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Bässe sind günstiger als ein Physiotherapeut – Schlachthofbronx in der Muffathalle

Katerina den Toom

Ich bin ein Münchner Madl mit holländischen und ukrainischen Wurzeln, Modejournalismus-Absolventin und leidenschaftliche Leute-Beobachterin. Status: unterwegs in München und überall dort, wo es gerade spannend ist.
Katerina den Toom

Unterwegs zur Muffathalle beruhigt mich ein guter Freund: „Mit Ohropax hält man das gut aus“. Ich habe viel über Schlachthofbronx und ihr neues Projekt „Blurred Vision“ gelesen. Bässe, so krass, dass die Sicht verschwimmt, man spüre angeblich jedes einzelne Härchen auf der Haut. Mein Unglaube war mindestens genauso groß, wie die Sorge um meine Ohren, als wir das Muffatwerk am Freitagabend betreten.

Vor der Tür tummeln sich die treuen Super-Fans und witzeln über die Bass-Wucht, die uns erwartet: „Ich freue mich auf eine Bass-Massage, hatte die letzten Tage ein paar Verspannungen“ – „Ein Ticket für Schlachthofbronx ist auf jeden Fall günstiger als ein Besuch beim Physiotherapeuten!“ Die Sorge um meine Ohren wird nicht kleiner.

Schlachthofbronx, das sind zwei Münchner Jungs, die mit ihrem Sound System ihre Musik nicht nur hörbar, sondern spürbar machen wollten.

Als wir Getränke bestellen, ist es schwer zu sagen, ob die kleinen Leuchttafeln der Getränkekarte vibrieren oder, ob es tatsächlich die eigene Sicht ist, die verschwimmt. Die DJs der Vorband geben alles, es scheint jedoch so als würden die Bässe des legendären Sound Systems nur so durch die Halle springen. Sie dröhnen etwas unangenehm und verursachen kein Glücksgefühl à la „Glück ist wenn der Bass einsetzt“.

50.000 Watt Sounds und Bässe

Um kurz vor 2 Uhr übernehmen Jakob und Bene die Plattenteller. Die zehn Meter lange Bass- und Woofer-Wand brummt am Ende der Halle, das DJ-Pult steht in der Mitte, außen rum die tobende Masse. Sobald der erste Bass „dropt“ versteht man, warum Tracks eigens für diese Anlage angefertigt wurden. 50.000 Watt Sounds und Bässe durchdringen die Körper und mit geschlossenen Augen lässt das Publikum Blurred Vision einfach passieren. Nichts dröhnt mehr, alles vibriert, ein unbeschreiblich gutes Gefühl. Meine Ohren mögen es.

Die Inspiration, so ein monumentales Sound System zu bauen, erzählt Bene, kommt von Street Partys in Jamaica, Mexico und Brasilien. „Dort ist das an der Tagesordnung, dass Partys genau so aussehen. Es gibt eine Boxenwand, etwas zu trinken und alle – yeah.“ An diesem Abend feiert das Elektro-Duo neben seinem Bass-Wahnsinn, außerdem den Release ihrer neuen EP „Haul & Pull Up“.

Zwei Stunden lang tanzt die Menge zu Klängen von Dub über Reggae bis Hip Hop. Sie selbst bringen ihr Genre ohne viel Schnickschnack so auf den Punkt: Munich Bass.

Schlachthofbronx kommt mit „Blurred Vision“ demnächst nach Nürnberg und Berlin.

Beitragsfoto: Kevin Riedl

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