Gute Sache, Leben

Paten, Vormünder und Pflegefamilien für Flüchtlinge

Der Politikwissenschaftsstudent Felix Korts über den von ihm mitgegründeten Verein München Mentoren e.V.. Der Verein vermittelt und coached Paten, Vormünder und Pflegefamilien für minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern nach Deutschland gekommen sind. 

Foto: Facebook

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Seit wann gibt es die Münchner Mentoren und wie bist du persönlich dazu gekommen an der Gründung teilzuhaben?

Ende letzten Jahres habe ich versucht mich mit den Protestmärschen um den Rindermarkt zu solidarisieren und war auch oft in dem besetzten DGB-Haus, um mit den Flüchtlingen dort zu sprechen. Dann hab ich schnell gemerkt, dass hier einige Menschen am Werk sind, die unter Anderem versuchten, die Flüchtlinge für ihre radikalen Zwecke zu instrumentalisieren, womit ich meine Probleme habe. Denn ich denke, die Menschen haben eine traumatisierende Reise hinter sich. Man sollte sie nicht dazu bringen zu hungern und zu dursten. Vielmehr sollte man ihnen ein Gefühl der Willkommenheit und Sicherheit vermitteln. So habe ich mich beim Münchner Flüchtlingsrat gemeldet und gefragt, wie ich mich persönlich um einen jungen Flüchtling kümmern kann. Nach ein paar Wochen habe ich Abdirahman aus Somalia und Hamud aus Syrien kennengelernt. Gleichzeitig wurde ich gefragt, ob ich mit ein paar anderen Interesse hätte, eine Vermittlungsinitiative zu gründen. Aus der Idee einer Initiative wurde schnell die konkrete Vorstellung eines Vereins zur Vermittlung von Patenschaften, Vormundschaften und Pflegefamilien an junge Flüchtlinge. Es ist unglaublich wertvoll, wenn sich Menschen ein wenig engagieren und die Leute kennenlernen und willkommen heißen.

 

Habt Ihr München Mentoren e.V. komplett eigenständig gegründet?

Ja wir waren ein wenig mehr als sieben Gründungsmitglieder. Also der Verein ist komplett eigenständig. Wir sind gerade vier Vorstände, zwei Juristen, ein Kinder- und Jugendpsychologe und ich.

 

Und welche Aufgaben stellt Ihr Euch?

Die zum Teil minderjährigen Flüchtlinge, die ohne Begleitung der Eltern nach Deutschland gekommen sind, können hier zur Schule gehen, haben diverse Behördengänge zu erledigen und müssen oft zum Arzt. Bei all diesen Aufgaben werden sie von Betreuern in den Jugendeinrichtungen unterstützt. Da nehmen Sozialarbeiter die pädagogischen Aufgaben wahr und ein Pate kann den Integrationsprozess auf freundschaftlicher Basis unterstützen. Als Pate hat man auch keine rechtliche Verantwortung. Da ein Amtsvormund derzeit aber ca. 50 Mündel zu betreuen hat, können wir die Stadt auch hier entlasten, indem wir ehrenamtliche Vormünder vermitteln. Das Beste wäre dabei, soviele Pflegefamilien und Vormünder wie möglich zu vermitteln. Denn natürlich ist eine Patenschaft schon super für die Jugendlichen, aber eine individuelle Vormundschaft kann auf mehreren Ebenen helfen. Sei es bei Arztbesuchen, bei der Wahl der Schule und schließlich beim Asylverfahren.

 

Und wie stellt Ihr sicher, dass es den Kindern mit den Paten und Vormündern auch gut geht?

Nach einem persönlichen Gespräch mit jedem Bewerber, begleiten wir grundsätzlich das erste Treffen. In der Patenschaft lernen sich Pate und Jugendlicher kennen und können dann entscheiden, ob sie jeweils auch einer Vormundschaft zustimmen würden. Außerdem bieten wir regelmäßige Supervisionen an, das heißt Treffen aller Paten und Vormünder zum professionell betreuten gemeinsamen Erfahrungsaustausch. Es gibt auch Schulungen im Umgang mit pisttraumatischen Belastungsstörungen, zu rechlichen Belangen, wie dem Asylverfahren und so weiter. Bei der Schulung über Asylrecht hat zum Beispiel Frau Rieger vom UNHCR (Flüchtlingshilfswerk der Vereintein Nation) einen Vortrag gehalten.

 

Bildet Ihr sozusagen Sozialarbeiter aus?

Nein, das natürlich nicht, aber wir wollen natürlich auch zur Qualitätssicherung unserer Vermittlungen die Paten und Vormünder im Umgang mit meist traumatisierten Jugendlichen sensibilisieren. Wissen ab wann man einen Profi konsultieren muss, gehört genauso dazu.

 

Wie viele Patenschaften habt Ihr bisher vermittelt?

Ungefähr dreißig. Das ist schon sehr gut und ich hoffe, daraus entwickeln sich auch noch einige Vormundschaften. Den Jugendlichen hilft das auf jeden Fall. Auch für den Paten ist es eine erfüllende und spannende Aufgabe. Jeder kann davon lernen und wird oft ins Staunen darüber kommen, wie unterschiedlich Menschen aufwachsen können und wieviele Dinge einem dann auch wieder bekannt vorkommen. Also Win-Win-Situation.

 

Lieber Felix, wir danken Dir für dieses Gespräch.

1Comment
  • dr zwehl
    Posted at 16:15h, 31 Oktober

    klingt sehr gut
    bin arzt, hätte interesse know how einzubringen
    können gerne sprechen
    Gruß
    w zwehl

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