen. Auch die Stadt selbst unterstützt diese Szene, durch Förderungen von Künstler*innen und Veranstaltungen.

“Von Rap leben kann man auf jeden Fall nicht”

Wie lebt es sich als junge Rapperin und Kulturschaffende in der teuren Stadt?
Es ist nicht so leicht. Zwar kommen immer wieder Konzertanfragen, doch die Gagen sind teilweise echt niedrig. Leben kann man von Rap auf jeden Fall nicht. Jede*n Rapper*in die*den ich kenne, hat noch einen anderen Job. Dadurch kann auch nur bedingt viel Zeit in die „Rap-Karriere“ gesteckt werden, wodurch wiederum die Weiterentwicklung als Künstler*in leidet.

Du rappst „Brauch keine Drogen zum Leben – brauch nur dein Lachen zu sehen“. Lebst du Straight Edge? Wieviel Zora steckt in dieser Zeile? 
Ich stehe zu dieser Zeile, auch wenn ich nicht Straight Edge bin. In meinem erweiterten Freundeskreis sind Menschen wegen einer Überdosis von uns gegangen. Das hat mich sehr erschüttert und auch wachgerüttelt. Darauf nehme ich auch in anderen Textzeilen Bezug. Aber nicht nur das hat mich dazu gebracht, diese Zeile zu schreiben. Ich denke, dass wir in schweren Zeiten oft dazu neigen, alles mit sich selbst auszumachen und keine Hilfe von außen anzunehmen. Die ein oder andere greift da mit Sicherheit auch zu Betäubungsmitteln, um den Schmerz weniger zu spüren. Ich will mit dieser Zeile sagen, dass ich mehr als irgendeine Betäubung menschliche Nähe brauche, um klarzukommen. Und dass sich zu öffnen und den Schmerz zuzulassen auch bedeutet, nicht allein damit zu sein.

Crew Love is True Love…

Deine Texte sind allgemein sehr persönlich. Haben sich Freund*innen schon mal wieder erkannt – oder geglaubt wiederzuerkennen?
Tatsächlich nicht. Oder, wenn es so eindeutig war, dann habe ich es vorher mit den entsprechenden Personen besprochen. Mein Text „Freie Schritte“ zum Beispiel beschreibt wie eine befreundete Person im Gefängnis sitzt, was sie täglich macht und wie sie sich fühlt. Diesen Text habe ich der Person vor Veröffentlichung gezeigt und gefragt, ob ich das so rausbringen darf. Die Person war gerührt davon wie sehr diese Worte das eigene Erleben trafen, auch wenn sie natürlich nur ein Blick von außen waren.

Du bist Teil einer Münchner Crew namens „Fast Forward“. Was verbindet euch und wofür steht ihr?
FASTFORWARD ist ein Independent Label, das sich aus der ehemaligen ATP Crew herausgebildet hat. Ich release meine Musik über dieses Label. Uns verbindet eine große Liebe für die DIY Musik und ich bin dem Team von FASTFORWARD sehr dankbar für die vielen Stunden Arbeit, die sie in dieses Projekt stecken. Das ermöglicht auch kleinen Künstler*innen eine Plattform für ihre Musik zu bekommen, erhöht ihre Reichweite und nimmt ihnen nervige Arbeit ab, wie den Upload über digitale Musikvertriebe. Ich denke, FASTFORWARD steht für vielfältige Musik, darunter Rap- und Beat-Alben, aber auch andere Genre wie Trip Hop/Downtempo kamen zuletzt mit der Münchner Band fitis dazu.

Kurz und schmerzlos…

Wo finden wir dich in der Stadt, wenn du mal nicht gerade auf der Bühne stehst?
In meinem Job als Musikpädagogin an verschiedenen Münchner Grundschulen oder an der Isar mit einem guten Buch.

Dein liebstes bayerisches Schimpf- oder Sprichwort?
Schleich di Schandi!

Lieblingssprayer aus München?
WAK

Vervollständige den Satz: „Macker-Rapper…“
„…will schon längst keine mehr hören!“

Vor dem Auftritt: Volle Konzentration oder pures Lampenfieber?
Irgendwas dazwischen. Ich habe meist kein Lampenfieber bis 5 min vorm Konzert. Und selbst wenn ich welches habe, merkt man mir das so wenig an, dass ich es auch manchmal vor mir selbst verstecken kann. 😉

Nach dem Auftritt: Sekt, Augustiner oder einfach Wasser?
Augustiner!

Eine (Rap-)Zeile für die Ewigkeit…
„Nich alle Männer, aber immer Männer, scheiß auf Femizide, Gendern is viel krimineller“ Lena Stoehrfaktor & LIN – Femi(ni)cide

Live auf der Bühne beim Theatron

Was verbindest du persönlich mit dem Theatron? 
Ich war tatsächlich noch nie beim Theatron, weil ich die letzten 7 Jahre in Freiburg gelebt habe. Dieser Sommer ist mein erster Theatron Sommer, aber ich bin gespannt und freue mich sehr!

Auf welche Acts freust du dich dort 2026?
Ich habe leider bangerfabrique verpasst, weil ich selber woanders Konzert hatte. Da habe ich mich sehr geärgert… Ich freue mich sehr auf Ami Yerewolo und Suppra, die ja am selben Abend spielen werden! Und auf den Auftritt von Leniliciouz und Gündalein am 4. August! Generell finde ich das Theatron hat ein krass gutes Line Up!

In aller Kürze

 Was? Theatron Musik Sommer (hier alle Infos) – Eröffnungskonzert mit Zora, FreakinFreddy und L One & Ami Yerewolo & Suppra

Wann? 31. Juli – 22. August 2026 (Eröffnung: 31. Juli, 19 Uhr)

Wo? Am Olympiasee

Bilder: © Marie Lehmann

Zora auf Bandcamp und Spotify.

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