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Sicherheit auf der Wiesn – eine Halbzeitbilanz

Seit elf Tagen herrscht in München wieder Ausnahmezustand: Die 5. Jahreszeit ist eingeläutet. Wenn auf dem größten Volksfest der Welt wieder Riesenrad, Lebkuchenherzerl und natürlich die obligatorische Mass Bier rufen, treffen die unterschiedlichsten Menschen aufeinander: Touristen aus aller Welt auf Urbayern, betrunkene Wiesngänger auf Familien mit Kindern. Je ausgelassener allerdings gefeiert wird, desto häufiger werden Grenzen überschritten. Sexualdelikte, Diebstähle oder Körperverletzungen sind keine Seltenheit auf dem Oktoberfest; die Geschädigten sind oft Frauen. MUCBOOK hat für euch einen ersten Zwischenbericht zur Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“ erstellt.

Obwohl Schausteller und Wirte vor allem am ersten Wiesnwochenende über mangelnde Besucherzahlen klagten, wurde bei „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“ gegensätzlich dazu ein erhöhter Sicherheitsbedarf festgestellt. Die 2003 gegründete Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht das Sicherheitsgefühl junger Mädchen und Frauen auf dem Oktoberfest zu erhöhen und bietet eine Anlauf- und Beratungsstelle auf dem Festgelände an. Vom leeren Handyakku oder einer verlorenen Freundesgruppe bis hin zu schwerwiegenden Delikten, wie sexueller Übergriffe, stehen den Betroffenen in einem ruhigen Raum Fachkräfte mit Rat und Tat zur Seite.

Trotz mehr Kontrollen – Doppelt so viele Sexualstraftaten wie im Vorjahr

Nach einer ersten Bilanz der Aktion lässt sich ein deutliches Fazit ziehen: Der Unterstützungsbedarf ist trotz ruhigem Wiesnauftakt groß. Im Vergleich zum letzten Wiesnjahr stieg die Zahl der Betroffnen noch weiter an. Bei insgesamt 116 Frauen, suchten täglich durchschnittlich 14 Klientinnen die Anlaufstelle auf. Allein am vergangenem Samstag wurden 31 Frauen beraten. Zu den Betroffenen zählten vor allem Touristinnen (etwas über die Hälfte) und Frauen unter 30 Jahren.

In den meisten Fällen (ca. 60 Prozent) handelte es sich um den Verlust von Freunden, Angehörigen, dem Partner oder der Reisegruppe. Allerdings kam es auch zehn Mal zu Fällen körperlicher und sexueller Gewalt. Besonders erschreckend sind die aktuellen Zahlen der Polizei zu den Sexualstraftaten auf dem Oktoberfest: Bisher gab es 16 Fälle – doppelt so viele wie im Vorjahr. Allerdings werden derartige Übergriffen selten zur Anzeige gebracht, sodass die tatsächliche Anzahl der Sexualstraftaten wahrscheinlich höher ist.

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Lageplan Security Point

 


Für eine sichere Wiesn für Besucherinnen, gibt die Organisation vor allem diese Tipps:

  • die Adresse der Unterkunft notieren
  • den Handyakku vor dem Wiesnbesuch vollständig laden oder ein mobiles Ladegerät mitnehmen
  • Nein heißt nein – auch auf dem Oktoberfest, bei sexueller Gewalt findet man Hilfe, Unterstützung und Beratung am Security Point

 

Beitragsbild: via flickr/amsterdamized

Fotos:  Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen

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