Foto: BMW Welt
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Kunst auf vier Rädern: Erstmals alle 20 BMW Art Cars in der BMW Welt

Bevor man ein Kunstwerk in einem Museum ausstellt, muss man es durch die Tür bringen. Doch was, wenn das Kunstwerk über eine Tonne wiegt und knapp zwei auf fünf Meter groß ist? Genau vor dieser Herausforderung stehen Museen regelmäßig, wenn sie eines der BMW Art Cars zeigen. Dann kommen Kräne zum Einsatz. Oder eigens konstruierte Vorrichtungen, mit denen sich die Fahrzeuge hochkant kippen lassen, um sie Zentimeter für Zentimeter durch einen Türrahmen zu manövrieren.

David Hockney gestaltet ein BMW Art Car / Foto: BMW AG

David Hockney gestaltet ein BMW Art Car / Foto: BMW AG

“Irgendwie haben wir es immer geschafft”, sagt Christiane Pyka. Sie kennt diese Geschichten gut. Gemeinsam mit ihrem Projektteam organisiert sie die große Jubiläumsausstellung in der BMW Welt, die vom 29. Juli bis zum 31. August erstmals alle 20 BMW Art Cars gemeinsam zeigt. Zuvor waren die Autos auf Welttournee. Nach Jahren der Reisen in über 30 Länder endet sie jetzt dort, wo viele BMWs das Licht der Welt erblicken: in München. Dass die Tour hier ihren Abschluss findet, passt perfekt. München ist nicht nur die Heimat von BMW, sondern auch von prägenden Institutionen wie der Pinakothek der Moderne, dem Haus der Kunst oder dem Museum Brandhorst. 

Die BMW Welt liegt genau zwischen diesen beiden Welten. Viele Münchner kennen sie als architektonisches Wahrzeichen, als Ort für Fahrzeugabholungen, Museumsführungen oder Konzerte. Nun wird sie für einen Monat zum Ausstellungsraum. Und das mit Kunstwerken von höchstem Rang: David Hockney, Andy Warhol, Esther Malangu, Jenny Holzer – die Liste liest sich wie der Traum eines jeden Museumsdirektors. 

Wie unterschiedlich die Künstler in den vergangenen fünfzig Jahren mit derselben Ausgangslage umgegangen sind, zeigt sich sofort: Andy Warhols BMW M1 trägt breite, sichtbare Pinselstriche in Rot, Grün und Schwarz. Berichten zufolge soll er für das gesamte Fahrzeug nur rund eine halbe Stunde gebraucht haben – und drückte so schon im künstlerischen Akt Geschwindigkeit aus. Roy Lichtenstein überzog seinen BMW 320i dagegen mit den kräftigen Primärfarben, schwarzen Konturen und grafischen Punkten, für die seine Pop-Art weltbekannt wurde. Und Olafur Eliasson ging sogar noch einen Schritt weiter. Sein Beitrag ist nicht ein bemaltes Auto, sondern eine gefrorene Eis-Installation, die aussieht wie der Kokon eines Schmetterlings.

Olafur Eliasson verwandelte den BMW H2R in ein leuchtendes Kokon. © BMW Group / Olafur Eliasson

2016 führte die chinesische Künstlerin Cao Fei die Reihe schließlich ins digitale Zeitalter: Ihr BMW M6 GT3 ist Teil eines multimedialen Kunstwerks, das den Rennwagen mit Film und Augmented Reality zu einem virtuellen Paralleluniversum erweitert.

Dass die Sammlung so divers ist, ist dabei kein Zufall: „Sie ist eigentlich eine Reise durch die Kunstgeschichte der vergangenen 50 Jahre,“ erklärt Christiane Pyka. Pop Art, Konzeptkunst, Minimalismus oder Multimedia – jede Epoche bringt ihre ganz eigenen Ausdrucksformen mit und die Art Cars repräsentieren das. 

Doch wie entsteht so ein Art Car überhaupt? „Die Künstler haben eigentlich freie Hand”, sagt Pyka. Vorgaben gebe es kaum. Für die Rennautos unter den Kunstwerken gilt: Sie müssen danach noch an Rennen teilnehmen können, also fahrbar bleiben. 

Überraschend ist, dass BMW die Künstler nicht selbst auswählt. Die Vorschläge kommen von einer internationalen Jury aus Museumsdirektoren, Kuratoren und Kunstexperten. Erst danach beginnt der eigentliche Austausch. Und manchmal dauert es Jahre. Julie Mehretu, die 2024 das bislang jüngste Art Car gestaltete, habe zunächst mehrfach abgesagt, erzählt Pyka. Erst nach längeren Gesprächen entschied sie sich für das Projekt. Andere Künstler seien dagegen selbst auf BMW zugekommen und hätten Interesse bekundet. Die Sammlung habe über die Jahrzehnte ein Eigenleben entwickelt.

BMW-Design von Roy Lichtenstein Foto: BMW AG

BMW-Design von Roy Lichtenstein Foto: BMW AG

Begonnen hat alles 1975. Der Franzose Hervé Poulain, eigentlich Kunstauktionator, war zwar passionierter Rennfahrer, aber kein Mann, der regelmäßig auf dem Siegerpodest stand. Wenn er also schon nicht gewinnen konnte, wollte er wenigstens auffallen. Seine Idee: Beim legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans sollte nicht irgendein Rennwagen an den Start gehen, sondern einer, den ein Künstler gestaltet hatte. BMW ließ sich darauf ein, der amerikanische Bildhauer Alexander Calder gestaltete einen BMW 3.0 CSL. Das Rennen endete für Poulain zwar vorzeitig mit einem technischen Defekt. Aber die Idee war geboren.

Dass Künstler sich mit Autos beschäftigen, war zwar auch 1975 nichts Neues. Schon die Futuristen feierten Anfang des 20. Jahrhunderts Geschwindigkeit und Technik, später machten Künstler wie Robert Rauschenberg oder John Chamberlain das Automobil selbst zum Gegenstand ihrer Arbeiten. Doch die BMW Art Cars knüpften an diese Tradition in besonderer Weise an. Hier dient nicht die Leinwand oder ein Klumpen Ton als Ausgangspunkt, sondern das Auto selbst.

Für Christiane Pyka ist genau das einer der Gründe, warum die Sammlung auch Menschen anspricht, die sonst vielleicht selten ein Kunstmuseum besuchen. Das Auto sei für viele ein vertrauter Gegenstand. Begegne man ihm plötzlich in einem anderen Kontext, entstehe oft ein neuer Zugang zur Kunst. Umgekehrt würden kunstinteressierte Menschen Fahrzeuge plötzlich nicht mehr nur als plumpe Fortbewegungsmittel oder teure Designobjekte betrachten. Eine Win-Win-Situation also. 

Dass BMW sich seit Jahrzehnten kulturell engagiert, zeigt sich nicht nur an den Art Cars. Das Kulturengagement des Unternehmens reicht global von Kooperationen mit Museen und Kunstmessen über Opern und Orchester bis hin zu Künstlerprogrammen. Die BMW Art Cars sind deshalb weniger ein Einzelprojekt als der vielleicht prominenteste und sichtbarste Teil dieses Engagements.

Wer die Ausstellung besucht, sieht nicht nur 20 außergewöhnlich gestaltete Automobile, sondern eine Sammlung, die ebenso viel über die Kunst der letzten fünfzig Jahre erzählt wie über das Automobil selbst. Dass erstmals alle 20 BMW Art Cars gemeinsam in München zu sehen sind, ist also eine großartige Chance. Verpassen sollte man sie um keinen Preis. Glücklicherweise ist der Eintritt umsonst.

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BMW Art Cars – 20 Artists, 50 Years of Innovation. Reunited at BMW Welt.
29.07. bis 31.08.2026
Täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr geöffnet
Eintritt frei

Beitragsbild: BMW Group
Text: Julius Zimmer 

Foto: BMW AG
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