Anzeige, tagebook der Bayerischen Staatsoper

Ohne Tickets in die Bayerische Staatsoper? Genau das ist die Idee der Apollon Foyers

Bayerische Staatsoper

„Mehr Zeit mit der Familie verbringen“, „eine neue Sprache lernen“, „weniger Alkohol“: Wenn es um Vorsätze geht, gibt es einige Klassiker. Bei vielen dürfte irgendwo auf der Liste auch stehen: mal wieder ins Theater oder in die Oper gehen.

Dabei lohnt sich schon alleine der Besuch des Gebäudes des Nationaltheaters am Max-Joseph-Platz. Die prächtigen Foyers, die Architektur, die besondere Atmosphäre – all das macht den Ort zu etwas Besonderem. Gleichzeitig gibt es Gründe, warum der Opernbesuch für viele eher ein seltenes Ereignis bleibt. Karten sind teils teuer, die Abende lang und die Schwelle, ein traditionsreiches Haus wie die Bayerische Staatsoper zu betreten, für manche höher als man denkt.

Genau das soll sich mit den neuen Apollon Foyers ändern. Jeden Freitag öffnet die Bayerische Staatsoper von 11 bis 17 Uhr ihre Türen kostenlos für alle – ohne Ticket, ohne Dresscode und ohne die Erwartung, eine Vorstellung besuchen zu müssen.

Jeden Freitag eine Art “Tag der offenen Tür”

Dabei mangelt es der Staatsoper grundsätzlich keineswegs an Publikum. Die Auslastung der Opernabende liegt derzeit bei 99 Prozent, beim Bayerischen Staatsballett sogar bei 100 Prozent. Doch genau darin liegt eine spannende Frage: Wer kommt eigentlich nicht? „Uns interessiert vor allem auch die Frage: Warum kommen die denn nicht?“, sagt Projektleiterin Krysztina Winkel von der Bayerischen Staatsoper. Mit den neuen Apollon Foyers sucht das Haus nun nach Antworten.

Wer freitags durch die Apollon Foyers schlendert, trifft deshalb nicht auf den klassischen Opernbetrieb. Stattdessen stehen flexible Möbel wie Sitzsäcke zwischen den historischen Räumen, Bücher und Magazine liegen aus, an Hörstationen kann man Musik und Hörspiele entdecken. Wer möchte, setzt sich mit einem Kaffee ans Fenster, klappt den Laptop auf oder beobachtet einfach das Treiben im Haus hier in den Prunksälen der Staatsoper.

„Unser Wunsch ist, dass man nicht fragen muss: Darf ich hier oder da sitzen? Sondern sagt: Ich suche mir hier heute meinen eigenen Platz“, erklärt Winkel. Und wenn doch Fragen auftauchen: Vor dem Eingang und im Foyer steht ein Welcome-Team – erkennbar an roten T-Shirts – das für Gäste und Neugierige ein offenes Ohr hat.

Vom Aufführungsort zum Aufenthaltsort

Die Idee hinter den Apollon Foyers ist die eines sogenannten „Dritten Ortes“ – eines Raums zwischen Zuhause und Arbeit, an dem Menschen zusammenkommen können, ohne etwas konsumieren oder leisten zu müssen. Ein Konzept, das man eher aus Bibliotheken oder Nachbarschaftszentren kennt als aus einer der renommierten Kulturinstitution.

Die Bayerische Staatsoper will ihre Räume nun nicht nur für Opern- und Ballettabende öffnen, sondern auch für Begegnungen im Alltag. „Wie können wir für weitere Menschen, zu denen, die eh schon kommen, eine Bedeutung haben? Und wie kann der Ort auch über Oper, Konzert und Ballett hinaus eine Relevanz haben?“, sagt Winkel. Das seien die Grundfragen des Projekts.

Dass dabei nicht nur an ein jüngeres Publikum gedacht wird, betont sie ausdrücklich. Vielmehr gehe es darum, unterschiedliche Menschen anzusprechen und herauszufinden, welche Hürden sie bisher davon abgehalten haben, das Haus zu betreten. Oder anders gefragt: Wie wird aus einem Aufführungsort ein Aufenthaltsort?

Sing (d)einen Song

Ein Highlight muss unbedingt erwähnt werden. Alle zwei Wochen wird das offene Angebot um 15 Uhr durch ein festes Mitmachformat ergänzt. Niemand geringeres als der Münchner Creator Sandro Capasso lädt dann zur “Apollon Playback Show”. Man kennt das Prinzip vielleicht noch aus der Kindheit aus dem Fernsehen: Zu bekannten Musikstücken performen Teilnehmer*innen in Verkleidung eine Lip-Sync-Performance auf der Bühne. Wer möchte, meldet sich vorher an. Spontane Auftritte sind aber genauso willkommen.

Die schönsten Momente entstehen dabei auch mal ungeplant. Beim Soundcheck einer vergangenen Ausgabe hätten die Besucher*innen schon angefangen zu tanzen, erzählt Winkel. „Das war einfach voll schön, weil man sowas nicht planen kann.“

Genau solche Situationen seien es, die das Projekt ermöglichen wolle: Menschen zusammenbringen, die sich sonst vermutlich nie begegnet wären. Für die Playback-Bühne stellt die Bayerische Staatsoper übrigens eine kleine Auswahl an Kostümen zur Verfügung. Teilnehmer*innen können sich also im Handumdrehen in eine Bühnenpersona verwandeln. Letzten Freitag wurden etwa “Rehab” von Amy Winehouse oder “Dream a Little Dream of Me” von The Mamas & The Papas unter tosendem Applaus performt. Etwa hundert Anwesende klatschten, wippten, sangen mit.

Kleine Stärkung: Das Rheingold bar-bistro von Käfer hat als Tagesbar geöffnet

Weil so ein Auftritt auch mal hungrig oder müde macht, ist eine Quelle zur Stärkung Gott sei Dank nicht weit. Zu den Apollon Foyers gehört auch eine Tagesbar von Käfer: das Rheingold bar-bistro. Wer möchte, kann also nicht nur durch die historischen Räume schlendern, sondern sich auch auf einen Kaffee, ein kleines Mittagessen oder eine kurze Pause zwischen zwei Terminen treffen. Auch der Laptop lässt sich hier mal kurz aufklappen, wenn ein paar Mails beantwortet werden müssen oder ein Text gelesen werden will.

Gerade dadurch wird das Angebot weniger wie eine Kulturveranstaltung und mehr wie ein Ort, den man selbstverständlich in seinen Alltag integrieren kann. Denn genau das ist die eigentliche Besonderheit der Apollon Foyers: Man muss keinen Opernabend planen, keine Karte kaufen und keinen besonderen Anlass haben. Man kann einfach vorbeikommen. Das Projekt läuft seit Anfang Mai, macht während der Theaterferien Pause und beginnt dann wieder ab Oktober und ist auf Dauer angelegt. Das Team ist auch offen für Ideen von außen.

“Wenn es draußen regnet, bekommt das hier eine schöne cozy Wohnzimmer-Atmosphäre”, erzählt Winkler. Im Sommer schotten die dicken Mauern des Nationaltheaters dagegen vor der Hitze ab. An den Apollon Foyers können die Münchner*innen noch viel Freude haben.

In aller Kürze:

Was? Apollon Foyers der Bayerischen Staatsoper München

Wo? Prunksäle des Nationaltheaters, Max-Joseph-Platz 2, 80539 München

Wann? Immer freitags 11 bis 17 Uhr (an ausgewählten Freitagen: „Apollon Playback Show“)

Fotos: © Bayerische Staatsoper; außer letztes Foto: © Florian Kraus