Anzeige
25 Jahre HOUSE OF CACAO – ein Wohnzimmer voller Schokolade
München diskutiert über Dubai-Schokolade, in der Westenriederstraße interessiert man sich erst mal dafür, woher der Kakao kommt. Hier hat Christine Luger vor 25 Jahren CHOCOLATE & MORE eröffnet, das heute HOUSE OF CACAO heißt. Auf knapp 40 Quadratmetern teilen sich Pralinen, heiße Schokolade und Gespräche den Platz. Münchner Stammgäste treffen auf Besuch aus aller Welt, vor den Feiertagen wird schon mal scherzhaft eine Rettungsgasse eingefordert. Mittendrin: Christine und ihre Tochter Marita, deren gemeinsame Leidenschaft sie bis auf Kakaoplantagen rund um den Äquator führt. Wir haben mit den beiden über ihren Laden gesprochen.
Wie wurde aus einer Leidenschaft für Schokolade plötzlich eine Leidenschaft für Kakao?
Christine: Im Jahr 2001 erfuhr Schokolade durch den Film Chocolat mit Juliette Binoche einen riesigen Hype und die Chocolatiers wurden experimentierfreudiger. In den 2000er Jahren kamen dann die ersten Schokoladen mit Herkunftsbezeichnungen auf den Markt. Auf einmal ging es nicht mehr nur um Schokoladen mit Geschmackskombinationen wie Chili, Salz, Minze und Nüssen, sondern der Kakao selbst und seine eigenen Aromen bekamen mehr Aufmerksamkeit. Junge Bean-to-Bar-Chocolatiers, wie z.B. Domori, stellten ihre Single-Origin-Schokoladen vor, die nur Kakao aus einer bestimmten Anbauregion verwendeten. Diese Schokoladen begeisterten uns und wir verstanden, dass das Aroma, ähnlich wie beim Wein oder Kaffee, bereits in der Kakaobohne angelegt wird und von der Arbeit der Kakaobauern in der Fermentation essentiell mitbestimmt wird. Die Arbeit der Chocolatiers kitzelt dann die feinen Noten des Kakaos heraus, bei falscher Weiterverarbeitung kann aber auch ein Edelkakao jegliches Aroma verlieren.
Mary: 80% der Kakaoaromen in einer Schokolade werden allerdings durch die Arbeit des Kakaobauern in der Fermentation und der richtigen Trocknung gebildet. Nach dieser Erkenntnis fingen wir an, unterschiedliche Länder zum Ursprung des Kakaos zu bereisen, um die Anbauweise und die Fermentationstechniken von verschiedenen Bäuerinnen und Bauern genauer zu verstehen. Letztendlich haben wir bei diesen Reisen die Leidenschaft für rohe Kakaobohnen und 100% Kakaomasse entwickelt. Es ist eine faszinierende Arbeit, über die wir in Deutschland leider wenig wissen, weil Kakao kein heimisches Lebensmittel ist. Wir haben eine Kultur und ein Verständnis zum Thema Wein, Bier und selbst bei Kaffee blicken immer mehr Deutsche hinter die Kulissen. Bei Kakao gibt es immer noch wenig Kenntnisse in der Bevölkerung. Das Wissen um die Arbeit der Bauern ist da, es wird nur nicht im großen Rahmen kultiviert. Wer verstanden hat, wie aufwändig die Arbeit der Bauern ist und mit wie viel Risiko sie verbunden ist, der bekommt automatisch einen anderen Bezug zu Kakao und kann ihn auch mehr wertschätzen.

Wie kam es zu dem Mutter-Tochter-Tandem?
Marita: Meine Mutter eröffnete den Laden als ich gerade 7 wurde. Für mich und meine beiden Geschwister ist das HOUSE OF CACAO über die Jahre zu einem weiteren Geschwisterkind geworden. Der Laden ist wie unser offenes Wohnzimmer, in dem Gespräche entstehen, auch zwischen Gästen, die sich gar nicht kennen. Nachdem ich 10 Jahre hauptberuflich in der Filmbranche gearbeitet hatte, stellte sich dann 2023 die Frage, was passiert mit dem Geschäft, wenn meine Mutter mal weniger machen möchte. Die direkte Arbeit mit den Kakaobauern hat mich begeistert und auch das Potenzial, all das Wissen rund ums Thema Kakao und Schokolade an unsere kleinen und großen Gäste zu vermitteln. Also bin ich mit eingestiegen und habe seitdem keinen Tag bereut. Ich genieße die Zeit mit meiner Mutter sehr und natürlich gibt es mal Diskussionen hier und da, aber ich denke das gibt es in jeder Familie oder Unternehmen.
Welches Vorurteil über Schokolade würdet ihr sofort abschaffen?
Mary: Ich denke, die meisten haben verstanden, dass Schokolade nicht unbedingt ein Dickmacher ist, wenn man auf einige Dinge achtet. Interessant ist hier wiederum, dass die wenigsten wissen, dass 100% Schokolade durchaus schmecken kann. In der Spitze haben wir eine Auswahl von über 30 verschiedenen 100% Schokoladen im Laden, das heißt Kakaomasse ohne Zucker aus unterschiedlichsten Anbauländern von unterschiedlichen Manufakturen. Da hören wir oft den Satz: „100%, das kann man doch nicht essen!” Auch hier gibt es natürlich eklatante Unterschiede in der Qualität. Bei 100% muss die Kakaobohne perfekt fermentiert sein, es darf nicht überröstet werden und der Anteil an Kakaobutter muss stimmen, damit die guten Aromen auch transportiert werden können. Hersteller auch sehr bekannter Marken sparen vor allem auch da, weil Kakaobutter gerade in den letzten Jahren extrem teuer geworden ist. Wenn man Kakao also zuckerfrei genießen will und damit auch den gesundheitlichen Aspekt berücksichtigen will, gibt es dafür eine gute Auswahl und bei uns kann man sich sicher sein, wenn bestimmte Kriterien nicht erfüllt werden, findet die Schokolade auch leider keinen Platz bei uns. Und zum Thema Cadmiumbelastung nur ein Satz: Jeder Kakao muss auf Cadmium geprüft werden und darf nur in Umlauf gebracht werden, wenn die Grenzwerte nicht überschritten werden. Sollte dem so sein, muss der Kakao mit Zucker und/oder Milch so lange gestreckt werden, bis er unter dem Grenzwert liegt. Man kann da bei 100% Tafeln, die im Verkauf sind, also sicher sein.
Wenn ihr euch lebenslang für eine einzige Praline entscheiden müsstet – welche wäre es und warum?
Christine: Also ich persönlich hätte ja eine Sommer- und eine Wintervariante.
Im Sommer ist die Mango-Marzipan-Praline unschlagbar, der Marzipankörper schmilzt nicht in der Hitze weg, und die fruchtig süße Mango ersetzt jede Eiskugel.
Im Winter und an Regentagen liebe ich den Amarena-Nougat, cremig schmelzendes Nougat aus Haselnüssen gekrönt mit einer Amarenakirsche (ohne Alkohol) – das Mundgefühl von cremig zart schmelzend zur fruchtig knackigen Kirsche ist fast wie Weihnachten, wenn Weihnachten noch weit weg ist, aber man darf schon mal heimlich naschen.
Mary: Also am meisten nasche ich die Balsamico-Praline von der Confiserie Lauenstein, sie ist einfach super komplex und langanhaltend. Die Säure des Balsamicos wird perfekt kombiniert mit einem Hauch rosa Pfeffer und dunkler Schokolade. Die Tonka-Crisp ist aber auch hoch im Kurs!

Ihr reist regelmäßig zu Kakaobäuerinnen und -bauern. Was war der Moment, in dem euch klar wurde: Über Kakao wissen wir in Europa eigentlich erstaunlich wenig?
Wahrscheinlich, als wir selbst das erste Mal eine frische Kakaofrucht vom Baum gegessen haben. Bei Christine war es in Madagaskar, bei Mary in Costa Rica. In Costa Rica besuchten wir die “International Cacao Collection”, in der hunderte verschiedene Kakaogenotypen kultiviert werden, es gibt weltweit über 2000 und es werden immer weitere gefunden. International fangen wir gerade erst an, Kakao in seiner Komplexität zu verstehen.
Wir dürfen ja mit sehr unterschiedlichen Kakaobauern und -bäuerinnen arbeiten, sie alle eint aber die Liebe zum Kakao. Eine Bäuerin sagte mal in einem Interview: Man kann nicht mit Kakao arbeiten, wenn man Kakao und die verbundene Arbeit nicht liebt. Kakao ist für sich ein LEBENSMITTEL, das wahnsinnig viel Zuneigung braucht, ein Baum braucht 3 – 5 Jahre bis er das erste Mal Früchte trägt. Wenn es Ernteausfälle gibt und keine anderen Einnahmequellen haben, gibt es nichts, von dem sie leben können. Klingt logisch, aber ich glaube, wir machen uns da als Verbraucher weniger Gedanken dazu. Wenn die Ernte bei einem Bauern schlecht war, kauft der Großhandel halt bei einem anderen Bauern, egal ob Kartoffeln, Karotten, Tomaten oder eben Kakao. Es hat keinen wirklichen Einfluss auf das Angebot im Supermarkt. Das Risiko liegt komplett auf der Seite der Bauern und das wird mit zunehmendem Klimawandel nicht geringer. Dadurch, dass Kakao kein heimisches Lebensmittel ist, wissen wir wahnsinnig wenig über die Komplexität des Anbaus und wie wertvoll Kakao auch als ökologisch sinnvolle Einnahmequelle für Kakaobauern sein kann, die entweder in Permakultur, Agroforstwirtschaft arbeiten oder sich von Monokulturen verabschieden wollen. Zur Kakaokrise kam es nämlich unter anderem, weil die Böden in Westafrika nach 40 Jahren Monokultur ausgelaugt sind. Die Pflanze hasst nämlich Monokultur und benötigt extrem viel Dünger und Pestizide, um ertragreich wachsen zu können. Es liegt also in unserem eigenen Interesse, Kakao zu beziehen, der im Einklang mit der Natur angebaut wird, um überhaupt weiterhin Kakao in seiner Vielfalt genießen zu können.
Gab es auf euren Reisen eine Begegnung, die ihr nie vergessen werdet?
Mary: Wir haben das große Glück durch unsere Reisen tiefe Einblicke in die Communities der Kakaobäuerinnen und Bauern zu bekommen. Für Christine war es wohl ihre erste Reise nach Madagaskar. Sie kam völlig geflasht zurück und konnte gar nicht mehr aufhören, von ihren Erlebnissen vor Ort zu sprechen. Unsere Reise nach Kolumbien war aber wohl eine der berührendsten, die wir bislang erleben durften. Dort durften wir vier Tage beim indigenen Volk der Arhuacos leben, die ihren Kakao kultivieren und verkaufen, um mit dem Geld ihr Land zurückzukaufen. Sie leben in tiefer Verbundenheit mit der Natur und haben uns mehr als deutlich gemacht, dass auch wir in Europa zurück zu unseren Wurzeln finden müssen, uns selbst als Teil der Natur begreifen sollten und diese bewahren und rekultivieren, um langfristig überleben zu können. Diese Gespräche waren sehr bewegend, schmerzhaft aber auch heilsam, denn darum geht es schon auch am Ende, sich als Teil des großen Ganzen zu sehen. Das vergessen wir oft in dieser schnellen, stressigen, lauten Welt.
Wer euren Laden betritt, denkt im besten Fall …
Wow, das muss wohl die größte Pralinentheke Münchens sein und so eine Auswahl an Schokoladen habe ich noch nie gesehen. Ich bin neugierig, mehr darüber zu erfahren.
… und wer ihn wieder verlässt, sollte hoffentlich denken?
Ich hätte nicht gedacht, dass Kakao so komplex sein kann und die Arbeit der Kakaobauern so essentiell für die Herstellung von Schokolade ist. Eigentlich ist es ein Wunder, dass es Kakao in dieser Vielfalt bei uns zu kaufen gibt. Da bekommt man richtig Lust, diese Vielfalt zu entdecken.
Was haltet ihr vom Hype um die Dubai-Schokolade? Gibt es bei euch Dubai-Pralinen?
Mary: Es war wirklich krass zu sehen, wie stark Social Media die Bedürfnisse von Menschen beeinflussen kann. Am meisten schockiert hat uns, dass es eigentlich gar nicht ums Produkt ging, sondern um das Gefühl der Menschen, nicht mitsprechen zu können, nicht dabei zu sein, nicht probiert zu haben. Und für viele war dieses Gefühl einen Haufen Geld wert oder auch sich um 6 Uhr morgens bei großen Herstellern in die Schlange zu stellen – für Schokolade! Wir haben Schokoladen mit sehr seltenen Anbaugebieten oder Kakaosorten im Laden, die auch mal 14,90 Euro kosten. Da müssen wir sehr viel erklären, verkosten, die Hintergründe erläutern, damit sich die Menschen trauen, eine Tafel mit nach Hause zu nehmen – zu Recht. Bei Dubai-Schokolade gab es keine Nachfragen, im Gegenteil, wir hatten heulende Eltern im Laden stehen, die nicht mehr weiterwussten, weil die Kinder unbedingt diese Schokolade haben wollten. Uns haben damals verschiedene Anbieter auch aus Dubai kontaktiert, ob wir nicht ihre Schokoladen verkaufen wollten. Auf die Frage, woher der Kakao kommen würde, konnten sie uns keine Antwort geben. Als wir dann von den Schimmelpilzen in importierten Produkten erfuhren, wussten wir alles richtig gemacht und nicht jedem Trend hinterherlaufen. Wir sind generell palmölfrei und es gab nur wenige Hersteller, die ohne Palmöl arbeiteten. Ich erinnere mich an eine Konferenz, bei der es im November 2024, also zur Spitzenzeit von Dubai-Schokolade, um die Preissensibilität der deutschen Verbraucher in Bezug auf Kakaopreise ging. Ein Wirtschaftsvertreter der Süßwarenindustrie argumentierte gegenüber einer ecuadorianischen Kakaobäuerin, dass die Deutschen die hohen Kakaopreise nicht lange mitmachen würden. Ich musste sehr laut lachen und wies ihn darauf hin, dass Menschen sich gerade um 6 Uhr morgens für 70 Gramm Dubai-Schokolade zum Preis von 18 Euro anstellen würden. Die Kakaobäuerin wollte dann natürlich sofort wissen, was für ein edler Kakao das wohl sein möge, da musste ich noch mehr lachen.

Hand aufs Herz: Wie oft esst ihr selbst Schokolade – und wann ist auch für euch mal Schluss?
Mary: Wir essen oder trinken Schokolade tatsächlich jeden Tag. Ich glaube, unsere Körper haben über die Jahre einen eigenen Magen entwickelt. Christine hat vor drei Jahren dem Kaffee abgeschworen und trinkt seitdem 100% Kakao mit Wasser. XOCOLATL, die eigentliche Bedeutung von Kakao, der in der Mayasprache als bitteres Wasser bezeichnet wird, ist ihr neuer Kaffee. Er wirkt viel milder, weil hier Theobromin statt Koffein drinsteckt. Für mich tatsächlich auch ein Geheimtipp während der Periode. Kakao hat ja wahnsinnig viel Magnesium und entspannt einfach den ganzen Körper auf natürliche Weise. Ich bin da sehr froh, an der Quelle zu sitzen. Natürlich dürfen wir auch wahnsinnig viel probieren, weil wir viele Muster von Chocolatiers zugeschickt bekommen, die nach unserer Einschätzung fragen. Wenn viel los ist müssen wir aber gut gegessen haben, damit wir nicht in Unterzucker kommen, denn sonst ist die Pralinentheke schon der Endgegner und wir wollen ja schon auch was für unsere Kundinnen und Kunden übrig lassen
Schluss ist eigentlich bei uns, wenn etwas nichts mehr mit Schokolade zu tun hat, sprich Palmöl enthält oder vorgibt eine Schokolade zu sein, obwohl es nichts damit zu tun hat: Stichwort Schokoladen-Alternative, die es leider immer mehr im Supermarkt gibt. Das sind wirkliche Dickmacher, wenn man sich mal die Inhaltsstoffe anschaut.
Wenn folgende 7 Viertel eine Praline wären, welche wäre das und warum?
Lauensteiner Pralinen – die Manufaktur gehört Marys Papa)
Giesing – Der Biertrüffel oder das Zwetschgenwasser. Bodenständig und passend zum Fußballspiel oder als süßer Absacker.
Schwabing – unser weißes Pistazien-Nougat , sieht nicht nur schick aus, sondern stiehlt jeder Dubai-Praline geschmacklich die Show.
Westend – unser dunkles Marzipanröllchen mit Walnüssen – ehrliche Handarbeit und ein kleiner Luxus
Glockenbach – unser Balsamico-Trüffel (etwas ganz Besonderes, mit dem gewissen Kick und einem Hauch rosa Pfeffer für die Extraschärfe , miau!)
Maxvorstadt – unser Espressogugelhupf oder das Erdbeerquark-Herz -für die Cuteness zum Matcha-Latte
Bogenhausen – unser Kir-Royale- die besondere Champagnervariation für jeden Anlass
Hasenbergl – Mandelsplitter – ehrlich, knackig, nussig einfach handfeste Ware, keine Bruchgefahr und preislich ok und das wahre französische Praliné
Es gibt das House of Cacao nun seit 25 Jahren! Lange vor dem Hype um Food-Manufakturen. Wer oder was hat dich bei der Gründung am wirkungsvollsten unterstützt? Und woran wäre der Start beinahe gescheitert?
Christine: Ohne Freunde und die Unterstützung der Familie wäre der Anfang sicherlich nicht so geglückt. Als ehemalige Innenarchitektin wusste ich wie man Baustellen gut meisterte und doch war ich froh um jede und jeden der mit angepackt hat, damit das Chocolate & More, so hieß das HOUSE OF CACAO bei unserer Eröffnung 2001, an den Start gehen konnte. Auch unser Familienbetrieb, die Confiserie Burg Lauenstein, war gerade in den ersten 10 Jahren eine enorme Hilfe und so konnten wir gut Fuß fassen in der damals noch ruhigen Westenriederstraße. Wir eröffneten damals im September 2001. Jeder kann sich erinnern, wie die Welt damals stillstand, alle waren in Schockstarre. Wochenlang war niemand unterwegs, keine Touristen, keine Bummler und auch das Geld wurde zusammengehalten, manche schrien nach ihren Aktien und die Stimmung war im Keller, und das vor dem Weihnachtsgeschäft. Uns blieb nichts anderes übrig, als die Situation auszusitzen und die Nebenkosten gut im Auge zu behalten – letztendlich brauchten die angespannten Nervenkostüme doch wieder Schokolade. Diese Erfahrung hat uns auch für spätere Herausforderungen, wie zum Beispiel die Zeit während Corona, Mut gegeben, weiterzumachen. Wir sind sehr glücklich, tolle Stammkundinnen und Kunden zu haben, mit denen wir diese Zeiten zusammen durchleben, besprechen und uns bei einer heißen Schokolade Mut zusprechen.
Was würdest du anderen Gründern mitgeben, die im Food-Business starten wollen?
Christine: Erstmals sollte man eine Leidenschaft für sein Business haben, denn dann kann auch der Erfolg kommen und wenn es nicht funktionieren sollte, hatte man wenigstens eine erfüllende Zeit und kann daraus lernen. „Leidenschaft“, wie schon das Wort sagt, ist nicht nur durch Spaß an der Arbeit ausgezeichnet, man wächst an komplexen Problemen und nicht am Einfachen. In unseren Augen gibt es eigentlich kein Scheitern, alles ist ein Learning – und selten operiert man am offenen Herzen oder es stirbt jemand, wenn mal etwas schiefläuft. Mir war es auch immer auch wichtig, diese Sichtweise meinen Kindern zu vermitteln. Diese Einstellung hilft, denke ich in vielen Lebenslagen und gibt ein bisschen Sicherheit.
Sollte man ein Ladengeschäft eröffnen, ist die Lage entscheidend, die Mitbewerberanalyse, Preisgestaltung und Einkaufskonditionen sollten gut kalkuliert und ausgelotet werden. Eine ständige Beobachtung der Mitbewerber, denn das machen die Kunden in jedem Fall, und sie erzählen auch, was die Anderen preislich oder qualitativ bringen und dann musst du das einschätzen können. Unsere Kunden schätzen das Authentische an uns, dass wir aktiv mit ihnen im Kontakt sind und uns nicht hinter der Theke verstecken.
Mary: Ehrliche Produkte und Handel auf Augenhöhe mit den Produzenten werden die Zukunft sein. Industriell stark verarbeitete Produkte mit zahlreichen Inhaltsstoffen, künstlichen Aromen und undurchsichtigen Handelswegen gibt es genug bei den Discountern. Wenn man in die großen Ketten des Lebensmitteleinzelhandels möchte, sollte man sich gut überlegen, wie man vorgeht. Da haben wir leider schon einige Kolleginnen und Kollegen mit tollen Ideen gesehen und dann wurde das Produkt einfach billiger nachproduziert und als Eigenmarke herausgebracht. Der groß versprochene Umsatz ist auch erstmal mit hohen Anfangskosten verbunden und man sollte sich überlegen, ob man gerade in den Gründungsjahren dieses Risiko finanziell eingehen will.
Trotz Internet und Sparlaune – ihr seid erfolgreich im Einzelhandel, während andere jammern. Was ist euer Erfolgsrezept?
Mary: Es ist richtig, dass es der Einzelhandel heute schwerer hat als noch vor Corona. Es hat sich in den letzten 25 Jahren schon einiges verändert. Die Frage ist nur, wie man mit diesen Veränderungen umgeht. Christine eröffnete den Laden im September 2001, da stand die Welt erstmal stehen. Wir denken, man braucht Mut, Durchhaltevermögen, Entscheidungsfreude, die Einsicht, Platz für etwas Neues zu machen, an dem man wachsen kann, aber am wichtigsten ist Neugier am eigenen Thema und das Talent, auch andere für sein Thema begeistern zu können.
Wir sind froh, dass wir uns und unseren Werten treu geblieben sind und nicht jedem Trend blind hinterherrennen, aber auch erkannt haben, wie und wann es Veränderungen braucht. Heute sind wir viel diverser aufgestellt als noch vor ein paar Jahren: Neben dem klassischen Einzelhandlung mit Beratung kann man ja auch heiße Schokolade und Kaffee bei uns trinken. Wir vermitteln unser Wissen in Verkostungen für Privatkunden oder als Teamevents, halten Vorträge auch in Schulen, haben zum Jubiläum einen Podcast gelauncht und führen nebenher einen Onlineshop. Und das alles als Mutter-Tochter-Gespann mit unseren heißgeliebten Aushilfen, ohne dass das auf keinen Fall gehen würde.
Gerade in der Coronazeit hat uns gerettet, dass wir nur zu zweit waren, bereits einen kleinen Onlineshop hatten und extrem treue Stammkunden und Kunden, die weiter bei uns eingekauft haben. Der Preistumult der letzten zwei Jahre hat in der Branche einige Kolleginnen und Kollegen zum Aufhören gezwungen, was wir bedauern. Aber genau diese Themen diskutieren wir auch offen und ehrlich mit unseren Kunden und das wird anerkannt und auch honoriert, darüber sind wir sehr glücklich. Es ist ein sehr familiärer Umgang bei uns im Laden. Wir sind überzeugt, dass Fachgeschäfte immer noch eine Chance haben zu bestehen. Zum einen sind sie schneller als der Onlinehandel, die Schokolade liegt nicht erst bei der Post rum und kann sofort mitgenommen und auch verschenkt werden. Kundinnen und Kunden können sich auf die langjährige Expertise verlassen. Sie müssen sich nicht stundenlang einlesen, sondern bekommen direkt eine Antwort. Wie sehr KI hier online noch eine Rolle spielen wird, werden wir sehen. Das Teilen von Wissen kommt aber auch mit einem Preis. Wir merken ziemlich schnell, wer nur da ist, um Infos abzugreifen und dann online zu shoppen, das beklagen ja auch andere Kolleginnen und Kollegen im Einzelhandel. Bei Schokolade ist das anders, wie bei Elektroartikeln. Bei uns darf man auch oft mal probieren, bevor man kauft, uns ist es extrem wichtig, dass die Kunden mit Begeisterung und Mehrwert aus dem Laden gehen. KI kann aber glücklicherweise noch nicht für uns schmecken. In diesen Genuss dürfen wir noch selbst kommen. Als Team zeichnet uns eine Mischung aus Branchenkenntnis, technischer Erfahrung und die Neugierde auf Neues aus.
Zum Jubiläum haben wir uns noch ein extra Projekt überlegt: MUCHO – Münchens erstes Schokoladenfestival am 24. + 25. Oktober mit über 40 internationalen und nationalen Chocolatiers. Das HOUSE OF CACAO mit großer Bühne sozusagen. Das wird fantastisch, weil auch Kakaobauern da sein werden und alle Chocoholics ihre Fragen loswerden können.
Was habt ihr über Menschen und Genuss gelernt, seit ihr euren Laden habt?
Ich denke die schönste Erkenntnis ist: Die Menschheit ist so divers wie der Kakao selbst. Sie präsentiert sich bei uns in all ihren Farben, Formen und Geschmäckern. Wir haben nicht den oder die Kundin mit einem bestimmten Geschmacksprofil, sondern wir bei uns geht es richtig bunt zu. Von der Münchner Omi, die eine Praline auf die Hand nimmt, bis zur amerikanischen Großfamilie, die German Chocolate mit in die USA bringen will. Wir erleben jeden Tag die Menschheit in ihrer Vielfalt, Eigenheiten und manchmal natürlich auch Verrücktheit. Wir nehmen die Stimmung der Leute wahr: sind sie auf der Suche nach einem Geschenk, möchten sie nur mal kucken oder sich aktiv beraten lassen. Die Einen kommen um in Ruhe eine heiße Schokolade zu genießen, und die Anderen, um sich tief in die Materie des Kakaos einweihen zu lassen. Wir können beides, stundenlang referieren oder auch nur sein lassen.
Es ist wichtig anzuerkennen, dass jeder anders schmeckt und nur weil wir selbst Fans von dunklen Schokoladen sind, würden wir nie auf die Idee kommen, diese als den heiligen Gral der Schokolade zu bezeichnen. Es gibt auch sehr gute weiße Schokolade. Manche glauben ja, das sei keine wirkliche Schokolade, die EU hat da zum Glück ganz klare Richtlinien und wir sind der Meinung, solange nur Kakaobutter und kein anderes Fett verarbeitet ist, zählt diese als vollwertige Schokolade.
Der eigene Geschmack verändert sich auch über die Jahre und ist auch abhängig von der Tagesform. Wenn ich gerade in einem ruhigen Moment bei mir selbst bin, schmecke ich ganz andere Noten als wenn ich gestresst bin.
Und noch eine schöne Erkenntnis gibt es: Wir dürfen jeden Tag Menschen erleben, die sich selbst oder anderen etwas Gutes tun wollen und dann mit einem Lächeln den Laden verlassen. Das macht Hoffnung und macht uns am glücklichsten im HOUSE OF CACAO.

Welcher Satz eines Kunden fällt bei euch im Laden jeden Tag mindestens einmal?
Bei unseren Münchner Stammkundinnen und Kunden ist es:
“Die heiße Schokolade, war wie immer ausgezeichnet!”
Bei internationalen, wie deutschen Gästen eher: “Ihr Laden gehört fest zum Programm, wenn wir nach München kommen.”
Wir hören aber auch oft: “Ich wusste gar nicht, dass Schokolade so schmecken kann. Wir kommen wieder ” und da freuen wir uns natürlich drüber.
Welchen Song empfehlt ihr zum Genuss einer eurer Pralinen?
Mesa Redonda von Hermanos Gutiérrez, da kann man wunderbar die Augen schließen und auf Aromenreise gehen.
Noch keine Kommentare