Aktuell, Kunst

Inklusionspunkt-partizipative Kunst am Viktualienmarkt

Kunst und Inklusion- für Susanne Wagner gehören diese beiden Aspekte zusammen. Seit Mai 2016 befindet sich ihr temporäres Kunstprojekt Inklusionspunkt an der Ziegelbrandwand des Hotel Louis und generiert damit am Viktualienmarkt, einer der prominentesten Stellen im Herzen von München, Aufmerksamkeit für ein soziales Thema. In einem Interview mit MUCBOOK berichtet die Künstlerin von der Idee hinter dem Kunstwerk.

Was wollen Sie mit dem Kunstwerk erreichen?

Ein Kunstwerk zu entwickeln zu einem so gesellschaftlich relevanten und wichtigen Thema wie Inklusion ist eine schwierige Aufgabe, da der Inhalt die künstlerische Form nicht erdrücken sollte. Damit meine ich, dass man sich an dem Bild und dem Anblick erfreuen können sollte. Ich will durch die ästhetische Anziehungskraft des bunten Punktekreises und seiner räumlichen Wirkung das Interesse der Betrachter wecken, damit sie sich mit dem Thema Inklusion beschäftigen.

Was ist die Idee hinter dem Projekt Inklusionspunkt?

Der Inklusionspunkt ist als zweistufiges, partizipatives Kunstprojekt angelegt. Die temporäre Fassadenarbeit besteht aus 79 verschiedenfarbig glasierten Keramikscheiben. Nach der Demontage von der Fassade wirkt das Projekt  in die Gesellschaft ein, da die einzelnen Inklusionspunkte verkauft und an ihre Besitzer übergeben werden. Der Inklusionspunkt als Fassadenarbeit an einem so zentralen Ort wie dem Münchner Viktualienmarkt soll als öffentliches Statement zur Inklusion wirken. Der einzelne Inklusionspunkt, ob privat oder öffentlich präsentiert, dringt subtil in die Gesellschaft ein. Die Prägung „Inklusion.Punkt“ auf der Vorderseite der Keramikscheiben ist gewissermaßen als Aufforderung zu lesen, sich mit Inklusion auseinanderzusetzen.

Weshalb wurde die Form des Kreises für die Umsetzung des Themas Inklusion gewählt?

Der Kreis an sich ist eine demokratische Form, ohne Anfang und Ende, ohne Ecken und Kanten, er kann alles umschließen und vereinen. Der Inklusionspunkt ist in seiner Größe flexibel und kann letztlich aus mehr oder weniger Einzelpunkten bestehen. Mir war wichtig, dass er innerhalb der Fassade wie eine Brosche sitzt, ähnlich einem Logo für die Inklusion im Stadtzentrum Münchens.

Inklusionspunkt3

 

Warum bieten Sie die einzelnen Punkte auch zum Verkauf an?

Ich wollte die Punkte nicht als Auszeichnung für inklusives Denken an Institutionen oder Unternehmen vergeben, sondern die Leute dazu bewegen, selbst aktiv zu werden. Ein Inklusionspunkt kostet 290 € und man unterstützt damit ein inklusives Wohnprojekt in München. Das Geld geht an die neu gegründete Inklusive WG am Kegelhof in München. Sechs jungen Menschen mit und ohne Behinderungen wird ein Wohnprojekt ermöglicht, in dem die Bewohner/Bewohnerinnen eigenen Interessen und Bedürfnissen entsprechend leben können. Junge Leute mit Behinderungen, die teilweise Unterstützung im Alltag brauchen, wohnen mit jungen Leuten ohne Handicap, denen soziales und freundschaftliches Miteinander ein Anliegen ist. Ich finde das ein tolles Projekt und möchte die WG mit meiner Arbeit unterstützen.

An wen richtet sich dieser partizipative Gedanke?

An alle Menschen. Ob privat oder öffentlich. Der Inklusionspunkt kann als Schmuckstück im heimischen Wohnzimmer oder zur Repräsentation von Inklusion öffentlich genutzt werden. Privatleute, Institutionen und Unternehmen haben bereits Inklusionspunkte gekauft.

Gibt es noch Inklusionspunkte zu kaufen?

Die Hälfte der Punkte ist bereits verkauft. Es gibt also noch 39 Stück und alle der zehn verschiedenen Farben sind noch vorhanden. Jeder Inklusionspunkt ist handgefertigt und rückseitig nummeriert. Somit ist jeder Punkt ein Original. Die Auflage der Inklusionspunkte ist unlimitiert, sodass sie nachproduziert werden können, wenn die 79 an der Fassade montierten Punkte ausverkauft sind.

Ist der Inklusionspunkt ein Einzelstück oder wird er im Rahmen eines größeren Projektes ausgestellt?

Momentan ist es eine Arbeit, die ich auf die Initiative von Kunst im öffentlichen Raum der Landeshauptstadt München entwickelt habe. Wir wollten durch die prominente Präsentation in der Stadtmitte den Inklusionspunkt bekannt machen, so dass er sich irgendwann über die Grenzen Münchens hinausbewegen und durchsetzen kann.

Wie viel Zeit haben Sie in das Projekt investiert?

Gut, dass man als Künstler keine Stunden schreibt. Das Projekt war zeitaufwändig, da viele verschiedene Leute eingebunden werden mussten. Da sind dann die Entwicklung der Form und Materialität, also die künstlerischen Entscheidungen, das Wenigste. Die Verantwortlichen von Kunst im öffentlichen Raum des Kulturreferats haben mir sehr unter die Arme gegriffen. Begonnen habe ich die Planung des Projekts gemeinsam mit Herrn Hartel vom Kulturreferat vor eineinhalb Jahren.

Inwieweit kann Kunst allgemein als Mittel zur Inklusion dienen?

Die Kunst kann durch die Kraft des Bildes auf das Thema Inklusion aufmerksam machen und dadurch Leute erreichen, die sich ohne einen bildlichen Einstieg nicht mit Inklusion auseinandergesetzt hätten.

Inklusionspunkt1

 

Wenn Ihr Projekt eine Person wäre, wie wäre diese Person?

Flexibel und offen.

Welche anderen Projekte haben Sie derzeit noch?

Ich arbeite derzeit an Ausstellungen und Kunst am Bau Projekten und natürlich zeitgleich an der Verbreitung des Inklusionspunktes.

Ihre Infos im Netz?

www.inklusionspunkt.comwww.susannewagner.comwww.galerie-jovandeloo.com

Der Inklusionspunkt ist noch bis Ende November an der Brandwand des Hotel Louis, Viktualienmarkt 6 zu sehen. Am Viktualienmarkt neben der Kulturlitfasssäule befindet sich zudem eine gelbe Zeitungsbox von Kunst im öffentlichen Raum. Dort befinden sich aktuelle Flyer und Infos zum Kunstprojekt und Bestellscheine für die Inklusionspunkte.

Fotocredit: Michael Heinrich

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