Kultur, Nach(t)kritik

Vollgas und Folklore

Martin Lorenz

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Django 3000
München, Circus Krone, 17.10.2013

Die gute Nachricht vorab: Sie haben ihn tatsächlich gerockt. Keine Selbstverständlichkeit – noch vor einem Jahr gastierten die Jungs aus dem Chiemgau mit ihrem explosiven Zigeunerpunk noch in überschaubaren Lokalitäten wie dem Münchner Ampere, der Schritt in den Circus Krone war deshalb durchaus ein mutiger. Bangemachen galt aber nicht, schließlich kann die Band problemlos das gängige Repertoire an Rockstargesten abrufen, von der hochgereckten Faust, der stetig wiederkehrenden Stimmungsabfrage, variierte Choranimationen und – etwas spezieller – des (Kontra)bassisten akrobatische Belastungsproben für’s eigene Instument. Keine halbe Stunde dauerte es, und Django 3000 hatten die gut gefüllte Arena in der Hand, dabei spielte es kaum eine Rolle, ob die Stücke vom alten oder aktuellen Album kamen – das Quartett präsentierte ohnehin fast alle im beschleunigten “Hopaaa!”-Modus und das Publikum nahm die Einladung zum Feiern gerne an. Man darf wohl darüber streiten, ob ursprünglich ruhiger angelegte Stücke wie “I Wui Hoam” diese Überdrehtheit vertragen, letztlich gab ihnen die ausgelassene Stimmung Recht und der ewige Nörgler musste für’s Erste schweigen. Veritable Gassenhauer wie “Rucki Werch!”, “Da Wuide und da Deifi”, “Django Django” funktionierten ebenso problemlos wie die neueren Hochgeschwindigkeitsnummern “Herz wia a Messa” und “Danz ums Feia”, aus der kleinen Moshpit wurde schnell eine größere – Party auf Ansage war erklärtes Ziel und in punkto Planerfüllung macht den Jungs so schnell keiner was vor. Dass im entsprechend größer gefassten Rahmen auch manches auf der Strecke bleiben musste, steht außer Frage – die vier haben zwar keineswegs ihre Seele verkauft, aber vielleicht ein Stück ihrer Unverwechselbarkeit und Vielfalt drangegeben. Ob also die zotteligen Ungetüme und ungelenken Trachtentänze mit der “Heidi” am Ende wirklich nötig waren, um die Masse bei Laune zu halten, darf ernsthaft bezweifelt werden – ohne ironische Brechung bleiben solche Einlagen oft nur als folkloristischer Firlefanz in Erinnerung. Geschenkt – hier macht es sich bezahlt, dass bei derartige hohen Drehzahlen, wie sie die Djangos im Programm haben, längere Grübeleien ohnehin kaum möglich sind, in diesem Sinne: Hopaaa!

Weitere Livetermine unter http://www.django3000.de/live.php

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