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Prima Leben und Stereo: Du kal dansa ompa till du dør!

Piritta Kleiner

Kulturwissenschaftlerin und München-Versteherin.
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Es war mal wieder soweit – am Vöttinger Weiher haben Bands und Festivalbesucher das Prima Leben und Stereo genossen – fast regenfrei. Verbesserungsvorschläge? Wieder einmal: keine.

Die Wiesen, welch Ãœberraschung, sind matschig. Egal. Wir sind schließlich auf dem „Prima Leben und Stereo“ (kurz: PLUS) . Hier machen wir das beste draus. Wie aus allem. Auf dem Zeltplatz haben sie den Matsch jedenfalls gut genutzt und am frühen Samstagabend ein „Schlammcatchen“ veranstaltet. Im Ring stehen junge Männer, einer sticht wegen seines Wikingerhelms und dem langen Rock hervor.

Später, auf der Bühne, sticht der Mann mit der Gasmaske hervor. Neben ihm Janove Ottesen. „NÃ¥ skal du danse til pipÃ¥ vÃ¥r til du blør. Du kal dansa ompa till du dør.“ „Man soll tanzen bis man tot umfällt“, soviel verstehen die Besucher des PLUS vom Frontman der norwegischen Band Kaizers Orchestra. Getanzt haben sie aber auch schon vorher.

Vor 18 Jahren fing man an am Vöttinger Weiher in Freising und veranstaltete für eine befreundete Band ein Konzert. Damals war es eine Gruppe von Studenten, Getränke gab es noch aus dem Kofferraum. Mittlerweile gibt es einen Verein in Freising – „Prima Leben und Stereo“ – der aus jungen, musikbegeisterten Menschen besteht und jedes Jahr das gleichnamige Festival auf die Beine stellt. Stolz kann man auf die Bands zurückblicken, die bereits in Freising gespielt haben. Neben nationalen Indiegrößen wie die Sterne, Kante oder den zappeligen Bonaparte, lockte das PLUS auch schon internationale Bands wie beispielsweise die belgische Band Das Pop oder dieses Jahr Kaizers Orchestra nach Freising an den Weiher.

Dass dieses Festival eine Leidenschaft für die Veranstalter ist, spürt man überall, spürt man bei jedem einzelnen Helfer. Auch noch am späten Samstagabend, das Festival ist schon fast vorbei und es hat gefühlte 40 Grad im Backstage-Zelt, sind die Mitarbeiter bei der Essensausgabe immer noch genauso freundlich wie am Freitagnachmittag. Geld gibt es für die meisten Helfer keines, dafür hängt an der Mitarbeiter-Infotafel eine Ankündigung über ein gemeinsames Hütten-Wochenende im September. Daneben ein anderer Zettel, auf dem man doch bitte Verbesserungsvorschläge anbringen soll. Mit blauem Kugelschreiber hat jemand darunter geschrieben: „Autan für alle“ – sonst ist der Zettel leer.

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Während ein paar Festivalbesucher sich noch nachts im Weiher abkühlen, wummern bereits die Bässe für die Afterparty bei der Seebühne. Das DJ-Pult steht auf einem Gerüst im Weiher, ein paar Nacktschwimmer versuchen am Geländer hochzuklettern, werden aber wieder verscheucht.

Nachdem Schlachthofbronx die Bühne verlassen haben, wird noch ausgelassen bis spät in die Nacht am Weiher getanzt. So geht ein wunderschönes Prima Leben und Stereo dieses Jahr zu Ende. Verbesserungsvorschläge? Wieder einmal keine.

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