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Das „Beans and Books“ – ein Büchercafé, das Inklusion lebt

Bücher, Kaffee und spannende Menschen – eine Kombi, die den Geist beflügelt und sich perfekt für einen verregneten Nachmittag eignet. Büchercafés sind einfach ein toller Rückzugsort und gerade für die Herbst- und Wintertage sehr wertvoll. Ein ganz besonderes davon ist das Beans and Books in der Knorrstraße. Das Café ist nämlich nicht nur ein Raum, in dem man lesen und sich von selbstgbackenen Köstlichkeiten verwöhnen lassen kann, sondern auch gleichzeitig ein Ort, der Inklusion lebt.

Speisen, Kaffee und Bücher

Willkommen zu Hause

Von außen zunächst unauffällig, überrascht das Büchercafé Beans and Books beim Eintreten mit einer gemütlichen Wohnzimmerstimmung. Es riecht nach frischgebrautem Kaffee und Franzbrötchen und man fühlt sich wie zu Hause. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre; direkt beim Eintreten blickt man auf eine große Bücherwand und an Tischchen sitzen vereinzelt Menschen und lesen. Überall sieht man selbstgebastelte Kerzen oder handgemachte Taschen und eine an der Wand hängt eine große Gästebuch-Tafel, auf der Besucher*innen nette Botschaften hinterlassen haben. Ein Wohlfühlort also, der aber mehr ist als das.

Die Bücherauswahl

Die Entstehung eines „wunderschönen, inklusiven Projekts“

Die Geschichte des Büchercafés Beans and Books beginnt mit der Gründung der Stiftung Pfennigparade anfang der 50er Jahre aufgrund der Polio-Epidemie. Heute ist die Pfennigparade mit ihren 17 Tochtergesellschaften eines der größten deutschen Rehabilitationszentren für körperbehinderte Menschen und setzt sich für die Inklusion und Teilhabe in den Bereichen Bildung, Arbeit, Wohnen, Freizeit und Gesundheit ein.

Snacks und Kaffee

Vor zweieinhalb Jahren entstand dann die Idee der Pfennigparade, ein Büchercafé zu gründen, in welchem Menschen mit körperlicher Behinderung arbeiten und sie dort ihre Werkstattprodukte verkaufen können. Seitdem hat sich das Beans and Books etabliert und steht für die Werte Frische, Qualität, Nachhaltigkeit, Fairness und Inklusion. Sieben Menschen aus der Behindertenwerkstatt und zwei feste Grupenleiter*innen arbeiten nun heute jeden Werktag von 9 bis 18 Uhr in dem Café und verkaufen leckere Snacks, erlesenen Kaffee und Selbstgemachtes aus der Werkstatt. Dazu bietet das Café eine riesige Auswahl an Büchern an, mit denen du es dir auf dem großen Sofa gemütlich machen kannst. Außerdem gibt es eine Lesebühne, eine Art Poetry-Slam-Veranstaltung, die aber aufgrund von Corona zurzeit nicht angeboten werden kann. Der normale Betrieb des Cafés wird im November auf die Straße verlegt: Snacks und Kaffee gibts also noch auf die Hand.

Ein Ort, an dem auch das Ungewöhnliche normal ist

Barbara Essenger, Gruppenleiterin einer Pfennigparade-Gruppe, hat die Entstehung des Cafés miterlebt und beschreibt es als „wunderschönes, inklusives Projekt, weil hier Menschen von der Straße auch mit Rollifahrern zusammenkommen“. Schön findet sie es zu sehen, wie sich die Leute verhalten, wenn hier etwas Außergewöhnliches passiert. Sie erinnert sich an einen Mann, der gestürzt ist: Alle Menschen sprangen zunächst auf und wollten ihm helfen, haben dann aber direkt zu ihm gesagt „steh auf, ist doch nicht so schlimm“. Das habe die Situation direkt normalisiert und der erste Schreckensmoment war schnell vorüber. Das habe ihr gezeigt, dass das Café ein Raum sei, in dem es normal ist, wie die Menschen sind.

Das Café Beans and Books

Beitragsbild: © BEANS AND BOOKS

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