Kultur, Nach(t)kritik

Clemens Meyer hat keine Eyer (aber eine dicke Hose).

Der erste Abend des groß angelegten MMA-Literaturrauschs zum endlich jünger werdenden Publikum des Literaturfests!
Zu sehen gab es einen zum Plappern aufgelegten Clemens Meyer, einen netten Ulrich Peltzer, eine Akrobatin namens Kerstin Schiefner und einen ruhigen Franz Dobler. Den Residenztheater-Schauspieler Aurel Manthei und die fantastische Zwillingsband Doctorella, dazwischen zwei Frauen in Latexbodysuits.

Es war nämlich so: Der Clemens liest zu Beginn auf seinem Altar aus vielen Büchern kurze Abschnitte, man durfte sich nun nicht fragen, ob Konzept oder beliebig, aber das war egal: Man wollte ja „über den Beginn des Schreibens als eine Situation radikaler Gegenwärtigkeit, über die Dimensionen von Irritation durch Kunst und das Verhältnis zwischen Literatur und Leben“ was hören. In erster Position ging es darum, wie sich nun Peltzer und Meyer kennenlernten und wie sich das anfühlt wenn der Eine dem Anderen den Preis weggewinnt oder man sich in New York verabredet, aber sich einfach nicht finden kann. Es wurde geplaudert. Dann wurden Witze gerissen, der Meyer erzählt von seiner kleinkriminellen Vergangenheit und fragt Muddi Fischer nach Geld.

Dann, zugegebenermaßen endlich, ein kurzes Zwischenspiel mit Aurel, ob auch die Latexgirls nur einmal durchs Publikum langsam hinter und dann wieder langsam vormarschierten. Der radikale Höhepunkt: ein Klapps auf den Arsch. Das Gespräch mit der Leipziger Künstlerin Kerstin Schiefner verlief wieder ähnlich dröge und sie ließ sich dann zu einem Kopfstand nieder, das war für einen Moment sehr schön. Der munter aufgelegte Meyer kündigt den Dobler ganz groß an und die eine neben mir sagt dreimal eingängig: Der reisst das Ruder jetzt um.

Der Franz Dobler steht auf der Bühne, die wirklich einem Altar gleicht. Der Prediger Franz Dobler steht auf der Bühne und liest einfach etwas vor. Gedichte von Fauser. Da gingen so manchen Fauserfans wohl die Herzen auf – es wurde plötzlich wieder still und es wurde nicht mehr unentwegt hinten an der Bar gesoffen und getuschelt. Jedenfalls war auch das ein kurzes Zwischenspiel und nach dem Dobler verließen wohl mehr als dreiviertel der Gäste den Kesselbauch vom MMA , als Meyer das Rahmenprogramm für beendet erklärte und Doctorella spielten leider vor sehr wenigen Menschen. Die, die aber geblieben waren, freuten sich umso mehr. Letztendlich hat sich dann der Meyer noch mit einem kurzen Gag und seiner Trompete zur Band auf die Bühne gestohlen und wollte auch hier noch mitspielen.

Oben dann, im Laden für Nichts, sind die Wände schon gar nicht mehr so fad gewesen. Irgendwer hat irgendwann schon einiges dazu beigetragen, dass sich das begehbare Gästebuch füllt. Beim Rausgehen höre ich einen singen, als wär er ein Kind: Clemens Meyer hat keine Eyer.

Was dich nicht umbringt, verschiebe nicht auf morgen:
Auf 8 Tage Rausch im MMA!!

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