tagebook von Philomena Poetis

Philo is alive with the Sound of Music

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Die Liebe zur Musik habe ich von meinen Eltern. Kein Tag vergeht in unserem Haus ohne Musik.

Mama, die selbst jahrelang tanzte, legt besonderen Wert auf alte Hollywood-Filme mit großen Tanzszenen, ist größter Fan von Walt Disney-Filmen und Musicals. Eines unserer Lieblingsfilme ist und bleibt das Musical The Sound of Music aus dem Jahre 1965 mit Julie Andrews als Maria und Christopher Plummer als Kapitän von Trapp.

So musste ich zugreifen, als ich erfuhr, dass das Salzburger Landestheater mit ihrer Originalproduktion von The Sound of Music vom 29. März bis 6. April 2015 im Münchner Prinzregententheater gastieren würde – das perfekte Geburtstagsgeschenk für meinen Fisch.

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Sound of Music für das Geburtstagskind

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„The Sound of Music“ performed vom Salzburger Landtheater im Münchner Prinzregententheater

Kurz zur Geschichte des Musicals: Die sehr lebensfrohe Maria ist Klosterschwesteranwärterin auf dem Salzburger Land und wird 1938 als Gouvernante zur Familie von Trapp geschickt, um die Erziehung der sieben (!), etwas komplizierten, von Trapp-Kinder zu übernehmen. Durch Zuneigung und vor allem durch Musik und gemeinsame Lieder schafft sie es, die zerrüttete Familie wieder zusammenzubringen.  Maria und Kapitän von Trapp verlieben sich und heiraten. Jedoch verbietet der Stolz des Kapitäns die Nazis und den „Anschluss“ Österreichs an das deutsche Reich zu akzeptieren. Durch ein Musikfestival auf dem die gesamte von Trapp-Familie singen soll, wird ein Aufschub seiner Einberufung als Kommandant eines deutschen Kriegsschiffes im Bremerhaven für wenige Tage gewährt. Die Familie singt und schafft es über die Alpen in die Schweiz zu fliehen. Happy End.

Die Genialität der Musik und Gesangstexte der Amerikaner Richard Rodgers (1902-1979) und Oscar Hammerstein II (1895-1960) für das Musical (Uraufführung 1959) liegt darin, dass sie Lieder geschaffen haben, die jeder von uns mitsingen kann. Gleichzeitig aber ist die musikalische Komplexität für das Orchester nicht zu unterschätzen und durch diese anspruchsvolle Orchestrierung wird der Zuhörer in eine andere Welt gezogen. Dirigent Peter Ewald gelingt dieser Spagat zwischen melodischer Leichtigkeit und anspruchsvollem Orchesterklang ideal und schafft mit dem Staatstheater am Gärtnerplatz eine wunderbare musikalische Basis für die Sänger.

Milica Jovanovic singt und spielt eine erstklassige Maria und ich bin verwirrt, wie sehr sie doch Julie Andrews in dieser Rolle ähnelt – eine perfekte Besetzung. Frances Pappas beeindruckt mit ihrer Opernstimme als Mutter Oberin und auch Franziska Becker als Elsa Schrader macht mit ihren Gesangs- und Tanzkünsten auf sich aufmerksam. Einzig und allein dem großen Musicalstar Uwe Kröger als Kapitän Georg von Trapp kann ich nicht viel abgewinnen. Obwohl er sehr detailliert schauspielt, singt er nicht gut und zieht mit seiner mangelnden Intonation andere Sänger in Duetten oder Ensembles nach unten. Die sieben Kinder sind zuckersüß; natürlich bleibt einem die fünfjährige Gretl, gespielt und gesungen von Helena Stark, besonders im Gedächtnis.

Die hochprofessionelle Inszenierung von Andreas Gergen und Christian Struppeck ist der Filmproduktion nachempfunden. Das Publikum wird ins Salzburger-Land von 1938 versetzt mit tollen Requisiten wie der beeindruckenden von Trapp-Villa und detailgetreuen Kostümen. Großartig ist die Inszenierung des Salzburger Konzertes unter den strengen Augen der Nazis. Hier wird die unsichtbare Mauer zwischen Bühne und Zuschauerraum durchbrochen und wir selbst sind das Publikum des Nazi-Konzertes. Unter einem riesigen Hakenkreuz singt die Familie von Trapp, während alle Ausgänge des Prinzregententheaters von Ensemblemitgliedern, verkleidet als Nazi-Soldaten und mit streng nach vorne gerichtetem Blick, versperrt sind. Unglaublich, dieses Gefühl. Als auch noch einer aus dem Ensemble ruft „Österreich den Österreichern“, beginnen diese Soldaten nach dem Widersacher im Publikum zu suchen. Gänsehaut.

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Alles in allem, ein wunderschöner Musical-Abend! Ich hatte Gänsehaut von Gesang und Inszenierung, war komplett versunken im Salzburger Land der 30er Jahre, habe mit den Mitglieder der von Trapp-Familie mitempfunden (sogar mitgesungen), laut gelacht und mitgeschunkelt und konnte den Abend mit den besten Konzertbegleitern genießen. Jeder im Publikum verlässt den Saal mit einem großem Happy-End-Lächeln.

Weitere Artikel über Musik, Konzerte, Opern oder auch das ein oder andere außenpolitische Thema findet ihr hier.

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