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Theo Waigel am Mittwoch in der Münchner Volkshochschule

Junge Volkshochschule

Haben Sie das kommen sehen, als Sie den Euro erfanden, Herr Waigel?
Theo Waigel 2012.

Am Mittwoch kommt Theo Waigel in die Münchner Volkshochschule. Dem ehemaligen Bundes-Finanzminister dürfen wir zuschreiben, die gemeinsame europäische Währung namens Euro mit erfunden zu haben. – Oder müssen wir es ihm vorwerfen? Münchens Alt-Oberbürgermeister Christian Ude wird Theo Waigel auf den Zahn fühlen.

Und am Ende zeigen sie sich den Stinkefinger. Erwachsene Männer, wenn nicht Wirtschaftsprofessoren, gar Staatenlenker fahren den Mittelfinger aus. Wie Proleten, die sich im Feierabendverkehr um die Vorfahrt streiten.

Über solche Ausfälle regen wir uns sogar auf, wenn zertifizierte Prolls sie sich leisten. Stefan Effenberg zum Beispiel oder Peer Steinbrück. Aber griechische Finanzminister, die Deutschland den Finger zeigen?

Ob die Finger-Affäre vielleicht nur ein Fake war, ist unerheblich. Das Niveau der Auseinandersetzung ist schon lange über den Stinkefinger hinaus geschossen. Europa ist zerstritten. Deutschland und Griechenland sind nicht gut aufeinander zu sprechen. So weit ist es also gekommen.

Und Schuld an allem ist der Euro. Ironischerweise hatten wir gerade in die europäische Gemeinschaftswährung so viele Hoffnungen gesetzt. Europa sollte sich noch ein Stück mehr wie ein Land von Freunden anfühlen. Wir sprechen zwar nicht dieselbe Sprache, aber wir können ohne Grenzkontrollen in die Nachbarländer fahren und ohne Geld umzutauschen dort einkaufen gehen. Dafür, dass wir uns vor gut 50 Jahren noch an die Gurgel gegangen sind, gar nicht so schlecht.

Europa auf dem Kuschelgleis

Theo Waigel als Deutschlands Finanzminister unter dem Europa-Kanzler Kohl hat maßgeblich am Euro mitverhandelt und mitgeplant.

Europa wurde mit dem Start der Einheitswährung am 1. Januar 2002 aufs Kuschelgleis gesetzt. Damals wollten wir uns nicht vorstellen, dass die Einführung von gemeinsamem Geld irgendwelche anderen Folgen haben könnte als mehr Verbundenheit unter den Europäern.

Allein der Volksmund hat es wie immer besser gewusst: „Bei Geld hört die Freundschaft auf.“ 13 Jahre Euro und Europa ist zerstrittener denn je.

Haben Sie das kommen sehen, Herr Waigel? Hätte Griechenland beim Euro von Anfang an nicht mitspielen dürfen? Haben Ihre Finanzminister-Kollegen und Sie damals etwas übersehen? Hat die Geschichte Sie überrascht? Oder ist vielleicht alles gar nicht so schlimm und die Europäer werden wieder Freunde?

Christian Ude fühlt Theo Waigel am Mittwoch um 19 Uhr in der Münchner Volkshochschule auf den Zahn. In seinem Kurs „Politik der Woche“ ist auch das Publikum zur Diskussion aufgerufen.


Was: Politik der Woche – Der Euro in der Krise
Wer: Christian Ude im Gespräch mit Theo Waigel
Wann: Mittwoch, 15. April 2015 • 19 Uhr
Wo: Münchner Volkshochschule im Gasteig, Rosenheimer Straße 5, Vortragssaal der Bibliothek
Wie viel: 20 €, Restkarten (nur an der Abendkasse) 5 €
Was noch: »Der Euro in der Krise« auf mvhs.de


Martin Jost für die Münchner Volkshochschule.

Foto: Theo Waigel •  J. Patrick Fischer/Wikipedia. Lizenz: CC BY 3.0

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