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Meine Halte: „Auf der Lände“ und spärlich grüßt das Murmeltier

Freizeit ist bekanntlich kein Problem mehr, dank der moderner Beförderungsmethoden verbringt man sie auf dem Weg zur und von der Arbeit. Ist man aber einmal ehrlich, spart man sich, wenn man in die Münchner Innenstadt muss, mit dem Auto auch keine Zeit.

Vor allem, wenn der Weg zu ihr um 8:00 Uhr in der Früh über die B2 und die A96 führt. Dennoch fällt die Wahl, zumindest bei mir, oft auf das Auto.

Die Vorteile sind offensichtlich: Ein Tagesticket kostet derzeit bei der Deutschen Bahn 8,90 Euro, Ausfälle sind keine Einzelfälle und Einzelschicksale sind der Deutschen Bahn völlig egal.

Zudem mag der Duft eines Menthol-Duftbaumes sicher nicht jedermanns Sache sein. Das Zusammenspiel von 324 verschiedenen Parfums, Schweiß und kaltem Zigarettenrauch aber sicherlich noch weniger. Der Gewinner ist hier klar der Duftbaum, den man bei einem plötzlichen Anflug von Ekel auch einfach aus dem Fenster werfen kann. Wer das im Zug mit stinkenden Passagieren macht, sichert sich meist den Unmut der Mitreisenden und Behörden.

Dennoch ist es manchmal praktischer und angenehmer, auf die Bahn zurückzugreifen und so verschlägt es mich an die Haltestelle Auf der Lände in Fürstenfeldbruck.

Subkultur im Schlachthof

Oft liegen zwischen den Besuchen der Halte nur wenige Stunden. Zwei Minuten Fußweg von ihr entfernt, entlang der Brücke die sich über die Amper erstreckt, vorbei am Wirtshaus auf der Lände, steht ein alter Schlachthof – seit 1994 Austragungsstätte von Konzerten junger lokaler Musikgruppen und DJs.

Ziel ist es, insbesondere die Jugendkultur- und Bandszene des Landkreises zu fördern und zu etablieren. Die anfangs nur als Provisorium gedachte Unterbringung für den SUBKULTUR e.V. stellte sich als optimale Location heraus.

Zwar soll es in den kommenden Jahren zu einer Umstrukturierung der Lände kommen, dennoch ist der Schlachthof nicht gefährdet, dank PolitikerInnen des Stadtrates die sich für den Erhalt aussprechen.

Routiniert

Falls der Fall eintritt, dass mir nach einer durchzechten Nacht der Schlafmangel ins Gesicht geschrieben steht, befindet sich vis-à-vis zur eigentlichen Bushaltestelle die kleine Kaffeerösterei und Espresso-Bar Mellowbeans. Ist man zur Abwechslung zeitig an der Halte, bereitet einem dort Felix, der Inhaber, einen ausgezeichneten Kaffee zu – stets gut gelaunt und im Kanon pfeifend zu Stücken wie Sympathy For The Devil von den Rolling Stones.

Vor nicht allzu langer Zeit stand nebenan noch der Buchauer, ein alteingesessener Bäcker. Seine Croissants und Sternsemmeln waren über Generationen in Fürstenfeldbruck bekannt und nicht nur bei mir zum Frühstück obligatorisch– eigentlich lag man mit ihnen, egal zu welcher Mahlzeit, immer richtig.

Zum Bedauern vieler fehlte ein Nachfolger und so musste der alte Bau, wie so oft, Wohnungen weichen.

Das Großstadtflair

Viel mehr bietet die kleine Bushaltestation nicht, sie ist auch nur ein kleiner Zwischenstopp auf dem langen Weg vom kleinen Dorf in die Großstadt München, egal ob, wie in diesem Fall, mit Öffis oder dem Auto.

Doch einen Vorteil hat es für mich und vor allem meine Mitmenschen, wenn ich auf den öffentlichen Nahverkehr zurückzugreife: ich bin keine Gefahr für den Straßenverkehr. Getreu dem Stigma der Autofahrer mit den drei Buchstaben FFB auf dem Nummernschild – Fahrer Fährt Blöd.


Beitragsbild: © Max Grassl

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