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Das Mathilde im Westen, das wohl kleinste Theater in München

MUCBOOK Redaktion

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Auch wenn die meisten Touristen in den nächsten zwei Wochen ein anderes Bild von uns haben werden: Die meisten MünchnerInnen sind an sich relativ kultivierte Leute. Überspringen wir also mal die nächsten zwei Wochen internationales Chaos in München und schauen uns im Herbst gediegeneres Programm an, denn die Theater sind aus der Sommerpause zurück!

Die Vorliebe für den Vorreiter des Kinos ist bei unserer Auswahl in München auch kein Wunder: Deutsches Theater, Residenztheater, Volkstheater, die Münchner Kammerspiele… gerade im Herbst und Winter gehören die großen und kleinen Theater dieser Stadt genauso in unseren Aktivitätenplan wie der obligatorische Wiesnbesuch. Neben den großen Theaternamen gehen kleinere Veranstaltungsorte, wie das Blutenburgtheater in Neuhausen, das Metropoltheater in Freimann, oder das theaterunsofort in Schwabing leider schnell unter.

Und wenn diese Orte so klein sind wie das Mathilde im Westend, muss man wirklich ein gutes Programm haben um mitzuhalten. 15 Quadratmeter Bühne inklusive Publikum? Julia Philipp hat sich das Stück „Der Hasls der Giraffe“ nach Judith Schalansky angesehen und war mehr als begeistert.

Der Hals der Giraffe: ein bisschen Klischee ist auch ok

Die Tür  in der Gollierstr. 81 geht auf und Inge Lohmark tritt herein. Das Klischee einer unbeliebten Lehrerin, die im Alleingang durch den Schulalltag geht, so wie eigentlich durch ihr gesamtes Leben. Sie grenzt sich ab, von den Kollegen, den Nachbarn und den Schülern. Sie scheint nur einen Sinn im Leben zu sehen – ihr Wissen in Biologie an ihre Schüler weiterzugeben und sie in sportliche Disziplin zu lehren. Doch der Schein trügt.

Ursula Berlinghof, das Chamäleon unter den Schauspielern

90 Minuten lang, schlüpft Ursula Berlinghof neben der Hauptrolle in immer andere Figuren: Sie ist Direktor,  Kollegin, Nachbarin und ihre Lieblingsschülerin Elena. Einzig  ihr Stimmwechsel und das sich minimalistisch verändernde Bühnenbild deuten auf einen Szenenwechsel hin. In „Der Hals der Giraffe“ wird nicht nur der Lehrerberuf in all seinen Facetten gezeigt. Auch die Gefühle der Schüler und Lehrer im Schulalltag und im Privatleben werden thematisiert.

Und sogar historische Ereignisse wie der Ost-West-Konflikt werden auf der 15 Quadratmeter großen Bühne aufgegriffen. Trotz einer einzigen Schauspielerin, geschieht das Alles mit einer Dramatik, die einem das Blut in den Adern fast gefrieren oder es in anderen Momenten in Wallungen bringen lässt.

Das neue Theaterelebnis für den Herbst

Ein solch dramtisches Stück auf so kleinem Raum so sensationell umzusetzen, ist eine schauspielerische Leistung, wie ich sie schon lange nicht mehr gesehen habe. Allein die Anzahl an verschiedenen Rollen, Szenenbildern und Textpassagen, welche Ursula Berlinghof in 90 Minuten verkörpert, ist absolut unglaublich. Und natürlich ist besonders die Stimmung in diesem kleinen Raum mit keinem anderen Theater in München vergleichbar: So intim und ergreifend, dass man aus dem mitfiebern gar nicht mehr heraukommt.

Noch an fünf Terminen im Oktober wird das Stück aufgeführt. Aber auch für andere Stücke lohnt sich ein Besuch, einfach um diese einzigartige Atmospäre zu spüren. Der Kulturtipp für alle, die eine Achterbahnfahrt der Gefühle durch tiefgründige, zerreisende, wuchtige und herzerwärmende Szenen der wilden Maus auf dem Oktoberfest vorziehen.


In aller Kürze:
Was? Mathilde W E S T E N D – Die wohl kleinste Bühne der Stadt

Wo? Gollierstrasse 81

Wieviel? Karten bei Bestellung unter mathilde.westend@gmx.de für 22 Euro /
ermäßigt für Schüler und Studenten (bis 27 Jahre) 15 Euro

mathilde.westend@gmx.de

Mehr Informationen findest du hier

Text: Julia Philipp und Bianca Busch

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