Leben

Wie geht es weiter mit der Abendzeitung?

Gloria Grünwald

Letzte Woche erreichte die Münchner Öffentlichkeit ein regelrechter Schock: Die AZ muss Insolvenz anmelden.

Die Münchner Zeitung mit Sitz neben dem Hauptgebäude des Bayerischen Rundfunk war seit Jahrzehnten eine feste Institution der Medienlandschaft in der bayerischen Hauptstadt. Weil in den letzten Jahren hohe Verluste erwirtschaftet wurden, kann die Eigentümer-Familie Friedmann die Kosten nun nicht mehr tragen.

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Wenngleich die Abendzeitung von so manchem Nicht-Leser als Boulevardblatt verachtet wird und obwohl sich eben jene Zeitung hinsichtlich der Ressorts Politik und Wirtschaft kaum mit anderen Zeitungen wie der Süddeutschen messen kann, so ist doch gerade der Lokalteil für München mit seinen Stadtteilgeschichten und Veranstaltungstipps herausragend. Der kleine Comic „Herr Hirnbeiß“ oder die Familie „Zits“, die sich in jeder Printausgabe verstecken, haben mit ihren Witzen sogar aus einem Cartoon-Hasser, wie ich einer bin, Montagmorgens ein Schmunzeln herauskitzeln können.
Auch in der Online-Ausgabe wurde die Rubrik „Stadtviertel“ weiter ausgebaut mit einer tollen Zusatzfunktion: Leser können ihre persönlichen Favoriten zusammenstellen, um sofort das Neueste aus ihrem Viertel zu erfahren.

All die Bemühungen aber haben nichts genutzt, das Geld ging trotzdem zur Neige. Und wieder wird ein traditionsreiches Printmedium Opfer der Zeitungskrise, wie erst Ende 2012 die Frankfurter Rundschau? Nein – es ist noch nicht vorbei. Die Mitarbeiter der Abendzeitung sind fest entschlossen, ihre Leser nicht im Stich zu lassen. Auf der Website sagen sie der Pleite den Kampf an. Unter dem Slogan „Wir machen weiter – für Sie“ wird den Lesern versichert, dass diese zunächst gar keine Veränderung bemerken werden, die AZ erscheine weiter wie bisher.
Aus der offiziellen Mitteilung der Geschäftsführung geht ebenso ein großer Optimismus hervor und die Hoffnung, einen wirtschaftlich starken Retter für die AZ zu finden: „Die Gesellschafter und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abendzeitung hoffen, dass im Insolvenzverfahren ein Investor gefunden werden kann, damit der traditionsreiche Titel weiter erscheinen kann.“ Dies war aus kartellrechtlichen Gründen bis zum jetzigen Zeitpunkt noch unzulässig.

Im Fall Frankfurter Rundschau hat das Medium den ihm prophezeiten Untergang überlebt. Anfang 2013 wurde mit der FAZ ein großer Investor gefunden, um der Zeitung einen Neustart zu verschaffen. Ein Hoffnungsschimmer für die AZ?
Die Abendzeitung erschien in München zum ersten Mal im Jahr 1948. Nach dem Krieg hatte die amerikanische Besatzungsmacht dem damaligen Verleger Werner Friedmann eine Lizenz für eine in München verankerte Boulevardzeitung erteilt. Bleibt zu hoffen, dass das Traditionsblatt nach über 60 Jahren nicht aus dem Münchner Stadtbild verschwindet.

Gloria Grünwald

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