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Auf einen Tee mit dem muslimischen Nikolaus der Hofstatt

Mayleen Hähnel

The answer may not lie at the bottom of a bottle of wine. But you should at least check
Mayleen Hähnel

Der Nikolaus hat seinen Ursprung in der heutigen Türkei . Da ist es doch gar nicht so abwegig, dass Muslim Raeid Meri, gebürtiger Bonner mit palästinensischen Wurzeln, der Nikolaus der Hofstatt ist, oder?! Nunja, immerhin verkörpert er damit eine Schlüssel-Figur aus dem Christentum (Nikolaus von Myra war dort im 4. Jahrhundert Bischof). Warum also macht der ausgebildete Kaufmann und Informatiker das?

Wir haben mit Raeid über sein Projekt, Nächstenliebe und München gesprochen:

Was steckt hinter deinem Nikolaus-Projekt in der Hofstatt?

Vergangenes Jahr habe ich das Ganze als interkulturelles Projekt aufgezogen, bei dem ich wechselseitig für mehr Toleranz werben wollte. Man sieht ja, dass ich dunkler bin, habe braune Augen, einen dunklen Bart, der immer wieder herausguckt und dadurch kommt natürlich das ein oder andere Gespräch zustande, das in der Regel positiv endet. Dieses Jahr wollte ich den Fokus dann zusätzlich noch auf die Freundlichkeit und die Herzlichkeit legen. Es ist natürlich ermüdend, wenn man von morgens bis abends dieses Projekt durchzieht. Es ist ja auch eine intensive Arbeit, bei so vielen Menschen, wie sie in der Hofstatt vorkommen. Aber in der Hofstatt bin ich genau deswegen. Zum einen, weil sie total offen sind für solche Themen, außerdem hat man durch die Generationen hinweg einen bunten Mix an Leuten: Junge und Alte, Muslime und Christen, Reiche und Arme. Somit hat man ja auch wirklich ein Potenzial für interkulturelle Entwicklung. Man gibt sehr viel nach außen, aber man bekommt auch ganz viel Energie zurück, wenn man realisiert, was für eine Freude man den Menschen mit diesem Projekt machen kann.

Wie kommt das Projekt an?

Durchweg positiv. Während im vergangenen Jahr noch ein gewisser Vorbehalt spürbar war, muss ich sagen, sind die Reaktionen dieses Jahr überraschend gut. Ganz selten kommen mal Leute der älteren Generation und grummeln ein bisschen über das Projekt, aber das ist auch schon alles.

Gibt es für dich „die schlimmste“ oder „die schönste“ Situation?

Die schönste Situation: Es gibt Menschen, die bereits letztes Jahr da waren und sich dann auch wirklich freuen, wenn man diese Begegnung auffrischen kann. Tatsächlich kommen einige Leute gezielt vorbei – das macht einen schon glücklich.
Die unangenehmste Situation: Ich persönlich finde es total schade, wenn Menschen herkommen und nur Schokolade abgreifen wollen und sich nicht die Zeit nehmen, den Mehrwert dieses Projekts zu hinterfragen.

Unterscheiden sich die Reaktionen zwischen Christen und Muslimen?

Ja, definitiv! Moslems sind eher noch vorsichtig. In dem Moment, in dem ich diese Leute dann aber auf Arabisch mit Salam u Aleikum (Frieden sei mit dir) begrüße, stutzen sie in der Regel erst mal, aber bleiben dann auch stehen und möchten wissen, was und wer hinter dem Mann mit dem weißen Bart steckt. Ein muslimischer Weihnachtsmann ist ja nun wirklich nicht sehr üblich. Aber so kann ich sensibilisieren und meine Beweggründe sind für sie dann auch nachvollziehbar.

Was machst du, wenn du nicht in der Hofstatt als Nikolaus unterwegs bist?

Diesen Oktober war ich in einem syrischen Grenzgebiet und habe dort mit traumatisierten Flüchtlingen aus dem Irak, Palästina und Syrien gearbeitet. Ich wollte ihnen Zukunftsperspektiven aufweisen. Ich habe den klassischen Werdegang durchlebt, war unter anderem Führungskraft bei der Deutschen Telekom und habe dort verschiedene Projekte verantwortet. Ich habe dann aber für mich entschieden, dass ich raus muss aus Struktur und der klassischen Berufstätigkeit. Ich war dann zunächst vier Jahre auf Weltreise und habe im Anschluss eine Ausbildung zum Erlebnis-Pädagogen, sowie zum interkulturellen Trainer und Coach gemacht. Seitdem bin ich auch in der Integrationsförderung tätig, allerdings gebe ich auch klassische Management-Seminare. Ich arbeite viel mit dem Bundesfreiwilligendienst zusammen. Mittlerweile habe ich mich ganz gut eingependelt, der Mix macht es für mich. Ich will eben nicht nur mit der Wirtschaft arbeiten, wobei dies lukrativer für mich wäre, klar. Aber ich denke mir auch, man sollte bei dem, was man tut glücklich sein und dahinterstehen können.

Was steht als nächstes auf deiner To-do-Liste?

Da ich selber kein Weihnachten feiere, werde ich am 24. im Waisenhaus, hier in München, das Weihnachtsmann-Dasein zu einem guten Abschluss bringen. Ab dem 25. werde ich die Feiertage dann mit meiner Familie in Bonn verbringen. Danach werde ich dann aber tatsächlich für zwei Wochen in die Sonne fliegen, um mich zu erholen.

Danke für das Interview, lieber Raeid! 

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