Foto. Michael Hopf
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5 Erlebnisse, die deinen Besuch in Nantesbuch unvergesslich machen

Stiftung Nantesbuch

Es gibt Orte, die fühlen sich an, als hätte jemand die Lautstärke der Welt ein bisschen heruntergedreht. Nantesbuch ist so ein Ort. Rund eine Stunde von München entfernt liegt dieses außergewöhnliche Projekt der Stiftung Kunst und Natur zwischen Mooren, Wiesen, Bergen. In Bad Heilbrunn, in der Nähe von Penzberg  gelegen, ist Nantesbuch mit seinen zwei großen traditionsreichen Höfen weder klassisches Kulturzentrum noch Biohof, weder Naturpark noch Eventlocation. Und genau das macht diesen Ort so besonders. Hier trifft Landwirtschaft auf Kultur, Wissenschaft auf Sommerfrische und Wissensdurst auf eine ziemlich besondere Bar.

Vor allem aber ist Nantesbuch ein Ort, an dem man viel lernt. Und zwar nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Kreativität, tollen Menschen und vielen schönen Momenten.

In der Frühzeit wurde das Areal von einer Seenlandschaft geprägt. Zwei Hügel ragten heraus. Später entstanden auf diesen beiden einstigen Inseln des fruchtbaren Moorgebietes des Gut Nantesbuch und Gut Karpfsee. Heute hat die Stiftung Kunst und Natur hier einen Ort geschaffen, der sich auf 320 Hektar Voralpenland gegen die Hektik der Zeit stemmt. Mit dem besonders nachhaltig orientierten Wirtschaftshof Nantesbuch und dem von Architekt Florian Nagler erbauten Langen Haus in Karpfsee, das dem Austausch, Mitmachen und Erleben gewidmet ist, zeigt das Projekt, wie Kunst und Natur sich gegenseitig befruchten können.

Wir waren dort und haben fünf Erlebnisse mitgebracht, die einen Besuch in Nantesbuch unvergesslich machen.

1. Natur, die nicht nur Kulisse ist

Foto: Manfred Jarisch

Die Wiesen, Wälder und Berge sind mehr als das nette Ambiente für den Ausflug aufs Land. In Nantesbuch ist die Weite der Landschaft Teil eines riesigen Reallabors rund um die Frage, wie wir mit Natur umgehen wollen.

Auf rund 320 Hektar, einer Fläche ungefähr so groß wie die komplette Münchner Altstadt inklusive Lehel – arbeitet die Stiftung daran, Böden wieder lebendig zu machen, Moore zu renaturieren und Wälder klimaresilient umzubauen. Dabei geht es viel um die Wiedervernässung von Mooren. Denn trockengelegte Moore zählen weltweit zu den größten Klimakillern. Allein in Deutschland produzieren trockengelegte Moore jährlich rund 53 Millionen Tonnen Treibhausgase – das sind etwa 7 Prozent der gesamten deutschen Emissionen. Auf dem Gelände findest du Hoch-, Übergangs- und Niedermoore, die Teil einer beeindruckenden 30 Kilometer langen Moorachse vom Kochelsee bis Deining sind.

In Nantesbuch werden Maßnahmen zur Wiedervernässung konkret erprobt: Drainagegräben werden geschlossen, damit Moore wieder Wasser speichern können. Torfmoose wachsen nach und binden CO₂. Alte Fichtenmonokulturen verwandeln sich Schritt für Schritt in widerstandsfähige Mischwälder. Der Haselbach darf wieder mäandrieren, anstatt geschniegelt durch ein künstliches Bett gepresst zu werden.

Und plötzlich versteht man: Boden ist eben nicht das Zeug, das nach der Wanderung an der Sohle klebt.  Boden ist Klima, Wasserfilter, Lebensraum und ziemlich wortwörtlich die Grundlage unseres Lebens.

Dazu gehören auch die Tiere, die hier nicht als Streichelzoo auftreten, sondern als aktive Mitgestalter der Landschaft. Wasserbüffel, Heckrinder, Exmoor-Ponys, Alpine Steinschafe oder Murnau-Werdenfelser Rinder helfen dabei, Flächen naturnah zu beweiden und neue Lebensräume entstehen zu lassen. Dass daraus manchmal sogar Kunst wird, ist typisch Nantesbuch.

So gab es hier tatsächlich schon ein „Konzert für Tiere“, bei dem Musiker:innen vor Wasserbüffeln spielten – als Experiment darüber, wie Tiere Klang wahrnehmen. Der Künstler Andreas Greiner beschrieb das Projekt als Versuch, das Verhältnis zwischen menschlicher und nicht-menschlicher Natur neu zu denken. (Link zum Artikel in der SZ)

2. Kultur trifft Kuhweide

Nantesbuch ist einer dieser seltenen Orte, an denen man Hochkultur erlebt, ohne es zu merken. Weide statt White Cube sozusagen. Das ganze Jahr über kuratiert das Team Konzerte, Lesungen, Diskussionen und Ausstellungen mitten im Grünen, das wohl selten so wörtlich zu sehen ist wie hier. Die Kunst findet hier draußen statt, unter freiem Himmel oder im markanten Langen Haus, das mit seiner beeindruckenden Holzständerbauweise unterm Dach selbst einen Besuch wert ist. (Link zu einem Artikel in der Zeitschrift Bauwelt) 

Wo sonst kann man ein Konzert erleben, bei dem die eigentlichen Ehrengäste Wasserbüffel sind? Kunst wird hier nicht als elitäres Event verstanden, sondern als Teil eines größeren Dialogs mit Landschaft, Menschen und Gesellschaft. Vielleicht einfach als Grundbedürfnis der menschlichen Natur, die ebenso schützenswert ist.

Das Veranstaltungsprogramm ist entsprechend vielfältig: Literaturfestivals, Filmabende, Konzerte, Workshops und Vorträge wechseln sich mit Führungen durch Permagarten oder Streuobstwiesen ab.

Und dann gibt es diese typischen Nantesbucher Formate: Schreibwerkstätten zwischen Wiesen und Mooren (Nature Writing), musikalisch-literarische Spaziergänge in der Dämmerung (Nacht-Triptycon) und eine ziemlich urban wirkende öffentliche Tanz-Parade mit Marinella Senatore und Dutzenden Mitwirkenden in der ländlichen Idylle der Abgeschiedenheit von Nantesbuch.

Was hier offenbar die Gäste so sehr schätzen: Es gibt keine Trennung zwischen „hoher“ und „alltäglicher“ Kultur. Kunst darf intellektuell sein, aber sie darf auch nach Erde riechen. Und vielleicht liegt genau darin etwas sehr Tröstliches in einer Zeit, in der vieles entweder hyperdigital oder maximal optimiert wirkt.

Nantesbuch erinnert daran, dass Kultur nicht nur in Städten passiert. Sondern manchmal genau dort am stärksten wird, wo plötzlich wieder Platz für Stille ist.

3. Ein Ort, der dich mitmachen lässt

Das vielleicht Beste an Nantesbuch: Du bist mittendrin statt nur dabei. Nantesbuch bezieht Menschen durch echte Erlebnisse ein. Nicht belehrend, sondern einladend.

Das Workshop-Portfolio ist so vielfältig wie die Landschaft selbst: Du kannst lernen, wie man Apfelstrudel backt, Bier braut, Johannikränze bindet oder dich in der Kunst des Nature Writing versuchen. Wie kreativ die Ideen sind, zeigen Formate wie das „Versemmeln“, bei dem Sprache, Dichtung und Musik beim gemeinsamen Backen mit der Autorin Franziska Füchsl zusammenfinden. Wer tiefer eintauchen will, schließt sich dem neu gegründeten Freundeskreis an, bei dem man aktiv helfen kann – etwa beim Kräutersammeln für die traditionelle Gründonnerstagssuppe am großen Tisch im Langen Haus. Es geht darum, Wissen lebendig zu machen: Vom Obstbaumschnitt bis zum Jodeln darfst du hier Kopf und Hände gleichzeitig arbeiten lassen.

Und genau darin steckt eine fast unterschätzte Qualität: In Nantesbuch entsteht eine Verbindung zwischen Denken und Tun. Oder anders gesagt: Zwischen Theorie und Erde unter den Fingernägeln.

Besonders schön ist, dass dabei ganz unterschiedliche Menschen zusammenkommen. Wissenschaftler:innen, Künstler:innen, Spaziergänger:innen, Landwirt:innen, Familien aus dem Umfeld, Großstadtmenschen auf der Suche nach Pause und Leute, die einfach neugierig sind.

Vielleicht liegt darin auch die eigentliche Kraft dieses Ortes: Nantesbuch vermittelt nicht das Gefühl, wirksam zu sein. Selbst Teil von etwas zu werden. Und das fühlt sich für viele Menschen verständlicherweise wohl gerade ziemlich gut an, wenn man sieht, wie schnell die Workshops auf der Website nantesbuch.de  ausgebucht sind.

4. Der perfekte Mini-Escape aus München

Nantesbuch

Es gibt Wochenenden, da möchte man nicht weit weg. Aber trotzdem woanders sein.

Nantesbuch ist genau dafür gemacht.

Hier werden die Straßen schmaler, die Gespräche leiser und plötzlich merkt man, wie laut der eigene Kopf eigentlich vorher war. Kein Wunder also, dass Nantesbuch inzwischen für viele zum Gegenentwurf zum Dauerrauschens der Stadt geworden ist.

Das Beste: Man muss hier gar nichts „leisten“. Natürlich könnt ihr Veranstaltungen besuchen, Führungen machen oder Workshops buchen. Ihr könnt aber genauso gut einfach loslaufen.

Viele Wege auf dem Gelände sind frei zugänglich. Man spaziert durch Wiesen, vorbei an Moorflächen, durch Wälder und entdeckt zwischendurch Wasserbüffel, alte Obstbäume oder plötzlich ein Kunstwerk zwischen den Feldern.

Dazu kommen offene Formate wie Familienfeste, die „Bar mit Blick“ oder Führungen durchs Lange Haus. Und selbst wer nur für ein paar Stunden bleibt, fährt meistens mit diesem Gefühl zurück, irgendwie etwas Gutes getan zu haben.

Hilfreich für alle ohne Auto: Nantesbuch bietet inzwischen auch ein ziemlich gutes und günstiges Transferangebot aus München, Penzberg und Bad Tölz an. Sehr angenehm für alle, die entspannt hin- und wieder zurückkommen möchten.

Nantesbuch ist eine Erinnerung daran, wie gut sich Ruhe eigentlich anfühlen kann.

5. Ein wunderbares Team

Man kann die schönsten Konzepte der Welt haben – wenn die Menschen dahinter nicht passen, ist alles vergebene Mühe.

In Nantesbuch ist das Team ein perfektes Match. Was diesen Ort so besonders macht, ist daher auch die Atmosphäre, die das Team schafft. Hier arbeiten Landwirtschaft, Permagarten, Küche, Technik, Kommunikation, Organisation und Kurator:innen nicht nebeneinander her, sondern miteinander. Und das spürt man.

Vielleicht liegt es an der Aussicht auf die Berge. Vielleicht an den Wasserbüffeln. Vielleicht auch einfach daran, dass Menschen hier an etwas arbeiten, das so Außergewöhnlich ist. Jedenfalls begegnet man in Nantesbuch auffallend vielen Menschen, die dir freundlich und offen in die Augen blicken.

Egal ob bei Führungen, Veranstaltungen oder einfach an der Bar mit Blick – überall entsteht dieses Gefühl von Offenheit. Niemand muss hier Expert:in für Renaturierung oder Gegenwartskunst sein, um willkommen zu sein.

Nantesbuch schafft etwas, das viele Orte gerne wären: eine echte Gemeinschaft auf Zeit.

Und vielleicht fährt man deshalb am Ende nicht nur mit schönen Fotos nach Hause, sondern auch mit Hoffnung. Nantesbuch bietet Natur, die Mut macht, weil sie zeigt, dass wir Landschaften wieder lebendig machen können.

Lust bekommen? Weitere Infos zu Terminen, Tickets und dem Gelände findest du unter nantesbuch.de oder auf dem Instagram-Kanal der Stiftung.

Titelfoto: Matthias Hopf

alle anderen Fotos: Manfred Jarisch