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„ANONYM“ – Performance auf dem Odeonsplatz

Ein fast schon nebelartiger Nieselregen liegt über der Stadt und da dieser schon seit drei Tagen anhält, sind die Mienen der meisten Menschen, die einem im Hofgarten oder in der Theatinerstraße entgegenkommen bedrückt und miesepetrig. Alle hetzen von Geschäft zu Geschäft und keiner möchte eigentlich aufgehalten werden. Am Odeonsplatz allerdings bleiben viele stehen, denn es gibt etwas zu sehen.

Foto: Christoph Kürbel

Foto: Christoph Kürbel

Kurzzeitig könnte man meinen, ein neues Denkmal würde unseren schönen Odeonsplatz schmücken, aber es handelt sich um die Kunstperformance von Susanne Wagner. Das Projekt nennt sich „Anonym“ und ist dem Gedenken an die Opfer sexueller Gewalt in Kriegen gewidmet. Auf den ersten Blick starre, leblose Statuen sind um eine Gedenktafel gruppiert. Es handelt sich aber um lebendige Darsteller, die in leidenden Posen die Opfer sexueller Gewalt in bewaffneten Konflikten repräsentieren.

Foto: Christoph Kürbel

Foto: Christoph Kürbel

Ein älterer Herr, der gerade erst angekommen ist und erstaunt auf das Kunstwerk blickt, zuckt zusammen, als eine der Figuren sich ungelenk bewegt und in einer neuen Pose still verharrt. Er ist nun umso beeindruckter von der Szenerie, denn die Posen der Darsteller sind alles andere als bequem. Die Bewegungen der Figuren scheinen willkürlich, doch sind sie vermutlich von der Künstlerin beabsichtigt.

Der feine Regen und das matte Licht geben dem Werk von Susanne Wagner eine noch bedrohlichere Stimmung. Vor allem ist es die verblüffende Farbtreue, die eine Verbindung zu den alten Statuen der Feldherrnhalle herstellt. Es scheint als klagten die Figuren des Kunstprojekts die Statuen von Graf Tilly und Fürst Wrede an, Kriegstreiber zu sein. Und sie sind die Opfer.

Es ist erstaunlich, wie viele Menschen sich trotz des Regens um „ANONYM“ versammeln und staunen. Alle verharren in erwürdiger Stille, viele machen aber auch Fotos, denn der Aufbau ist schon beeindruckend groß.

Foto: Christoph Kürbel

Foto: Christoph Kürbel

Wer es an diesem Donnerstag nicht geschafft hat, den Odeonsplatz zu besuchen, der hat am Freitag, den 25. Juli noch einmal die Gelegenheit. Hoffentlich ist das Wetter dann wieder so stimmungsvoll düster und damit gut für die Aussagekraft dieser gelungenen Performance.

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