Kultur

Puerto Giesing startet

Sebastian Gierke

Journalist, frei, in München und im Netz.
Sebastian Gierke

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Sie haben gebangt und gezittert und geschuftet – und es hat sich gelohnt. Die Genehmigung für die ersten Veranstaltungen ist da. Puerto Giesing geht heute an den Start. Mit der Nerd Nite. Am Donnerstag folgt dann die 60er Ausstellung.

Ich hab für die SZ den Hafen besucht. Der Text ist nicht online, deshalb hier noch ein kurzer Auszug:

Immer wieder haben sich Passanten die Nase platt gedrückt, an den großen Schaufenstern. Jetzt, da das alte Hertie-Kaufhaus, das so gar nichts hatte von einem glitzernden Konsum-Tempel, geschlossen war. Doch sie wussten: Hier, an der Tegernseer Landstraße, in diesem schäbigen Flachbau bekam man, was man brauchte. Als dann der Vorhang im August 2009 gefallen war und die Fenster mit braunem Packpapier verhängt wurden, spähten die Giesinger immer wieder durch die Ritzen im Papier ins Innere. Als könnten sie nicht glauben, dass dahinter nichts mehr war, außer leeren Regalen. Passiert hier nichts? Doch.
Seit einigen Tagen ist das Packpapier ab, die Fenster sind geputzt. Das Gebäude hat wieder Bewohner. Zehra Spindler ist eingezogen. Und in ihrem Gefolge einige der interessantesten jungen Kreativen aus München.
(…)
„Es geht hier um das Zusammenarbeiten“, sagt Réne Arbeithuber von der Agentur Xhoch4. Er ist mit seinen Kollegen, Designer und Künstler, vor knapp zwei Jahren von Ingolstadt nach München gezogen. „Weil der Input hier größer ist“, erklärt Arbeithuber. Und der soll durch Puerto Giesing noch gesteigert werden. Arbeithuber weiß, wie wichtig es ist, sich von überall her Inspiration zu holen: Er selbst ist auch Musiker bei der Indie-Band Slut. „Vieles, beinahe alles dient später als Quelle und Grundlage für kreative Ideen“, sagt Arbeithuber. Eine wichtige Rolle spielt die Vernetzung. Nicht nur über das Internet. Viele die hier sind, kannten sich vorher nicht.
„Wenn uns einer unterstellt, dass wir nur Kunst machen, um Partys feiern zu können, werde ich sauer.“ Spindler haut auf den Tisch. Man glaubt ihr. „Wir müssen uns zwar durch das ein oder andere Fest refinanzieren, schließlich haben wir kein Budget“, sagt sie. „Aber das ist nicht das Wichtigste.“ Vielmehr soll aus den Büros die Kreativität hinunter in den Clubraum schwappen. Und von dort wieder hinauf. (…) Spindler begeistert sich: „Sobald man etwas ins Blaue hinein sagt, schnappt das hier jemand auf und dann heißt es: ‚Machen wir was draus. Ich frag mal den im zweiten Stock.’“ Ihre Begeisterung wirkt ansteckend.
Hier ist nichts fest, nichts sicher, aber alles verweist aufeinander. Der Streetart-Künstler kommt mit dem Theatermacher in Kontakt, der Musiker mit dem Fotografen. Optimale Vorraussetzungen für ein schöpferisches Kollektiv. Dieser Sommer in Giesing ist für München, eine Stadt, in der sich nicht oft solche Räume für die Kreativität auftun, eine große Chance. Wenn man einmal das ehemalige Kaufhaus besucht hat, dann weiß man: Hier bekommt man jetzt wieder das, was gebraucht wird. Was München braucht.

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