Kultur, Live

Wein, Weib und Gesang

Juliane Becker

Es ist schon bezeichnend, wenn ein Stück seit drei Jahren erfolgreich läuft und noch immer für ein ausverkauftes Haus sorgt. Das mag wohl die Mischung aus Theater, Livemusik und Jahrmarktsatmosphäre sein, die man im Volkstheater in Bertolt Brechts Dreigroschenoper bewundern darf.

Polly Peachum (Sybille Lambrich) ist wirklich gut geraten. Also, dafür, dass sie die Tochter von Bettlerkönig Jonathan Jeremia Peachum (Stefan Ruppe) und seiner vornamenlosen Göttergattin Frau Peachum (Ursula Maria Burkhart) ist. Die Peachums haben sich eine Dynastie zusammengezimmert, die darauf baut, gesunde Arbeitswillige als Krüppel zu verkleiden und das dadurch erbettelte Geld einzustreichen. Keine allzu netten Mitmenschen, aber Polly ist ein wirklich liebreizendes Mädchen. Zumindest so lange, bis sie sich Hals über Kopf in Londons gefährlichsten Verbrecher Mackie Messer (Pascal Fligg) verliebt. Der hat nicht nur einen schlechten Einfluss, sondern gehört auch umgehend an den Galgen, finden die Eltern. Doch dank des korrupten Polizeichefs Brown (Tobias van Dieken) gestaltet sich das mehr als schwer.

Foto: Arno Declair

Foto: Arno Declair

Zusammen mit Kurt Weills ewigen Ohrwürmer („Und der Haifisch…der hat Zääähne!“), spontanen Messerwurf-Einlagen und den grotesk bis burlesk anmutenden Kostümen der Schauspieler gestaltet sich die Inszenierung so locker wie amüsant. Auch dass Christian Stückl die renommierte Alien Combo als musikalischen Untersatz auserwählt hat, trägt zur revuehaften Grundstimmung des Stücks bei. Es wird gesoffen, gefressen, gesungen und gefeiert, die leichten Mädchen stellen ihre (Plastik-)Brüste zur Schau und für das Ende sieht der gute Bertolt Friedefreudeeierkuchen vor. Schöner geht’s kaum.

Foto: Arno Declair

Foto: Arno Declair

Und obwohl dieses Talent bei Weitem nicht jedem Schauspieler vergönnt ist, überzeugen auch alle mit ihren Gesangskünsten. Dass Pascal Fliggs sonore Sprechstimme auch einen guten Tenor hergibt war sowieso klar, Sybille Lambrich zwitschert meisterhaft ihr Liebeslied und Xenia Tiling als Spelunkenjenny schnurrt uns mit ihrer rauchigen Stimme um den Verstand. Es ist ein großartiges Ensemble. Und auch wenn der Text zwischendurch etwas eingerostet erscheint, so camouflieren die zahlreichen Gags die kleinen Unsicherheiten ohne Mühe. Das Volkstheater ist, was den Spaßfaktor der Improvisation bei Texthängern angeht, sowieso ungeschlagen. Unbedingt anschauen!

Nächste Vorstellungen am 17., 18. und 19. Mai, Karten ab 7.-
Regie
Christian Stückl
Bühne und Kostüme Stefan Hageneier
Musikalische Leitung Micha Acher
Orchester Alien Combo
Informationen und Spielplan www.muenchner-volkstheater.de

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1Comment
  • izola
    Posted at 14:34h, 16 April

    „und seiner vornamenlosen Göttergattin Frau Peachum“ – Sie wird im Stück von Peachum benannt: „Celia – das ist Filch!“

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