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Viele Fische in der Isar: So läuft Online-Dating in München

Clumsy Meider
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Ich habe es gewagt. Den Schritt in die Internet-Dating-Welt. Eigentlich nur aus Wut und Trotz. Aber das ist eine andere Geschichte.

Erst muss ich mein Profil erstellen.

Gebe ich meinen richtigen Namen an? Ja. Warum nicht. Gebe ich mein richtiges Geburtsdatum ein? Ja. Will das ja auch von der anderen Person. Fühle mich jetzt schon irgendwie leicht naiv. Wenn ich an die Kommentare meiner Mutter denke, die das Internet als das Schlimmste abstempelt, bekomme ich wieder leicht Angst. Ist ok. Ich mach das jetzt.

Welches Profilbild stelle ich rein? Mein jetziges WhatsApp-Bild, das bei einem Fotoshooting entstanden ist? Ja. Später sagt mir dann eine Freundin, dass vielleicht ein anderes besser wäre, weil ich ja keine Werbung mache. Fand ich gut. Habe gleich ein Bild reingestellt von meiner erholsamen und gleichzeitig abenteuerlichen Bergtour. Ich sehe erleichtert aus. Gfoid ma. Dann noch ein Spaßbild. Das heißt bei mir: irgendein Instagram-Filter mit dem Vogue-Schriftzug, Handtuch auf den Kopf geschmissen und nasse Haare. Mir war langweilig.

Ich soll etwas über mich erzählen, über meine Eigenschaften.

Das finde ich immer so komisch. Ein paar Wörter, die ein ganzes Wesen beschreiben sollen. Mache ich das jetzt für mich oder jemand anderen? Diese Fragen stelle ich mir gerade. Zu dem Zeitpunkt ging das alles sehr schnell. Ich war in einer energetischen Laune und da ging alles Zacki Zacki.

Meine Eigenschaften gefallen mir: Launisch, tiefgründig, nachdenklich, hyper, sensibel. So weird (good weird). And I Love Me 😀

Dann noch kurz, aus leichter Wut aus der Vergangenheit, meine Größe erwähnt. Ist auch erwähnenswert, finde ich. Also schreibe ich: Obacht! Große Frau! Nix für unverarbeitete Egos (rede hauptsächlich Männer an gerade). Diese Beschreibung kam aber erst ein wenig später. Nachdem schon ein Paar Matches passiert sind. Bin mir außerdem immer noch nicht sicher, ob ich das so stehen lassen will. Das kann sich alles noch ändern. So wie immer.

Der erste Chat verläuft souverän und nett.

Ich bekomme ein Kompliment dafür, dass ich zu meinem launischen Ausdruck stehe (Zwinker). Verstehe ich noch nicht so ganz, aber ok. Kann ich so stehenlassen. Dann war ich auch gleich gematched mit der Freundin, die mir dieses Portal empfohlen hat. Eh klar! Und: habe seit gestern ein schönes Gespräch mit einer sehr coolen Person. Freue mich, ihr bald München zeigen zu können. Die schönen Facetten Münchens. Wie ich es liebe!

Dann noch einen früheren Schulkollegen gematched und angeschrieben. Das ist alles so lustig.

Heute wurde ich auch wieder (gestern war schon eine Frage zu meiner Größe) gefragt, wie groß denn groß sei. Ich riet ihm zu raten. Er sagte eine Zahl und ich hab gleich mal 11cm draufgeschlagen. Ich glaube, das Wort schlagen passt da ganz gut, denn seine Reaktion war auch wieder ein leichter Schlag für mich: „Wie findest du denn Männer? (in etwa so fragte er mich)“. „Uff“, dachte ich mir erst und lachte auch. Sagte ihm, dass Männer doch keine Klamotten sind, worauf er erwiderte, dass ich ja eh bisexuell und offen sei, was meine Sexualität angeht. „Ok, ciao“ dachte ich mir sofort. Darauf will ich jetzt einfach nicht eingehen.

Mein Fazit bis jetzt:

Ich werde noch ein wenig weiter browsen. Ich bin gespannt, wen ich alles noch kennenlerne und was der Algorithmus mir so vorschlägt. Das ist ja auch so interessant: Einfach durch meine beantworteten Fragen wird ein Algorithmus angeworfen und die Prozentzahlen erstellt, zu wem ich so passen soll. Aber darauf kann ich es eigentlich nicht beruhen lassen. Schließlich hatte ich in dem Moment keine ruhige und hundertprozentig klare Laune. Die Fragen müssten eigentlich jeden Tag neu gefragt werden. Sowie die Frage: „Wie geht’s dir?“. Ist ja auch jeden Tag anders. Stündlich. Minütlich? Auf jeden Fall nicht konstant.


Beitragsbild: Unsplash/Kinga Cichewicz

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