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Münchner Gesichter #drinnenbleiben Edition: Zarah Bruhn von Bring&Ring

Hannah Langnau

Vor allem für Menschen, die der Risikogruppe für Corona-Infektionen angehören, ist der Einkauf momentan eine große Herausforderung. Um diesen Menschen den Alltag um einiges zu erleichtern, hat Zarah Bruhn die Plattform Bring&Ring ins Leben gerufen. Dort können sich Menschen miteinander vernetzen, um sich den Alltag gegenseitig zu erleichtern.

Wir haben ihr ein paar Fragen zu ihrem Alltag zuhause und ihrem neuen Projekt gestellt und und erzählen lassen, welche Serien sie uns ans Herz legen möchte.

Nudeln oder Klopapier?

Nudeln, immer, in allen Varianten und jeden Tag. Mit viel Tomatensauce.

Serien oder Bücher, die du empfiehlst?

GZSZ 😉, die Höhle der Löwen, das ist gut für Gründer zum Üben und um ein Verständnis bekommen, die Bill Gates Serie „Impact“ und „German Dream“ von Düzen Tekkal.

Zu welchem Song wäscht du deine Hände?

Living on my own – Freddie Mercury

Celebration – Kool and the Gang

Was bedeutet #zuhausebleiben für dich?

Arbeiten aus dem Bett, auf engem Raum mit meiner Mitbewohnerin leben, lange Tage und Nächte auf Zoom, eine enorm motivierte Gruppe Freiwilliger, die auch zuhause sind und was gemeinsam bewegen wollen. Das verbindet!

Dein Lieblingsplatz zuhause?

Mein gelber Ohrensessel 😊 mit Kuscheldecke

Beschreibe dein Projekt in ein paar Sätzen:

Bring&Ring bringt Menschen zusammen, die sowieso einkaufen gehen, mit Menschen, die aktuell zu Hause bleiben müssen. Es funktioniert über eine kostenlose App, die einfach, sicher und kontaktlos das Einkaufen füreinander ermöglicht. Wer etwas braucht, stellt eine Einkaufsliste ein, wer einkaufen geht, sieht passende Gesuche aus der Nachbarschaft und kann für ein kleines Trinkgeld was mitbringen. Die Abrechnung funktioniert über PayPal und mit Bargeld, aber wir arbeiten an weiteren Zahlungsanbietern und jetzt mit Hochdruck an der Caretaker-Funktion. 

Damit kann ich beispielsweise für meine Großtante jemanden finden, der ihr was mitbringt. Jeden Einkauf, den wir so zum Zweikauf machen, entlastet die Supermärkte und reduziert das Ansteckungsrisiko in den Geschäften.

Wie sieht dein Arbeitsplatz gerade aus?

Ich brauche hauptsächlich Laptop und Telefon. Damit wechsle ich zwischen Wohnzimmer, Küche und Bett. Und je nachdem, ob ich oder meine Mitbewohnerin gerade einen Videocall haben, tanzen wir umeinander herum und versuchen ein Plätzchen zu finden.

Was hast du aktuell für Möglichkeiten und welche Möglichkeiten hast du aktuell nicht mehr?

Ich habe die Freiheit, selbstbestimmt zu arbeiten – und bald auch von anderen Orten als zuhause. Vielleicht werde ich ja doch noch digitaler Nomade? Das hab ich bisher nie für möglich gehalten, jetzt scheint es aber realistischer zu werden.

Was ich nicht habe: eigentlich alles, was mir Spaß macht… Ausgehen, Reisen, Events, Netzwerken, Treffen mit vielen Freunden gleichzeitig. Ich bin am liebsten immer unter Leuten. Darum habe ich jetzt auch was Zweites gegründet, was soll ich denn sonst machen, wenn der andere Spaß wegfällt?

Was würde es für dich bedeuten, wenn die Lage sich nicht schnell wieder erholt?

Ich würde mich wohl doch irgendwann sehr isoliert fühlen. Außerdem ist die aktuelle Situation für Social-Bee schwierig, wo wir Geflüchtete durch soziale Zeitarbeit langfristig in Arbeit bringen. Aber glücklicherweise können wir langsam wieder mehr neue Einstellungen verzeichnen, was mich sehr freut!

Würden wir jedoch eine zweite Welle erleben, würde das Bring&Ring noch relevanter machen. Dann würde ich alle Energie investieren, um da meinen Beitrag zu leisten.

Wie sollten Betroffene gerade unterstützt werden?

Indem man niemanden ausgrenzt und solidarisch ist. Wenn du darauf angewiesen bist, dass jemand Besorgungen für dich macht, weil deine Familie oder Freunde nicht in der Nähe oder selbst in Quarantäne sind, kannst du dir mit Bring&Ring ganz einfach von jemandem, der eh rausgeht, etwas mitbringen lassen.

Wie unterstützt du dein Umfeld?

Da ich wegen meines Asthmas selbst zur Risikogruppe gehöre, gehe ich so wenig wie möglich raus. Aber ich versuche, für mein Team eine Unterstützung zu sein und Social-Bee gut durch die Krise zu führen. Und natürlich hoffe ich, durch die Gründung von Bring&Ring einen echten und skalierbaren Beitrag leisten zu können 😊

Wo findet man deine Arbeit online?

Auf der Website bringandring.de und natürlich auch auf Instagram, Facebook und LinkedIn.

Wie kann man dich unterstützen?

Wir sind da ganz offen. Alle Freiwilligen, die sich einbringen wollen bei der Produktentwicklung oder im Marketing, sind herzlich willkommen. Wir erhöhen gerade enorm die Reichweite zu verschiedenen Zielgruppen, kontaktieren Krankenkassen, Gesundheitsverbände, Hilfsorganisationen, aber auch lokale Händler, die mit Bring&Ring einen freiwilligen Lieferservice anbieten können. Und wirklich alle können mitmachen bei Bring&Ring und es weitersagen, vor allem an jene, denen man was mitbringen kann. Es gibt enorm viele, die gerne was mitbringen, da muss man keine Scheu haben!

Und wenn uns jemand zur Weiterentwicklung etwas spenden will, sagen wir auch gerne ja.

Welche Wünsche hast du für die Zeit nach Corona?

Ich würde mich freuen, wenn wir einen anderen Blick einnehmen würden. 

Ein echtes Umdenken wagen, wie wir die Arbeit von Menschen bewerten, die jetzt plötzlich als „systemrelevant“ gelobt werden, und, wie wir mit der Natur umgehen. Denn die Anstrengungen mit dem Ziel „flatten the curve“ in der Corona-Krise sind sicher deutlich kleiner als die, die uns bevorstehen, wenn wir auch für das Klima mit “flatten the curve“ Ernst machen.

Siehst du auch eine Möglichkeit, etwas aus der Situation zu lernen?

So tragisch es für uns Menschen ist, so hatte die Natur in vielen Regionen eine Art Ruhepause. Ich hoffe, wir lernen was daraus. Ich werde jedenfalls überdenken, welche Flugreisen künftig wirklich notwendig sind.

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