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Tresen im Treppenhaus: Die Treppenbar ist Münchens vielleicht ungewöhnlichste Theke!

Münchens alternative Kulturszene hat einen neuen Anlaufpunkt: Die Treppenbar in den Münchner Kammerspielen, ein Mix aus Bar und experimenteller Spielstätte. Dahinter steckt das Team von tamtam, das schon in der Vergangenheit mit unkonventionellen Kulturprojekten und Gastronutzungen auf sich aufmerksam machte. Im Gespräch mit MUCBOOK erzählt Matthias Stadler , einer der kreativen Köpfe von tamtam (oben im Bild), wie das Konzept der Treppenbar entstand und welche Ideen sie dort umsetzen wollen.

Zwischen Kunst und kühlen Drinks: Die Idee hinter der Treppenbar

Die Treppenbar ist, wie der Name schon andeutet, tatsächlich in einem Treppenhaus untergebracht – genauer gesagt im Treppenaufgang am „Blauen Haus“ der Münchner Kammerspiele. Dort, wo man von der Kantine Conviva im Erdgeschoss in die höheren Etagen und in den Werk*raum kommt.

„Es ist ein Aufenthaltsort, der auch als kleine Bühne fungieren kann,“ erklärt Stadler. „Es gibt Sitzgelegenheiten auf Baugerüsten, Stufen, einen Aufzug, eine Brücke und eine fest installierte Bar. Momentan veranstalten wir kleine Happenings, zusammen mit den Kammerspielen eine Open Stage (den Kammerclub am 23.10) und einmal im Monat einen Spieleabend.“

Sie wollen auch die Leute aus dem Haus mit einbinden: „Entweder, dass sie nach den Aufführungen im Werkraum noch bei uns auflegen oder auch die Mitarbeitenden der Kammerspiele, vom Pförtner über Bühnentechniker bis hin zu den Schauspieler*innen ihre Musik bei uns zeigen und auflegen.“

Die Landlergschwister und die Hochzeitskapelle haben hier schon im September gespielt – ein bisschen als Ersatz für ihre ausgefallenen Auftritte im Herzkasperlzelt auf der Oidn Wiesn, das heuer nicht öffnen durfte: „Das war toll zu sehen, wie die da mit ihren Instrumenten zu vierzehnt reingepasst haben ins Treppenhaus“.

Gin Tonic im Aufzug

Das große Ziel sei es, wieder einen Treffpunkt für die Leute aus den Kammerspielen und den umliegenden Kulturhäusern zu schaffen, wo sie sich nach dem Dienstschluss oder den Auftritten treffen könnten, so Stadler. Seit 2017 fehlt so eine Anlaufstelle für einen abendlichen bis nächtlichen Drink in den Kammerspielen. „Aber wir wollen auch ein breiteres Publikum ansprechen – alle, die Lust auf etwas Neues und Unerwartetes haben.“

Jeden Mittwoch bis Samstag ist die Bar ab 18.30 Uhr geöffnet. Da kann es auch schon mal sein, dass man stadtprominente Barkeeper*innen trifft. Am Mittwoch etwa schmeißt Maxi Pongratz (u.a. Kofelgschroa) die Bar und am Donnerstag Maria Hafner (u.a. Zwiebeldirn). Und nicht nur eine, sondern gleich zwei „Theken“ gibt es: Im Aufzug wird nämlich Gin Tonic ausgeschenkt – oder worauf die Crew grad immer Lust hat. „Prinzipiell lassen wir so lange offen, wie Leute in der Bar sind“, sagt Stadler. Unter der Woche soll aber mindestens bis 12 Uhr und am Wochenende mindestens bis 02 Uhr nachts geöffnet sein.

Die Treppenbar eröffnet zeitgleich mit der neuen Spielzeit der Kammerspiele – für die ein neues Konzept für den angrenzenden „Werk*raum entwickelt wurde. Hier finden besondere Aufführungen, Performances oder Lesungen statt – also Programme, die für die große Bühne vielleicht zu speziell sind oder die sich im kleineren Rahmen einfach besser anfühlen und ein wenig vom reinen Theater wegführen. Da reiht sich die Treppenbar mit ihrem offenen und kreativen Konzept treffend ein. Einmal im Monat will tamtam auch einen etwas größeren Party-Event im Werkraum nebenan schmeißen.

Adieu Bogenhausen, hallo Altstadt!

Bis zum Sommer betrieb das Team um Stadler die Cafébar Mona im Literaturhaus Monacensia in Bogenhausen, wo es aber unter anderem wegen Lärmschutzproblemen immer wieder zu Konflikten kam.

„In der Treppenbar sind wir nun freier,“ erzählt er. „Hier können wir auch nach zehn offen bleiben und haben keinen direkten Nachbarn.“ Das erlaube, wieder experimenteller und spontaner zu arbeiten. In der Cafébar Mona musste um 22 Uhr Schluss sein. Der Dauerbetrieb dort – an sechs Tagen in der Woche hatte das Museumscafé geöffnet – sei zudem sehr viel Arbeit gewesen, meint Stadler, der dort immer auf Abruf war. Die Lage in der Innenstadt ist zudem zentraler: „Altbogenhausen war für viele im Kopf weit weg“.

Die neue Freiheit in den Kammerspielen – wo es keine direkten Nachbarn gibt – gibt dem Team auch die Möglichkeit, das Programm vielfältiger zu gestalten. „Wir haben jetzt mehr Raum für Kollaborationen und außergewöhnliche Ideen,“ sagt Stadler. „Von Konzerten, Performances bis hin zu DJ-Sets und Treppenhauspartys ist alles möglich.“ Sie böten Künstler*innen eine Plattform, die sonst vielleicht keine passende Bühne finden: „Es kann passieren, dass jemand reinkommt und sagt: ‘Hey, ich möchte heute Abend eine kleine Performance machen.’ Und dann passiert das einfach.“

Das kann heiter werden

Das Treppenhaus der Kammerspiele – eigentlich ein ‚Nicht-Ort‘, so beschreibt es Stadler – wird durch das neue Konzept zu einem lebendigen, kreativen Treffpunkt umgestaltet, mit Stühlen, einer Bar und einladender Atmosphäre. Die Wände sind neu und knallig gestrichen. Genau diese unerwarteten, aber besonderen Orte sind es, die das TamTam-Team seit jeher sucht und mit Leben füllt. Passt also bestens zusammen!

Die ersten Events

Es geht schon los, hier ein kleiner Blick in den Terminkalender. Das Kulturprogramm beginnt bis auf Weiteres immer um 21 Uhr – die Bar öffnet um 18.30 Uhr. Auf einen schnellen Blick klingen für uns der Talk mit Dana von Suffrin und die Halloween Party mit den Igitte Sisters und den Dürren Ringern sowie das Zündfunk Jubiläum (das auch noch von einem Konzert im Schauspielhaus ergänzt wird) spannend – aber stöbert doch selbst:

Mi 16.10 Maxi Pongratz serviert dir was.

Do 17.10 Die TAM TAM Treppenbar wird zur „Konuk-Bar“ empfängt Melis Çom zum Plaudern.

Fr 18.10 KATY & JOEY feat. THOMAS LÄHNS (Gesang, Vibraphone und Kontrabass)

Sa 19.10 Rafa und Eva (Gitarre und Gesang) spielen ihre liebsten Jazzstücke.

Mi 23.10 Open Stage mit dem Kammerclub! Zeig was Du kannst und meld dich via mitmachen@kammerspiele.de an.

Do 24.10 Raphael Weilguni spielt live und bekommt Überraschungsgäste aus dem Milla

Mi 30.10 Dana von Suffrin trifft Maxi Pongratz am Tresen

Do 31.10 Halloween mit den Igitte Schwestern, den Dürren Ringern und DJ Momo! Wer die Maskenabteilung der Kammer testen will, melde sich sofort.

Fr 1.11 Bekommen Gäste aus dem Resi und Dave from Hollywood! kommt auch mit.

Sa 2.11 Der Zündfunk feiert mit uns 50 Jahre und flutet das ganze Treppenhaus mit Ambient-DJ-Sets

Do 7.11 Oscar und Hannes spielen Jazz

Fr 8.11 Zwinkelmann + ZEA (Arnold de Boer, Sänger und Gitarrist von The Ex, Amsterdam)

Sa 16.11 Aftershow-Party nach dem griechischen Filmfest. U.a. mit der Band des Schlagzeugers von Jeans Team.

Bilder: © tamtam