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Münchner Startup UrmO: Freude am Fahren

Daniela Becker

Daniela Becker ist Umweltwissenschaftlerin und arbeitet seit 2010 als freie Journalistin zu den Themen erneuerbare Energien, Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und Clean-Tech.
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Das Münchner Start-up UrMo bastelt an der Zukunft der Mobilität: sie hat zwei Räder, wird intuitiv gelenkt und mit einem kleinen Elektromotor betrieben.

Im Strascheg Center for Entrepreneurship, eine Einrichtung der Hochschule München, die junge Gründer fördert, liegt Bastlerspirit in der Luft. Beziehungsweise auf den Tischen, auf denen Unmengen bunter Kabel liegen und Werkzeugboxen verteilt sind. In einer Ecke des Raumes parkt ein Augustiner-Bierkasten auf Rädern, sozusagen eine bayrische Version der Seifenkiste – allerdings mit einem Elektromotor frisiert.

Trittbrettfahrer

Hier, in dieser Kombination aus Büro und Werkstätte, arbeitet Felix Ballendat gerade an der Finalisierung seiner Erfindung, die optisch an eine Art abgespeckten Segway erinnert: ein Trittbrett, auf dem der Fahrer steht, mit jeweils links und rechts einem großem Reifen. Das UrMo, kurz für Urban Mobility, ist genau wie E-Scooter, E-Roller oder Hoverboards eines jener Fahrgeräte, die im Deutschen unter dem etwas sperrigen Begriff „elektrisches Kleinstfahrzeug“ firmieren. Gemeinsam mit seinem Kommilitonen Jakob Karbaumer, 24, tüftelt der Maschinenbauer bereits seit einigen Jahren an einem Prototyp eines solchen „E-Floaters“.

Garagenstart

Szenetypisch beginnt diese Start-up-Geschichte in einer Garage. Nicht im Silicon Valley, sondern im eher beschaulichen bayrischen Simbach am Inn. Vor sieben Jahren kaufte sich Ballendat einen BMW Z3, den er in der Werkstatt seiner Eltern eigenhändig zu einem E-Roadster umbaut. Eine seiner ersten Spritztouren geht nach München, wo der heute 29-Jährige dann – umweltfreundlich und leise – im immer währenden Stau der bayrischen Landeshauptstadt steht. „Freude am Fahren“, der Slogan, mit dem der ortsansässige Automobilhersteller wirbt, kommt nicht auf. „So kam mir der Gedanke, ein Fahrzeug zu entwickeln, das möglichst leicht und klein und damit einfach in den Alltag zu integrieren ist“, erzählt Ballendat.

Das Gerät ist vor allem dafür gedacht, mehr Menschen den Umstieg auf die Öffentlichen Verkehrsmittel schmackhaft zu machen. Wer aus dem Bus oder Zug aussteigt kann einfach das UrmO aufklappen, um darauf die letzten Kilometer zum Termin zu düsen.

Im Studium gewinnen die Tüftler mit der Idee erste Preise. Es folgt ein EXIST Gründerstipendium und eine Förderung der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Eine Kickstarter-Kampagne im Herbst letzten Jahres, die schnell ihr Funding-Ziel erreicht, werten die Unternehmer endgültig als Zeichen, dass ein Markt vorhanden ist. Sie wagen den Sprung in die Selbstständigkeit und gründen gemeinsam mit Sebastian Signer (35) als strategischem Kopf das Start-Up UrmO, kurz für „Urban Mobility“.

Die drei Gründer Felix Ballendat (29), Jakob Karbaumer (24), Sebastian Signer (35) arbeiten im Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE), einer Einrichtung zur Förderung von Gründern der Hochschule München, an der Mobilität der Zukunft.

Was kann das UrmO, was die anderen elektrischen Kleinstfahrzeuge nicht können?

Sebastian Signer erhebt sich aus der provisorischen Besprechungsecke im ersten Obergeschoss des Gründerzentrums. Mit der rechten Hand hebt er den Prototyp hoch, stellt ihn auf dem Boden ab und entfaltet ihn mit nur einem Handgriff. „Das geht deutlich einfacher als bei einem Roller oder einem Klapprad. Außerdem ist unser Gerät viel leichter“, sagt Signer.

Die Bauteile bestehen aus besonders leichten Carbonfasern und Aluminium. Mit rund sieben Kilogramm wiegt das UrmO nicht mehr als eine Trage mit sechs Liter-Plastikflaschen; zusammengeklappt ist das Gerät kaum größer als eine Aktentasche. Wird das UrmO entfaltet, springt das Gerät vom Schlaf- in den Bereitschaftsmodus. Damit geht auch sofort die LED-Beleuchtung an, die nach vorne den Weg erhellt und nach hinten in Rot Signalwirkung zeigt.

Dann steigt Signer auf, einen Fuß nach dem anderen und schon surrt er elektrisch angetrieben den Flur hinunter. Gesteuert wird über Gewichtsverlagerung: Ein leichtes nach vorne Lehnen gibt dem Floater das Signal loszufahren, entgegengesetzt wird gebremst. Die Software muss dafür sorgen, dass das Gerät nicht ruckelt, sondern sicher dahingleitet – mit höchstens 15 km/h. Die maximale Reichweite liegt bei 20 Kilometern, egal, ob es bergauf- oder bergab geht oder wie häufig an Ampeln abgebremst und wiederangefahren werden muss, denn beim Bremsen wird Energie zurückgewonnen. Eine Teleskopstange, die laut Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) im Straßenverkehr verpflichtend ist, hilft der Stabilität, ist ebenfalls zusammenklappbar und leicht an das Brett anzuhaken.

Der Preis für das UrmO soll nach Verkaufsstart im November inklusive Haltestangen bei 1.899 Euro liegen.

„Wenn jeden Tag im Jahr etwa vier Kilometer zurücklegt werden, schafft die Batterie eine Gesamtdauer von etwa 2000 Tagen“, sagt Signer. Nach etwa 800 Ladezyklen wird für die Batterie noch eine Leistung von 80 Prozent garantiert, entsprechend sinkt die Reichweite etwas. Die Li-Ionen-Batterie lässt sich über eine normale Haushaltssteckdose in rund zwei Stunden aufladen.

UrmO besteht aus zwei 14 Zoll großen Gummireifen, die weiteren Teile aus Aluminium und leichten und gleichzeitig stabilen Kohlefasern. Eine Teleskopstange, die laut Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) im Straßenverkehr verpflichtend ist, kann dazu bestellt werden.

Nur auf dem Radweg erlaubt

Das Gesetz schreibt vor, dass das UrmO nur auf dem Radweg gefahren werden darf. Entsprechend sind die drei Gründer Teil der immer größer werdenden Gruppe, die fordert, dass es künftig auf Straßen mehr Platz für neue Verkehrsmittel geben muss. „Das wird oft als Angriff auf Autofahrer gewertet. Wir wollen aber eine sinnvolle Ergänzung sein. Ich hoffe, dass mit dem Hype um die E-Roller viele Leute verstehen, dass es insbesondere in der Stadt gute Alternativen zum Auto geben kann, die genauso schnell und komfortabel sind, aber deutlich weniger Platz und Ressourcen brauchen“, sagt Signer.

Längst träumen die drei von UrmO-Sharing-Stationen an Bahnhöfen und Kooperationen mit Mobilitätsanbietern. Doch erst einmal wird der kleine Flitzer fertig entwickelt. Für Ende des Jahres ist der Verkaufsstart geplant.

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