Kultur

Musikalische Entdeckungsreise

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Gemütlich ist es, als wir uns mit Amir und Beni treffen. Die Zwei sind vielleicht auch besser bekannt als Amos und Bartellow oder im Team als Columbus. Amir ist neben Amos auch noch Designer und Gründer des Musiklabels Mayolove Music, zudem liefert er mit seinen Pop-Songs Balsam für die Ohren. Tausendsassa Beni ist klassisch ausgebildeter Komponist, Musikproduzent und Jazzgitarrist. Was passiert, wenn zwei Multitalente aufeinandertreffen? Neofuturistische Klänge und ein klangvolles Feuerwerk. Als Columbus erfrischt das Münchner Elektro-Duo die Gemüter mit guter Musik, deren Verschmelzung analoger Synthesizer aus den 80ern und 90ern und klassischer Strukturen jede Hüfte zum Schwingen zwingen.

Vor der mucbook-Release-Party am Freitag haben wir die zwei Jungs natürlich noch in das nagelneue Magazin reinschnuppern lassen, ihre Mimik gedeutet und über ihre Kochkünste und Inspirationen gequatscht.
Und wer am Freitag nicht kommt oder zu den Klängen still stehen bleibt – der ist selber schuld.

Den Gesichtern nach gefällt euch das neue mucbook gut.
Beide: Ja, durchaus!

Habt ihr jetzt erstmal nur geblättert oder auch ein bisschen was gelesen?

Amir: Erstmal nur quer gelesen. Aber ich beherrsche die Kunst des Powerreadings. Die Gestaltung fällt mir immer zuerst ins Auge, weil sie auch schon Auskunft über die Qualität liefert. Wenn sich jemand bei der Gestaltung so viel Mühe gemacht hat, wird der Inhalt das auch wert sein.

Wir haben ja keine Kosten und Mühen gescheut 089 – Orte rauszusuchen. Was sind denn eure Lieblingsplätze?
Amir: Für mich ist es mein Zuhause. Ich bin ja mittlerweile schon ein Familienmensch. Von daher ist es auch tatsächlich der Platz, an dem ich versuche, so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie zu verbringen. Und ist deswegen auch mein Lieblingsplatz.
Beni: Recht einfach: Ich führe eine große Isarromanze und wohne auch nur fünf Minuten davon weg. Dass ich dort so schnell hinlaufen kann, ist natürlich schon sehr wertvoll für mich. Aber ansonsten, wenn ich nicht an der Isar bin, bin ich wahrscheinlich auch zu Hause. Ich mach da Musik, mach ich ja schließlich auch ganz gerne.

Das heißt, ihr seid mehr zu Hause als am musizieren?
Amir: Ja, bei mir momentan schon. Ich bin gerade dabei, mir ein neues Studio zu bauen und mir somit eine Möglichkeit zu schaffen, wieder selber zu machen. Momentan arbeiten wir hauptsächlich bei Beni.

Du schwingst also zur Zeit mehr den Kochlöffel, als an neuen Songs zu feilen?
Amir: Den Kochlöffel zum Glück nicht. Ich kann nicht kochen. (grinst)

Dann wärst du wohl eher ein ungeeigneter Kandidat für unsere Rubrik ‚Copy Kitchen‘?
Amir: (lacht) Das kommt drauf an, wie gut die Vorlage ist.

Spielt ihr denn dann auch so, wie ihr kocht?
Beni: Uh, das ist eine gute Frage. Ich glaube bzw. hoffe, dass wir ein bisschen mehr Konzept und mehr Plan beim Spielen als beim Kochen haben. Aber eine gewisse Parallele lässt sich wahrscheinlich doch ziehen. (lacht)

Sprichst du jetzt von deinen Kochkünsten oder von Amirs?
Beni: Stimmt! Das müssten wir jetzt unterscheiden. Singst du so, wie du kochst?
Amir: Äh… vielleicht gibt es wirklich eine Parallele. Der Beni ist sicherlich der Intuitivere und ich wäre mehr der Rezeptkoch.
Beni: Das ist keine Parallele, sondern eigentlich ist es genau umgekehrt.

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Überrascht ihr uns dann am Freitag mit neuem Ohrenschmaus auf der Bühne?
Beni: Ja, in der Tat. Ob er euch schmecken oder nicht.

So in der Art: Augen zu und durch?

Beni: Ihr müsst da durch! Ne, wir haben auf jeden Fall einen Haufen neuer Stücke im Gepäck. Wir sind fast fertig mit unserem Album. Deswegen wird auch einiges neues präsentiert. Eigentlich spielen wir immer bisschen was neues.

Es findet sich eine Menge über eure Projekte als Amos und Bartellow, aber relativ wenig über euch als Duo, als Columbus.
Amir: Stimmt, wir machen auch nicht so offensiv Promo. In der Tat liegt uns mehr an der musikalischen Substanz als an der sozialen Vermarktung. Wir fokussieren die Kapazitäten, die wir haben und konzentrieren uns auf das neue Album. Sobald wir aus diesem Modus wieder raus sind, richten wir unseren Blick wieder mehr auf die Vermarktung.
Beni: Wir kümmern uns schon um unsere Netzgemeinde. Sucht man uns im Internet, stolpert man wahrscheinlich zuerst über zwei Videos, die uns vermutlich einen gewissen Bekanntheitsgrad eingebracht haben. Wenn wir die Verbreitungsmöglichkeit Internet aber nutzen, dann mit Vollgas und ziemlich aufwendig.

Seid ihr denn stark aufs Internet fokussiert? Lest ihr Blogs?
Amir: Es gibt schon ein paar Blogs auf die ich von Zeit zu Zeit schaue. Das Gute ist, dass wir ist  uns in einem Spannungsfeld zwischen fast zwei Generationen befinden. In der Hinsicht bin ich  ein bisschen altmodisch. Neben der Musik bin ich noch Designer und arbeite natürlich auch die ganze Zeit mit den Medien. Nur eben weniger um mich inspirieren zu lassen. Mit dem Konsumieren von Internet verbringe ich tatsächlich wenig Zeit.
Beni: Ich bin schon ziemlich verwurzelt in der ganzen Geschichte „Internet“, weil mein komplettes persönliches Umfeld im Internet vertreten ist und es mitgestaltet. Allerdings –  was die Inspiration angeht, da gebe ich dir Recht. Die hole ich mir tatsächlich nur sehr selten direkt über Webinhalte. Ich hab Musik studiert und das ist eine meiner Hauptinspirationsquellen überhaupt. Von direktem Kontakt und dem angeeigneten Wissen zehre ich einfach mehr. Mein Anliegen ist es eher, mich im Internet zu informieren: Was passiert gerade? Was gibt es neues und was ist aktuell? Das ist mir schon sehr wichtig.

Ihr steht eher auf Print. Dann findet ein Stadtmagazin bei euch Anklang?
Amir: Ja, ist auf jeden Fall viel besser. Ich bin eher analog unterwegs.
Beni: Ich finde daran spannend, dass die Autoren Blogger sind und es quasi zu einer Rückkopplung mit dem Internet kommt. Ähnliches Beispiel: Ich gehe gern in einen Plattenladen und schau mir die Cover an. Ich mag es, mich so konkret wie möglich mit dem „echten“ Leben zu beschäftigen und etwas in der Hand zu haben. Auf dem Bildschirm ist es leider immer so indirekt aufgearbeitet.

Am Freitag spielt ihr dann ganz direkt auf der Party? Verratet ihr, was uns erwartet?
Amir: Gegenfrage: Was erwartet uns?
Beni: Wir hätten gern jede Menge Einteiler.

Lieber Einteiler als Applaus?
Beni: Ja, Einteiler sind ja schön an sich.
Amir: Wir würden uns freuen, wenn musikinteressierte Menschen kommen und wir hoffen, dass wir die Menschen begeistern können.

Schön gesagt.
Amir: Warum auch etwas Reißerisches sagen, wenn es auch einfach geht. Da steckt viel Herzblut drin. Sowohl von eurer als auch von unserer Seite. Zwei Sachen, die mit Leidenschaft entstanden sind, können vielleicht eine schöne Synergie bilden.
Beni: Einer meiner Dozenten, eine uralter Jazzmusiker, hat das zu Beginn meines Studiums mal anders formuliert. „Why do you make music?“ war seine Frage und die meisten probierten es mit ihren Antworten. Seine Antwort ließ uns die Kinnlade runterfallen: „You only make music because of pussy!“. Ich hab mir den Satz mal durch den Kopf gehen lassen…
Amir: …und hast den Wahrheitsgehalt geprüft! (lacht.)
Beni: …und hab den Wahrheitsgehalt geprüft, genau. Nein, 1:1 würd ich es nicht unterschreiben, aber es geht auf jeden Fall darum, die Leute die einen selbst interessieren, zu begeistern. Ich glaube, dass wär für uns auch die Devise für uns. Leute begeistern.

Also, wie viel Wahrheitsgehalt ist jetzt dran an dem Satz?
Beni: 50 Prozent. Ich will ja die männlichen Zuhörer nicht ausschließen.

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photo credits: Izabela Bednarczyk
Columbus

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