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Vorbei an Stau und Stammstreckensperrung: Diese Start-ups erfinden das Rad neu

Joscha Faralisch

Schreibt für MUCBOOK — am liebsten über Musik, Kunst, Essen und Politik.
Joscha Faralisch

Mobilität muss neu gedacht werden. Auch und gerade in München. Deshalb gibt die ADFC-Veranstaltungsreihe „Bikes & Brezn“ Start-ups eine Plattform, die neue Ideen und Konzepte rund ums Rad entwickeln. So wie der innovative Rad-Service Swapfiets und der Tracking- und Anti-Diebstahl-Dienst Upride. Die beiden Start-ups eröffneten die Reihe am 21.11. im MUCBOOK Clubhaus.

140 Stunden stehen Münchner*innen pro Jahr im Stau. Und dann gibt es da ja auch noch überfüllte U-Bahnen, gesperrte Stammstrecken und verspätete Busse: Wer zu Stoßzeiten durch München fahren möchte, muss Geduld mitbringen – von Folgen für die Umwelt ganz zu schweigen. Dass Radfahren da eine echte Alternative ist, ist klar. Aber mangelnde Infrastruktur, Gefahren im Stadtverkehr oder fortwährende Reparaturen halten viele davon ab, sich im Alltag auf den Sattel zu setzen.

Deshalb entwickeln immer mehr Start-ups Konzepte, die das Radfahren attraktiver machen. In der neuen Veranstaltungsreihe vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) „Bikes & Brezn“ stellen sie sich vor.

Meike von Swapfiets (links) und Daniel von Upride (rechts) diskutieren mit Maria Deingruber und Simon Herzog vom ADFC

„Radfahren als Service“

„Wenn ich jemandem von Swapfiets erzähle, sage ich immer: Das sind die Fahrräder mit den blauen Vorderreifen. Wenn man einmal darauf achtet, sieht man sie überall“, sagt Maria Deingruber aus dem Vorstand des ADFC München, die den Abend gemeinsam mit Simon Herzog vom bayerischen ADFC-Landesvorstand moderierte. Tatsächlich nutzen allein in München über 2000 Menschen den Rad-Service von Swapfiets. Das Fahrrad-Abo vereint die Vorteile von eigenem Fahrrad und Radsharing und bietet einen 24-Stunden-Reperaturservice. So hat man immer ein eigenes funktionierendes Rad, das man aber jederzeit wieder zurückgeben kann.

„Wir stellen unsere Räder inzwischen zwar selbst her, aber unser Produkt ist der Service“, fasst Meike Wingenroth, Regional Managerin für München, das Prinzip von Swapfiets zusammen. Das Angebot richtet sich also an alle, die zwar gerne durch die Stadt oder zur Arbeit fahren, aber keinen Ärger mit Reparaturen haben möchten. Und wer ohnehin nur zur schöneren Jahreszeit Rad fährt, kann das Abo für die Wintermonate einfach abbestellen.

„Es gibt kaum brauchbare Daten zum Radverkehr“

Das Problem mit den Pannen wäre also gelöst, aber was ist mit den Bedingungen im Straßenverkehr? Das haben sich die vier Gründer von Upride gefragt. Eigentlich wollten sie Statistiken für den Radverkehr in München auswerten – und mussten dabei feststellen, dass es kaum belastbare Daten dazu gibt. Also beschlossen die vier Studierenden kurzerhand, einen Fahrrad-Tracker zu entwickeln, der Fahrgeschwindigkeiten, Bremsmanöver und Wartezeiten aufzeichnet und ortet. Problemstellen ausfindig machen, Verbesserungsbedarf statistisch nachweisen und nach neuen Lösungen suchen – das ist die Vision des Start-ups, das sich derzeit noch in der Entwicklungsphase befindet. Positiver Nebeneffekt: Ein zusätzlicher Diebstahlschutz für Fahrräder. In erster Linie geht es Upride aber um die Verbesserung der Infrastruktur.

Wenn man nach der Statistik von Swapfiets geht, spielt Raddiebstahl in München ohnehin eine eher untergeordnete Rolle: Von den über 2000 Münchner Swapfiets-Rädern wurden erst drei gestohlen.

Bei den ganzen Bikes dürfen die Brezn natürlich auch nicht fehlen

Beitragsbilder: ADFC/ Martina Tollkühn, Unsplash

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