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Corona-Virus: Gastronomie – eine Momentaufnahme in München

Hannah Langnau

guter Wein, gutes Essen, gute Freunde, ein bisschen was zum philosophieren - mehr brauch ich nicht
Hannah Langnau

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Ein trauriges Bild: Das sonst so muntere Gastroleben hier in München verstummt mehr und mehr und die Auswirkungen machen sich vor allem für die Betriebe bemerkbar. Reservierungen werden storniert oder gar nicht erst gemacht. Restaurants sind teilweise gähnend leer. Mitarbeiter*innen stehen sich die Füße in den Bauch. Lebensmittel werden weggeschmissen, weil niemand da ist, um sie zu essen. Doch nicht nur Restaurants und Hotels sind betroffen sondern auch deren Zulieferer und Dienstleister: eine Kettenreaktion mit erheblichen Auswirkungen.

Bereits 76 % weniger Umsatz

Die DEHOGA startete vergangene Woche eine bundesweite Umfrage – das Ergebnis ist gravierender als erwartet: mehr als drei Viertel der teilnehmenden 10.000 Hotels, Restaurants und Caterer verzeichnen Umsatzeinbußen. Im Durchschnitt vermerken die Betriebe Einbußen von rund 76 %. Weshalb die Lage von Experten als existenzbedrohend eingestuft wird. 

Bei Kürzungen der Arbeitszeiten, bedingt durch den Corona-Virus können Betriebe auf Kurzarbeit umstellen und Kurzarbeitsgeld beantragen. Über die Genehmigung bestimmt die Bundesagentur für Arbeit

Wir haben nachgefragt:

Wir haben in unserer Nachbarschaft mal nachgefragt, wie gravierend die Lage für die einzelnen Betriebe wirklich ist. Das Wirtshaus Zur Schwalbe berichtet wie sie die Lage einschätzen:

Tiziana betreibt das Restaurant gemeinsam mit ihrem Mann. Tagsüber machen sich die Auswirkungen des Corona-Viruses langsam bemerkbar. Es sind immer weniger Leute die Mittags zum Essen vorbei kommen. Tiziana vermutet, dass viele im Home Office arbeiten und deshalb in der Mittagspause kein Restaurant ansteuern. Abends, sagt sie sind die Auswirkungen noch nicht so groß. Die Gäste reservieren zwar weniger doch die Laufkundschaftsgäste werden mehr. Tiziana glaubt, dass viele nach neuen Aktivitäten suchen, nachdem so viele Veranstaltungen abgesagt werden. Größere Reservierungen, wie zum Beispiel Firmenveranstaltungen werden häufiger storniert. Auch ältere Menschen treffe man in ihrem Restaurant zurzeit weniger an.

An der oben zitierten Umfrage der DEHOGA haben die beiden auch teilgenommen. Sie sind froh, dass sie so gut über die aktuelle Lage informiert werden. Mit ihren fünf festangestellten Mitarbeitern haben sie sich auch schon beraten. Sollte sich die Lage verschlimmern müssen auch sie auf Kurzarbeit zurückstufen. Auch über neue, kürzere Öffnungszeiten soll dann nachgedacht werden. Für eine Eindämmung der Verluste wäre neben der Kurzarbeit-Regelung noch mehr nötig: eine Umsatzsteuer von 7% auf Speisen wäre eine große Hilfe um die Krise durchzustehen.

Eine zwangsläufige Schließung des Restaurants wäre für das Ehepaar enorm riskant. Man hofft, dass es dazu nicht kommen muss und sich die Lage schnellstmöglich wieder beruhigt. Doch der Tenor lautet eher anders: man hat das Gefühl, dass das erst der Beginn einer schwierigen Zeit ist; nicht nur für die Gastronomie.

Tiziana selbst ist Italienerin und hat die Entwicklungen in Italien durch ihre Familie hautnah miterlebt. Wenn nicht sofort gehandelt wir, so glaubt sie steht uns hier in Deutschland der selbe Ausnahmezustand wie in Italien bevor. Das Verursachen von Panik hält sie für den falschen Weg, doch nötige Vorsichtsmaßnahmen sollten definitiv getroffen werden um eine Katastrophe zu vermeiden.


Beitragsbild: © Zur Schwalbe

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