Kultur, Leben

33 Sätze, die deine Beziehung töten können – und andere Weisheiten …

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Dass guter Sex in einer Beziehung wichtig ist, kann man als Leser nachvollziehen. Aber warum sollten Männer sich neue Schuhe anschaffen?

Welch Werdegang: Angefangen hat alles als Hauptfigur in dem Roman „Für immer Juli“ des Münchner Autor Bernhard Blöchl (Foto), in dem Julian Hartmann schmerzhaft erleben muss, wie mühsam es ist, als Mittdreißiger den besten Platz zwischen all den anderen Männern und Frauen in der Welt von heute zu finden. Gestärkt mit so viel Lebenserfahrung sprang Julian aus den Buchseiten mitten ins Internet und bloggte fleißig Notizen über das Mannsein. Jüngst veröffentlichte der Protagonist und Blogger jetzt sein erstes Buch. „Schluss mit Luschig! Anleitung zum Mannsein“ ist nicht nur eine erweiterte, schmunzelnde Schau seines Blogs auf Papier, sondern auch ein Beispiel für eine erstaunliche Karriere mit Hilfe alter und neuer Medien. Was sagt Julian Hartmann selbst zu seinem Buch?

Was erwartet die Leser, wenn sie dein Buch aufschlagen?

Zunächst einmal die Unterhose mit Eingriff, die auch meinen Blog ziert. Die musste es unbedingt ins Buch schaffen! Darüber hinaus bekommt der Leser, was ich seit Herbst 2012 auf Schlussmitluschig.de biete: inspirierende Unterhaltung zum Thema Mannsein. Nur viel mehr davon: Listen, Typologien, Zitate und Kolumnen. Lockerer Lesestoff mit Grübelpotential. Im Vordergrund steht der Humor und das launige Spiel mit den Klischees. Gleichwohl werfe ich mit den Thesen der Emanzipation ernst gemeinte Anregungen über ein neues Männerbild in die Gender-Runde. Der moderne Mann, wie ich ihn mir vorstelle, ist emanzipiert und fördert Gleichberechtigung. Er respektiert Feministinnen, konzentriert sich aber auf das Mannsein. Und er steht zu seiner Männlichkeit. Das ist bei vielen Männern Mitte 30 irgendwann und irgendwie verloren gegangen (bei mir auch).

Eine Lektüre nur für Männer oder haben Frauen auch was davon?

In erster Linie möchte ich natürlich die Herren einladen, über ihr Leben als Mann nachzudenken, etwa über die Frage, was den mordernen Mann ausmacht und wie man sich emannzipiert, ohne in Steinzeitmuster zu verfallen. Testosteron ja, Testosterontoni nein – darum geht’s. Ich halte sehr viel von Gleichberechtigung, aber sehr wenig von Gleichmacherei, und da ich sehr für ein Miteinander der Geschlechter plädiere, geht uns das Thema Orientierungslosigkeit der XY-Träger alle an. Außerdem sind viele Frauen oft noch mehr interessiert an den Befindlichkeiten der Kerle als diese selbst. Mein Wunsch wäre, dass sich alle amüsieren und sich inspirieren lassen, alle, die gerne Mann bzw. gerne Frau sind.

Du nennst dein Buch ein „Schelmenstück“. Klingt etwas altmodisch für einen modernen Mann…

Ich habe nichts gegen altmodische Wörter, im Gegenteil, zuweilen sind sie wunderbar! Ich hätte mir natürlich auch „Comedy-Infotainment“ oder „Gender stuff for hipster couples“ auf die Fahnen schreiben können. Aber das war mir dann doch zu blöd. Außerdem bin ich gerne Schelm. Wir brauchen eindeutig mehr Schelme (hab ich das schon erwähnt?). Insbesondere in der viel zu verbissen geführten Gender-Debatte, in der jede(r) jede(n) bekriegt, würde ich mir mehr Selbstironie und Augenzwinkern wünschen. Macht euch doch bitte alle mal locker! Alle!

Julian, du heißt sicher nicht zufällig Hartmann mit Nachnamen. Hat das was mit deinem Männerbild zu tun?

Natürlich ist das Zufall, was denn sonst? Ich heiße Hartmann, weil mein Vater so heißt. Die Hartmanns aus Tuntenhausen. Damit muss man erst mal klarkommen, ich weiß. War nicht einfach, als ich nach München kam, das kann ich euch sagen …

Jeder, der schon mal bei Ikea eingekauft hat, weiß: Anleitungen sehen zwar einfach aus, aber sie in die Praxis umzusetzen, ist oft schwierig. Ist deine Anleitung zum Mannsein was fürs echte Leben?

Findest du? Ikea macht’s einem doch ziemlich einfach mittlerweile, oder nicht? Also ich schraube gerne an einem Benno rum (kommt das jetzt anzüglich rüber?). Aber zurück zur Frage: Der Begriff „Anleitung zum Mannsein“ ist eine Provokation pur, keine Frage, wer will sich schon vorschreiben lassen, wie er als Mann zu sein hat? Ich nicht! Dennoch lassen sich aus den ironisch überspitzten Listen, den satirischen Typlogien und den verschmitzten „ProtoTypen“ zig Dinge für den Alltag herauslesen. Oft sind es ja Kleinigkeiten. Ich kenne Freunde, die nicht mehr „Magst du mir mal helfen?“ sagen, seit sie über das „magst du“ nachgedacht haben, oder über den Stumpfsinn „Wir sind schwanger!“ Andere setzen sich in der U-Bahn nicht mehr breitbeinig hin, als wären sie auf dem Planet der Affen, oder achten beim nächsten Rendezvous sehr genau darauf, dass das Glas der Begleitung niemals leer ist. Das sind alles Anfänge.

Was ist deiner Meinung nach ein absolutes No-Go beim ersten Date mit einer Frau?

Diskussionen darüber, wer bezahlt, zerstören alles. Und noch etwas: Wer über sich selbst nicht lachen kann, ist zum Weinen.

Dass guter Sex in einer Beziehung wichtig ist, kann man als Leser nachvollziehen. Aber warum sollten Männer sich neue Schuhe anschaffen?

Nicht unbedingt neue Schuhe, sondern gute Schuhe! Zeig mir deine Schuhe, und ich sage dir, wer du bist. Funktioniert meistens. Gute Schuhe, die zu einem passen, sind ein Zeichen von Stil, Geschmack und Reife. Und noch etwas sollte der moderne Beziehungsmann endlich kapieren: Der Schuhschrank gehört nicht den Frauen allein. Erkämpft euch euren Platz zurück!

Und was sagt dein Alter Ego Bernhard Blöchl zu deinem Erfolg?

Verrate es ihm nicht, aber ich weiß aus erster Hand, dass er schon etwas verstimmt ist. Weil sein Roman „Für immer Juli“ nur in kleiner Auflage erschienen ist, während „Schluss mit luschig!“ als Spitzentitel im Rowohlt-Verlag herauskam (ob er sich verkauft, ist ein anderes Thema). Aber da ich ihm viel zu verdanken habe (alles, wenn man es genau nimmt), werde ich ihn bald mal zum Essen einladen. Mein „Coq au Julian“ mit bayerischem Whisky hat noch jeden aufgemuntert. Und dass der moderne Mann gerne kocht, ist ja auch kein Geheimnis mehr.

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Taschenbuch: 160 Seiten
Verlag: rororo (1. Juli 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3499617393

Als Kostprobe Julian Hartmanns Lieblingsliste:

33 Sätze, die einen Mann als Weichei outen

Wenige Wörter, und schon ist Mann als Softie entlarvt. Schluss mit luschig! Wer diese Sprüche vermeidet, hat schon viel gewonnen.

1. „Ich hab‘s gleich, Schatz, muss nur noch meine Haare glätten.“
2. „Nenn mich nicht immer Bärchen, Hase!“
3. „Viele reden mit ihren Stofftieren!“
4. „Honeysuckle ist die Farbe der Saison.“
5. „Mintgrün lässt mich so blass aussehen.“
6. „Ohne Desinfektionsmittel geh ich nie außer Haus.“
7. „Ayurvedische Reisstempelmassagen könnte ich jeden Tag haben.“
8. „Seit ich Accro-Yoga mache, bin ich morgens nicht mehr so steif.“
9. „Ich kann mich nicht zwischen dem Salat mit der Brunnenkresse und der Spinat-Ruccola-Variation mit Pinienkernen entscheiden.“
10. „Ich esse ja abends überhaupt keine Kohlenhydrate mehr.“
11. „Die neue Cosmo und eine Bionade bitte!“
12. „Ich weiß doch gar nicht, wie ich sie ansprechen soll.“
13. „Für mich zählen ausschließlich die inneren Werte.“
14. „Wir können auch einfach nur reden.“
15. „Sag mir, was ich tun soll.“
16. „Da bin ich ganz bei dir.“
17. „Das kann ich unmöglich alleine tragen, du weißt doch, ich hab Rücken!“
18. „Bist du dir sicher, dass da ein Pflaster reicht?“
19. „Ich mach die Spinne nicht weg, die ist voll eklig!“
20. „Kein Problem, Chef, ich kann das gerne übernehmen.“
21. „Nein, wir haben kein Problem, ich wollte eh gerade gehen.“
22. „Also ich hab samstags um halb vier eigentlich immer Zeit.“
23. „Pep Guardiola? Wer ist Pep Guardiola?“
24. „Also der Mario Gomez von Stuttgart sieht schon klasse aus.“
25. „Ich sag immer: Hauptsache, mein kleiner Stadtflitzer fährt.“
26. „Das Wichtigste beim Reifenwechseln ist eine gute Werkstatt.“
27. „Die Parklücke ist doch viel zu klein.“
28. „Wir sind schwanger!”
29. „Geh ruhig mit ihm aus, ihr seid doch Kollegen.“
30. „Helene Fischer kann schon was.“
31. „Ich weiß gar nicht, was ihr habt, der Markus Lanz ist doch ein Netter.“
32. „Die Landschaften bei Rosamunde Pilcher sind schon ein Traum!“
33. „Und wenn es doch kein Probealarm ist?“

Erschienen in dem Buch „Schluss mit luschig“ von Julian Hartmann

Unsere Buchkritik zu „Für immer Juli“
Ein Interview mit Berhard Blöchl über sein erstes Buch.

Foto: zeegaro

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Das Heft über „Wohnen trotz München“

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