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Neues Wohnquartier statt Bier

Die Paulaner-Brauerei will an den Stadtrand umsiedeln, stattdessen kommt ein neues Wohnquartier an ihre Stelle. Hier bietet sich eine tolle Chance zur Stadtreparatur: Wenn das neue Paulaner-Areal nicht isoliert geplant wird. Die Paulaner-Brauerei wird in etwa fünf Jahren ihre Produktion nach Langwied verlagern. Das rund 85.000 m² große Areal an der Reger-, Welfen- und Ohlmüllerstraße in der Au übernimmt und entwickelt die Bayerische Hausbau. Sie will dort ab 2018 in erster Linie Wohnungen bauen, zu einem Drittel geförderte, weitere Flächen für Gewerbe und Kindertageseinrichtungen nutzen sowie eine Tiefgarage errichten.

250 Paulaner-Mitarbeiter bleiben nach derzeitigem Planungsstand im denkmalgeschützten sogenannten „Zacherl-Bau“ an der Ohlmüllerstraße. Mit der Quartiersentwicklung soll die jetzt industriell genutzte und komplett versiegelte Fläche begrünt werden. Neben einer großen öffentlichen Grünfläche sind auch private Grünzonen vorgesehen. Die Flächenverteilung, die Zahl der Wohnungen und die architektonische Ausgestaltung will die Bayerische Hausbau in Kooperation mit der Stadt 2012 in einem städtebaulichen Wettbewerb klären. Zu der Logistikfläche an der Welfenstraße äußerten sich die Unternehmen Paulaner und Bayerische Haus-bau noch nicht.

Das Münchner Forum befürchtet, der städtebauliche und landschaftsplanerische Investorenwettbewerb Paulaner könnte systematisch zu kurz greifen, wenn im Wettbewerb nicht auch die außerordentliche Lage an der Hangkante, die stark trennende Bahntrasse sowie die Verzahnung mit der Umgebung berücksichtigt werden. Vier Beispiele:

1. Die Weilerstraße könnte langfristig bis an die Hangkante verlängert werden, wenn es die derzeitige Bebauung an der Hochstraße zulässt – diese Option sollte freigehalten werden.

2. An der Grenze Logistikfläche zu den Neu-bauten Welfenstraße („Welfenhöfe“) sollte ein Fuß- und Radweg von der Welfenstraße in Nord-Süd-Richtung in Verlängerung der Senftlstraße angelegt werden, der in einem Steg über die Bahn zum Ostfriedhof weitergeführt werden könnte.

3. Der Weg auf der Fußgängerbrücke über die Straße am Nockherberg ließe sich ziemlich geradlinig durch das Gelände bis zur Welfenstra-ße führen.

4. Es sollten Möglichkeiten geschaffen werden, sich auf dem Gelände aufzuhalten. Denn Urbanität ist nicht, was Bauten vorgeben, sondern was Menschen in und zwischen Bauten erleben.

Bei einer Ortsbesichtigung am 20. März verschaffte sich der Forum-Arbeitskreis Bauleitplanung einen Überblick über das bisherige Paulaner-Gelände. Der sogenannte Zacherlbau, der von außen teilweise noch proper aussieht, ist in Wahrheit eine Kriegsruine lediglich mit einem Notdach. Im Inneren steht keine Wand mehr, es gibt keine Zwischendecken. Nur das Kreuzgewölbe unter dem Erdgeschoss hat die Bomben überstanden. Da hier kein Sudhaus mehr gebaut wird, sind diese Gewölbe sicherlich zu erhalten.

Hinter die alte Fassade wird ein Neubau kommen müssen; hier soll die Paulaner-Verwaltung einziehen. Sie wird auch das scheunentorgroße Industriedenkmal der weltweit ersten Eismaschine am Auer Mühlbach der Nachwelt überliefern. Spannend bleibt die Frage, wie mit dem stadtbildprägenden Turm der ehemaligen Mälzerei im Wettbewerb umgegangen wird. Auch vom oberen Paulaner-Gelände zwischen Hoch- und Regerstraße werden alle Gewerbehallen verschwinden; hier ist bekanntlich ein neues Wohngebiet geplant. Die Entsiegelung der nahezu vollständig versiegelten Gewerbeflächen wird der Stadt gut tun, wie auch die Öffnung der bisherigen Brauereienklave zu den umgebenden Quartieren.

Bildquelle: Jakob Daniel Schröder auf www.jugendfotos.de über cc-by-3.0

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