Kultur, tagebook von Junge Volkshochschule

SECHS MONATE OFFLINE

Junge Volkshochschule

Die Junge Volkshochschule wendet sich an Jugendliche und junge Erwachsene mit einem vielfältigen Angebot: Junge Leute können aus über 70 Veranstaltungen in den Bereichen Kunst, Sprachen, Mode, Musik, Kochen, Medien, Politik oder Beruf auswählen.
Junge Volkshochschule

DER AUTOR UND SZ-REDAKTEUR ALEX RÜHLE HAT SECHS MONATE OHNE INTERNET ÜBERLEBT. MIT VOLLER ABSICHT. AM DIENSTAG ERZÄHLT ER IN DER MÜNCHNER VOLKSHOCHSCHULE, WIE HART DAS WAR.
Als ich ein Kind war, hat mir meine Mutter manchmal Geschichten aus der Vergangenheit erzählt. Mitunter jagte mir das große Angst ein.
Eine Geschichte ging so: „Als ich in der Schule war, gab es noch gar keine Taschenrechner.“

Offline - Bilal Kamoon
Mathe ohne Taschenrechner. Der Gedanke saß quer, erschrak mich und hakte sich fest. Wie hat man denn in diesem dunklen Zeitalter seine Rechenaufgaben gelöst? Oder gab es damals auch noch keine Mathematik?

Jetzt erzähle ich mal eine Gruselgeschichte: Wir von der älteren Generation, also alle so ab 30, hatten früher mal kein Internet. Geschweige denn ein Mobiltelefon. Das gab es in der ersten Hälfte unseres Lebens nämlich nicht.

Ich möchte niemandem Angst machen. Ich kann mir ja selber nicht mehr vorstellen, wie das Leben damals war. Die Geschichte geht gut aus: Wir sind alle noch im Internet angekommen.

Auch Alex Rühle, Autor und Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung. Er gehört zu der Generation, die eine Zeit vor dem Internet erlebt hat. Und lebt jetzt in einer Welt, in der es ohne gar nicht mehr geht.

In einer Handvoll Jahre hat sich das Internet von etwas, das irgendwie überflüssig ist, aber süchtig macht, zu etwas entwickelt, das wir brauchen wie die Luft zum Atmen.

Nachrichten lesen? Die eigenen Freunde erreichen? Termine abmachen? Fernsehen? Fahrkarten kaufen? Einen Weg finden? Steuern erklären? Bewerben? Das Meiste davon ist online nicht nur irgendwie bequemer, sondern praktisch nur noch dank des Internets überhaupt möglich.
Alex Rühle wollte wissen, was passiert, wenn er radikal offline geht. Und nicht nach dem Motto: „Jetzt checke ich mal kein Facebook, bis ich mit der Arbeit fertig bin“ – sondern hardcore. Sechs Monate ganz ohne. Er hat es durchgezogen. Kalter Entzug.

„Entzug“, das Wort stammt von Rühle. Noch ein Wort, das er benutzt: Harakiri – Selbstmord für die Sache. Rühle war sich also bewusst, dass das kein Spaß wird. Und er will auch nicht belehren und hinterher sagen: Schaut mal, ohne Internet geht es auch. Vielmehr will er zeigen, was alles passiert, wenn wir die Verbindung trennen. Warum es eben nicht ohne das Internet geht. Wie abhängig wir uns vom Netz gemacht haben.
Alex Rühle hat über seine Erfahrungen in den sechs Monaten ohne Internet ein Buch geschrieben. Das Buch hat natürlich eine Internetseite.
Am Dienstag erzählt Rühle in der Münchner Volkshochschule von seinem Experiment. Tickets für den Vortrag gibt es – natürlich – online.

Was: Ohne Netz. Mein halbes Jahr offline. Lesung und Gespräch mit Alex Rühle
Wann: Dienstag, 17. März 2015 • 19 Uhr
Wo: Vortragssaal der Bibliothek, Gasteig
Wie viel: Eintritt 10 Euro, an der Abendkasse auch ermäßigte Karten für 8 Euro
Was noch: Alle Infos hier.

Geschrieben von Martin Jost

Bild Credit: Foto: Bilal Kamoon via Flickr. Lizenz: CC BY 2.0

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