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Satire im Gebäck: mit Semmeln und Brezeln gegen Mietwucher

Emanuel Weitmann

Praktikant bei Mucbook
Emanuel Weitmann

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Was kann man in München gegen unerhörtes Vermieterverhalten und horrende Preise tun? In den Münchner Mieterverein eintreten zum Beispiel. Das reicht jedoch schon lange nicht mehr. Persönliches Engagement ist und bleibt wichtig. Wir haben Max Heisler vom Bündnis Bezahlbares Wohnen gesprochen.

Erinnert ihr euch?

Im November vergangenen Jahres brannten die beiden oberen Stockwerke des Hauses in der Dachauer Straße 22 und 24 aus. Drei Personen kamen dabei tragischerweise ums Leben. Bereits zwei Tage nach der Tragödie versuchte der Vermieter das Mietverhältnis mit sofortiger Wirkung zu beenden. Hierfür wurde ein Schreiben an die Bewohner verteilt, dass diese unterschreiben sollten.

Das Problem: Viele der Personen die dort wohnen, sprechen wenig Deutsch oder können nicht lesen. Viele unterschrieben es trotzdem, ohne zu wissen worum es sich bei dem Dokument handelte.

Bündnis Bezahlbares Wohnen: „Liebe Politiker, bekommt mal euren werten Hintern in die Gänge“

Das Bündnis Bezahlbares Wohnen unterstützt nun genau diese Mieter und versucht, dass sie weiterhin in dem Gebäude leben können. Zusätzlich hat das Bündnis Anzeige wegen Mietwucher gegen den Vermieter erstattet.

Max Heisler vom Bündnis Bezahlbares Wohnen stand uns Rede und Antwort. Denn eines ist klar: Gerade in München sind solche Projekte wichtig, um bezahlbaren Wohnraum zu erhalten.

Mucbook: Worum geht es genau beim Bündnis Bezahlbares Wohnen?

Max Heisler: Das Bündnis Bezahlbares Wohnen ist ein parteipolitisch und finanziell unabhängiger Zusammenschluss von über 32 Mietergemeinschaften und Stadtteilvereinen. Zusammen engagieren wir uns für den Erhalt bezahlbaren Wohnraums und vernetzen von Entmietung betroffene Mieterinnen und Mieter untereinander. Eigentlich eine Art Hilfe zur Selbsthilfe.

Gleichzeitig sind wir kein klassischer Mieterverein und einige Eigentümer engagieren sich bei uns. Und das steht auch für unser Credo: Kommunikation statt Konfrontation. Denn am Ende haben Mieter und Vermieter das gleiche Interesse – eine faires Mietverhältnis. Und wenn die Politik mal ihren werten Hintern in die Gänge bekommen würde, wäre das leicht möglich.

Kann man bei euch mitmachen?

Logisch! 24 EUR kostet eine Mitgliedschaft im Jahr. Wir würden uns vor allem über Unterstützung bei der Durchführung von Filmvorführungen zum Thema freuen. Das machen wir in Kooperation mit dem Werkstattkino.

Und, so viel dürfen wir schon verraten, Ende diesen Jahres bieten wir auch einen eigenen Immobilienrechtsschutz an – für 52 EUR im Jahr.

Was ist momentan euer größtes Projekt?

Auf der einen Seite haben wir es mit dem unsäglichen Vorgehen von SOS Kinderdorf in Untergiesing zu tun. Der eigentlich soziale Verein hat ein Haus an der Hans-Mielich-Str. 1a geerbt und rück den Altmietern nun mit saftigen Mieterhöhungen um bis zu 300 EUR im Monat auf die Pelle. Dabei wird ordentlich Druck auf die Mieter ausgeübt. Auch die letzte Metzgerei (Wachter) im Viertel ist in diesem Haus und bedroht. SOS Kinderdorf verhält sich hier aggressiver als jeder „Miethai“ den wir bisher in den letzten 7 Jahren kennengelernt haben.

Auf der anderen Seite betreuen wir an die hundert Mieter im sogenannten Hans-Mielich-Carree, auch in Untergiesing. Hier befürchten die Mieter schon lange, dass sie beim nächsten Verkauf der Wohnanlage (knapp 260 Wohnungen) sich die Wohnungen nicht mehr leisten können. Doch hier entpuppt sich der neue Eigentümer als kompromissbereiter Akteur.

Zusammen mit uns wird die Kommunikation mit den Mietern abgestimmt und individuelle Lösungen für die anstehenden Modernisierungs- und Abbrucharbeiten mit den Mietern gesucht. Die Anlage stammt nämlich aus dem Jahre 1952 und wurde bis heute kaum in Schuß gehalten. Teilweise gibt es keine Heizungen in den Wohnungen.

Was sind die Pläne für die Zukunft?

Das Bündnis Bezahlbares Wohnen wächst und wächst. Die Zeit für eine parteipolitisch unabhängige Institution, die sowohl die Bedürfnisse von Mietern und Vermietern kennt und zusammen bringt, scheint reif. Daher werden wir auf den bisherigen Erfolgen weiter aufbauen und auch auf Leuchtturmprojekte wie www.leerstand089.de setzen. Immerhin hat die Stadt nun beschlossen eine solche Plattform zu übernehmen. Und das macht natürlich stolz, wenn man sieht welchen Einfluss gute Ideen haben können.

Dein liebster Ort zum Entspannen in München?

Ganz klar des Sechzger Stadion!

Max Heisler bei der Satireaktion am 12.08.

 Satire mit Gebäck: AktionM gegen den Mietwahnsinn in München

Letzten Samstag fand eine Satireaktion statt um die Aufmerksamkeit erneut auf den Fall in der Dachauerstraße zu lenken. Organisiert wurde die Aktion von der neuen Plattform „AktionM“. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht mit Witz und Satire auf Missstände aller Art aufmerksam zu machen.

Bei der Aktion wurden Tüten mit Semmeln und Brezen verteilt. An diesen waren Flyer mit der Überschrift „es tut mir leid“ befestigt. Der Eigentümer des Gebäudes, dem auch ein Bäckerunternehmen gehört hatte mit der Aktion natürlich nichts zu tun.

Es sollte darauf hingewiesen werden, dass Wohnungseigentümer mit ihren Mietern nicht umgehen können, wie sie wollen. Gerade in Städten wie München, wo bezahlbarer Wohnraum schon extrem rar ist. Unterstützt wurde die Protestaktion von Max Heisler und seinem Bündnis für bezahlbares Wohnen.

Nach wie vor ist es wichtig Fälle wie diesen in das kollektive Bewusstsein zurückzurufen. Dafür war die Aktion sicherlich gut aber auch um vielleicht den einen oder anderen Hauseigentümer und vor allem Investoren zum Umdenken zu bewegen.

 


Danke an Max Heisler für das Interview.

Wenn ihr selbst aktiv werden wollt, schaut einfach mal bei Facebook vorbei. Oder ihr besucht Max in der Geyerwally, dort steht er am Wochenende öfters hinter der Theke.

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