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Shelter Skelter: Momentaufnahmen aus der Stadt

Draußen ist es dunkel, auf der Baustelle am Hauptbahnhof ist schon Ruhe eingekehrt, doch auf der Straße sind noch eine Menge Menschen unterwegs. Vom Fenster aus überblicken wir die Szenerie von oben herab, ohne bemerkt zu werden, während Menschen sich treffen, austauschen und eine Plastiktüte im Wind vorbeitreibt.

Das Video des Münchner Künstlers Enik, aus seiner neuen Reihe Shelter Skelter, nimmt dich mit über die Straßen Münchens. Untermalt von seiner eigens für das Video komponierten Musik (am Saxophon: Ralph Heidel) wirkt die Szenerie, die er für den Moment eingefangen hat, gespenstisch und unwirklich.

Mit Shelter Skelter möchte Enik unterschiedliche Momente in München einfangen und in einer wöchentlichen Videoreihe veröffentlichen. Du kannst dir hier bereits die erste Folge von Shelter Skelter anschauen. Danach folgt unser kurzes Interview mit ihm.

MUCBOOK: Hey Enik, stell dich doch mal kurz vor:

Enik: Gerne. Mein Name ist Enik. Ich bin Musiker/Produzent/Videokünstler. Im letzten November hab ich mein neuestes Album „The Deepest Space Of Now“ veröffentlicht. Ansonsten mache ich sehr viel Theatermusik, unter anderem für die Kammerspiele München und das Maxim Gorki Theater in Berlin. Ich schreibe auch für andere Musik, prominentestes Beispiel sind wahrscheinlich „Die Fantastischen Vier“, wobei sich die Musik, die ich ansonsten mache, extrem davon unterscheidet.

Was ist die Idee hinter Shelter Skelter?

„Shelter Skelter“ liegt immer ein echter Moment zugrunde. Die Serie hat immer unmittelbar mit meinem Umfeld zu tun – den Orten und Städten in denen ich Kunst mache, den Menschen denen ich begegne, etc. Ich mache mich mit der Kamera auf den Weg und filme, was ich interessant finde. Wenn ich einen Moment eingefangen habe, mache ich dazu Musik. Fertig ist die Folge. Diese Serie ist mein absolutes Herzensprojekt. Sie macht mich gegenwärtig. Es gibt immer etwas um dich herum, was es wert ist, Kunst daraus zu machen. Wenn man das nicht sieht, muss man nur genauer hinschauen. Was ich dann mit ein wenig Geduld finde, überrascht mich immer aufs Neue. Ich liebe dieses Projekt und freue mich immer wie ein Kind, wenn ich Zeit finde, daran zu arbeiten.

Wie viele Episoden sind geplant und wohin geht dein Projekt noch?

Ich hoffe erstmal…NEVERENDING. 
Circa 10 Folgen sind fertig und es liegt Material für weitere Folgen vor. Es erwarten euch noch eine 75 Jahre alte Ballerina, die in Basel auf der Straße tanzt, ein verschwörungstheoretischer und rassistischer Regenwurm, dem ich meine Stimme gegeben habe, die Schillerstraße im Corona-Lockdown, ein goldenes Skelett (Boris, den man auch auf dem Foto oben sieht) aus dem ich ein Instrument gebaut habe und damit in der Schillerstraße performt habe… ach ich liebe dieses Projekt so sehr… sagte ich das schon?

Die erste Episode entstand während der US-Wahlnacht, inwiefern sind die Emotionen und Erlebnisse mit im Video und in der Musik gespiegelt?

Sehr! Man konnte sich dem ja nicht entziehen. Natürlich geht es in dem Text nicht direkt um die Election Night, viel mehr um ein universelles Gefühl, dem sich viele Menschen auf der Welt in diesen Tagen nicht entziehen konnten. Ich meine, ich habe dieses Gefühl in der ersten Folge ganz gut gebündelt. Eigentlich sollte das gar nicht die erste Folge werden. Ich wurde von zwei Freunden aber geradezu gezwungen, das zu veröffentlichen, da sie fanden die Episode hätte genau jetzt ein Momentum und nicht in zwei Wochen.

Hast du Vorbilder und wenn ja, wen?

Direkte Vorbilder gibt es nicht, aber zahllose Inspirationen. Ich höre sehr gerne Nick Cave, Radiohead, Bon Iver, David Bowie. Aber auch herrvorragende Münchner Künstler wie Friends Of Gas, Tom Wu, WAPF, Pacifico Boy, Dizzy Erol, Pollyester, Ralph Heidel und Paranormal Stringquartett.

Wie beeinflusst München dein Schaffen?

Der Ort an dem man Kunst macht, beeinflusst immer das eigene Schaffen. Das habe ich nach so vielen Jahren erst jetzt richtig verstanden. Kann man hervorragend in meiner Serie sehen.

Wo, wenn nicht im Clubhaus, findet man dich sonst?

Naja….gerade geht ja nicht so viel 🙂 
Anmerkung der Red.: Enik ist aber natürlich auch online unterwegs: Du findest ihn zum Beispiel auf Instagram, YouTube oder seiner Website.

Woran arbeitest du gerade?

An einem Album mit dem Paranormal Stringquartet. Klavier, meine Stimme und Streicher. Und natürlich so viele „Shelter Skelter“-Folgen wie ich schaffe. Ende des Monats fängt meine Arbeit an den Münchner Kammerspielen an. Das Stück heißt „Jeeps“, die Regie macht Nora Abdel Maksoud und ich mache die Musik live auf der Bühne.


Danke für deine Zeit, Enik. Wir freuen uns schon auf die nächste Episode von „Shelter Skelter“.

Sophia Hösi
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