Kultur, Nach(t)kritik

Buch auf dem Schoß, Nadel in der Hand

Josephine Musil-Gutsch
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Rausfrauenbuch

Sie treiben schon eine ganze Weile ihr Un- und Strickwesen in München. Nun haben sie es endlich geschafft, ihre Ideen in ein Buch zu packen. Die Rausfrauen, Lieblings-Guerilla-Strickerinnen unserer Stadt, geben einen Crashkurs im Häkeln, Stricken, Nähen, Backen und anders denken.

Schlägt man das handliche Format des Buches auf, merkt man an den etwas dickeren Seiten: Dieses Buch ist zum anfassen und anfangen. Es ist eine Inspiration, selber einmal Hand anzulegen und die Welt ein bisschen bunter zu machen. Und doch endlich mal wieder mit dem Häkeln anzufangen. Der Handarbeit- und Werkunterricht ist dann doch etwas zu lange her um Luftmasche, Abheben und Rundstrick noch zu beherrschen.

Die Protagonistinnen des Buches sind die Autorinnen Ina Hermina und Sissi Schmitz, die mal in lasziver Pose eine selbstgemachte Schlachterschürze, mal burschikos in Schießer-Feinripp-Unterhemd einen selbstgehäkelten Schnurrbart präsentieren.
Das Buch ist außerdem so erfrischend, da es Gendergrenzen nicht anstrengend universitär, sondern entspannt und fröhlich in Frage stellt.
Mit kleinen Essays fragen sie: Warum dürfen Männer nicht auch mal einen Rock tragen? Du hättest gern einen Penis? No problem, strick dir einen! Und warum spricht niemand aus, was die Wiesn wirklich ist? Ein einziger Rummel- und Rammelplatz! Passend dazu backen sie Lebkuchenherzen mit der Aufschrift „Ficken?“ Oder aber, ganz traditionell, Brownie und Sahnetorte.

Wie schön, wenn die Stadt nicht nur plattenbaubraun und asphaltgrau daherkommt, sondern wenn ab und zu ein kleines, weiches Etwas vom Laternenmast leuchtet. Den Rausfrauen geht es auch darum, traditionelles und zeitgenössisches zu verknüpfen: Beige trifft auf Neon, sozusagen.

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