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Raven gegen Fake News: 1 Jahr Alternative Fakten am 30.11.

Seit einem Jahr feiert die Veranstaltungsreihe „Alternative Fakten“ nun gegen Gleichförmigkeit und Stillstand im Münchner Nachtleben an. Mut zum Experiment und Liebe für die Vielfalt ist die Devise der Partymacher*innen aus dem Import Export. Dort hat die Crew ihre Zelte nämlich 2018 erstmals aufgeschlagen – am Wochenende wird das erste Jubiläum folglich auch dort gefeiert.

Wir haben mit Tom Zwotausend – Mitbegründer des politisch angehauchten Party-Kollektivs – über dieses erste Jahre und seine Vision für die Zukunft gesprochen.

MUCBOOK: Am Samstag feiert eure Veranstaltungsreihe „Alternative Fakten“ einjähriges Jubiläum. Warum sollte man da unbedingt hingehen?

Tom Zwotausend: Weil man die mutigste Clubnacht der Stadt auf gar keinen Fall verpassen sollte! Okay, Superlative und Werbefloskeln beiseite. Jedoch: Unser Abend macht große Freude und wir haben wieder einer super-spannendes Programm in petto: Neu Verboten aus Berlin spielt seine Live-Premiere in München. Mit seiner avantgardistischen Acid-Trance-Electro-Mischung verzaubert der Schweizer Wahl-Berliner momentan ein Festival bzw. Club nach dem anderen. Im Anschluss stellen wir alles auf den Kopf: Cosmic Giggle laden zum fünfstündigen Hangout im Sitzen und Liegen, irgendwo zwischen elektronischem Liveact und interaktiver Soundinstallation. Und im zweiten Raum („der beste Floor der Stadt“, so Noem Held) gibt es alle 45 Minuten ein neues, mutiges DJ Set zwischen Wave, Punk und obskurer Avantgarde zum Tanzen zu genießen.

Neu Verboten

Was macht eure Veranstaltungsreihe anders als all die anderen?

Wir sind mutig. München ist sehr konform. Die Leute gehen aus und wollen sofort bedient werden. Es muss direkt knallen. Rein, Spaß, Raus, Tschau. Damit möchten wir brechen. Wir möchten, dass Leute zu uns kommen, um sich überraschen zu lassen. Um gefordert zu werden. Um Neues zu erfahren. Wir wollen Alternative Fakten – jetzt!

Zumindest eure Veranstaltungsbeschreibungen haben immer auch einen politischen Einschlag, wie wichtig ist euch das? Schlägt sich das am Abend selber auch irgendwie nieder?

Das ist uns schon wichtig, auch wenn man in der Nacht selbst nicht direkt damit konfrontiert wird. Sprich, es gibt keine Infostände oder tatsächlich politischen Programmpunkte. Die Konfrontation mit Themen erfolgt durch die Inhalte der performenden Künstlerinnen und Künstler. Konkrete Forderungen der Reihe „Alternativen Fakten“ richten sich vor allem an die potentiellen Gäste, Konsumenten und ihr Umfeld: Seid offen! Seid hungrig! Seid anders! Lasst euch nicht von den vielen durchkapitalisierten Abläufen des regulären Kulturbetriebs vereinnahmen. Raus aus der Konformität, rein in die Weirdness! Das Leben ist zu kurz, um langweilig zu sterben.

Ein Jahr ist immer auch eine gute Gelegenheit für eine Zwischenbilanz und einen Ausblick: Wie lief’s bisher?

Wir haben jetzt 12 Monate mit 9 Veranstaltungen hinter uns und sind total happy. Es war keinesfalls klar, dass das Konzept auch wirklich so funktioniert. Die Szene, die wir abbilden, ist experimentell und wenig in der Stadt verankert. Und das Import Export befindet sich für Münchner Verhältnisse „weit, weit draußen“ – unglaublich, wie oft man das als Ausrede hört! Dazu ist die Konkurrenz groß: Es gibt schon viele schillernde Clubs und Veranstaltungen in dieser Stadt. Glücklicherweise konnten wir den Abend etablieren und eine ganze Reihe toller Acts in die Stadt holen, viele zum ersten Mal: Alexander Arpeggio, Heap, Neuzeitliche Bodenbeläge oder Otto. Das Wichtigste aber ist, dass die Gäste und Künstler den Spirit fühlen und weitertragen. Uns erreicht extrem viel positives Feedback – das macht Mut und gibt Kraft!

Wie gehts weiter? Wie seht ihr eure Reihe im größeren Kontext der Münchner Clubszene?

Tja, mal sehen! Wir werden 2020 auf jeden Fall die ein- oder andere Nacht im Import Export bespielen. Für Anfang des Jahres ist außerdem die erste Veröffentlichung unter dem Label „Alternative Fakten“ geplant: ein Mixtape auf Kassette mit allen beteiligten Künstlerinnen und Künstlern aus Saison #1. Wir hoffen, damit einen weiteren Impuls für die experimentell-elektronische Szene der Stadt zu liefern. Denn was musikalischen Output angeht, gibt es hier in München auf jeden Fall noch das ein- oder andere Potential zu heben!

Zum Schluss: Braucht München eine*n Nachtbürgermeister*in? Wenn ja: wer soll das sein?

Klar! Unbedingt! Mehr Macht für die Nacht! Es ist auch einfach viel zu ruhig in den Straßen nach 10 Uhr. Das macht uns immer ein bisschen traurig. Man hat sich hier schon an so einiges gewöhnt. Das merkt man immer dann, wenn man in anderen Städten davon erzählt, dass wir hier „Silencer“ haben. Insgesamt steht die Stadt momentan einfach vor der Transformation zur tatsächlichen Großstadt. Neue (kulturelle) Sub-Zentren müssen entstehen. Wir müssen mal raus aus der ewigen Feierbanane. Es gibt viel zu tun und bestimmt genug fähige Anwärter auf den Posten – auf eine konkrete Person festlegen möchten wir uns da nicht.


In aller Kürze:

Was? 1 Jahr Alternative Fakten m/ Neu Verboten, Cosmic Giggle uvm.

Wann? Samstag, 30.11. ab 22 Uhr

Wo? Import Export, Kreativquartier

Wieviel? 8€, nach Mitternacht 10 €


Bilder: © Alternative Fakten

Florian Kraus

Für MUCBOOK unterwegs in der Stadt, meist wenn's um Kultur oder Politik geht.
Florian Kraus
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