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D wie Deutsch – im Restaurant Der Dantler

Verena Mayer

Verena entdeckt gern Städte, Menschen und das Ende der Welt. Der perfekte Nachmittag: Im Café sitzen, schreiben und Leute beobachten. Alternativer Berufswunsch, falls es mit dem Reporter-Leben nicht klappt: Food-Truck-Betreiberin.
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Bei D deutsch Essen gehen – wie langweilig! Zu meiner Verteidigung muss ich sagen: es gibt weder ein dänisches, noch ein dominikanisches Restaurant in München. Und auch keines, das dschibutische Küche anbietet. Daher: deutsch. Ich war kurz davor, in den viel gepriesenen Görreshof zu gehen, der gleich bei mir ums Eck ist. Aber dann dachte ich mir – deutsches Essen, in München und dann auch noch in eine bayerische Wirtschaft. Das ist wirklich etwas langweilig. Also habe ich mich mal umgehört, was es so an Restaurants gibt, die kreative deutsche Küche anbieten.

Mitten im schönen Giesing

Eine Freundin hat mir vom Dantler erzählt, mitten im schönen Giesing, unweit der Silberhornstraße. Als Links-der-Isar-Wohnerin kommt mir ein Ausflug in den Osten von München, über die Isar hinweg, manchmal vor wie eine kleine Weltreise. Vor allem, wenn das Rad nur noch im ersten Gang funktioniert und das Ziel hinterm Nockherberg liegt. Aber so viel vorweg: Das Essen im Dantler hat mich für die anstrengende Fahrt definitiv entlohnt.

Für alle Nicht-Bayern: Ein Dantler, das ist ein Verkäufer – Autos, Gemüse Gebrauchtwaren oder irgendein Krimskrams. Jemand, der vielleicht ein wenig schrullig und eigen ist, aber im Grunde nett und sympathisch. 

Bayerischer Deli

Einen bayerischen Deli nennen Inhaber Jochen Kreppel und Maximilian Süber ihren 2017 eröffneten Laden. Ganz im Stil eines New Yorker Delis, einer Mischung aus Feinkostladen und Imbiss, gibt es im Dantler auch Kleinigkeiten zu kaufen: Schokolade, Öle, Kaffee. Feine Kost aus der Region und von weiter weg. Wie in einem echten Deli also. Bei Imbiss denkt man in München sofort an Leberkäs-Semmel oder Butter-Brezn. Damit hat der Dantler aber nichts zu tun.

Koch Jochen Kreppel serviert feine Speisen mit kreativem Twist. Das Essen ist raffiniert und überraschend, auf hohem Niveau. Die Karte liest sich edel („Lachsfilet, Kürbislimonade, Ingwer, Kürbis“), doch das Lokal ist einladend und herrlich unprätentiös. Der Raum ist groß und hell. Sehr schlicht, aber gemütlich. Gleich am Eingang fällt mein Blick auf ein großformatiges Foto von einem alten Herrn in bayerischer Tracht, der sich zwei Fische vor die Augen hält (der Opa von Jochen Kreppel).

Tradition mit Augenzwinkern.

Über unserem Tisch hängen Fotos von München. Nicht die ewig gleichen München-Klischees – Biergarten, Isar, Glockenspiel – sondern elegante Bilder von Münchner Wahrzeichen. Heimatverbundenheit ohne Kitsch. 

Am Tresen vor der Küche kann man Jochen Kreppel dabei zusehen, wie er in aller Seelenruhe Lachsfilets anbrät. Das steht heute als „Catch of the Day“ auf der Tageskarte. Mittags gibt es hier neben einzelnen Gerichten einen Business-Lunch: drei Gänge für 22 (mit Pasta) bzw. 24 Euro (mit Fisch). Für das, was hier aufgetischt wird, ein wirklich fairer Preis.

Es geht los mit einem Salat …

… wobei Salat eigentlich viel zu unspektakulär klingt. Wir bekommen eine Mischung aus knackigem Gemüse – Paprika, Bohnen, Gurke, Sojasprossen – und Streifen von zartem Ribeye Steak. Mango verleiht dem Ganzen eine süße Note, rote Zwiebeln sorgen für eine feine Schärfe. Obendrauf gibt’s Cashews, Sesam und ordentlich Koriander. Klingt jetzt nicht unbedingt nach einem Klassiker der deutschen Küche und ja, das Ganze steht auch als Thai Beef Salat auf der Karte, aber es schmeckt hervorragend.

Hauptspeise: Lachs mit Kürbislimonade

Als Hauptspeise bekomme ich den Lachs mit Kürbislimonade, und auch das ist eine wunderbare Kombination aus verschiedenen Aromen. Ich versuche, extra langsam und bewusst zu essen, um alles rauszuschmecken. Der Lachs ist auf den Punkt gegart, liegt auf noch bissfesten Kürbisstückchen und ist umgeben von einem See aus süßlicher Kürbis-Limonade. Getoppt ist er von einer zarten Kruste aus Panko-Bröseln. Klingt sehr poetisch und schmeckt auch so.

Das Team im Dantler kocht sehr reduziert, es sind kleine Teller mit wenigen, feinen Zutaten. Und bei jedem Gang gibt es viel zu entdecken. Also: schweigen, essen und genießen. Während wir auf unser Dessert warten, fällt uns auf, dass wir fast flüstern. In der lauten, lärmenden Gastro-Welt eine echte Seltenheit. Oft muss man ja fast schreien, wenn man sich hier in München in einem Restaurant unterhalten will. Ich bin mir nicht sicher, ob es am etwas abseits gelegenen Giesing, am entspannten Team oder am leckeren Essen liegt – auf jeden Fall herrscht im Dantler eine angenehme Ruhe, eine entspannte Gelassenheit. 

Zum Abschluss bekommen wir eine Nougat-Mousse

Luftig und cremig, genau richtig. Hier kann man ohne Bedenken auch drei Gänge zu Mittag verputzen. Das Essen ist frisch und leicht, da besteht keine Gefahr, ins nachmittäglichen Food-Koma zu fallen.

Der Heimweg zurück in den Münchner Westen kommt mir dann viel leichter vor. Vielleicht liegt es daran, dass es nun bergab über die Isar geht. Vielleicht liegt es aber auch einfach an der glücksseligen Stimmung, die man nach einem guten Mahl verspürt.


In aller Kürze:

Was? Der Dantler

Wo? Werinherstraße 15, 81541 München

Wann? Dienstag – Donnerstag: 11:30 – 15:00 und 17:30 – 23:00 / Freitags: 11:30 – 15:00 und ab 19:00

Mehr Infos: info@derdantler.de / 089 – 39 29 26 89

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