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Die Performance Schmock II am 20. Oktober: Über Gastronomie und kulturelle Klischees

Janna Lihl

"Denkt glückliche Gedanken!" ... und schreibt darüber ...
Janna Lihl

Am 20. Oktober 2018 findet im Rahmen der Langen Nacht der Münchner Museen, die Performance Schmock II in der Artothek München statt.

In Zusammenarbeit mit der israelischen Künstlerin Reut Shaibe eröffnet die Performancegruppe studio sherut das israelische Restaurant Schmock für 12 Stunden wieder. Dieses war von 1999 bis 2016 für seine gehobene israelische Küche und seinen ironisch-provokanten Umgang mit der jüdisch-deutschen Geschichte bekannt.

Nach andauernden antisemitischen und antijüdischen Anfeindungen beschloss der Inhaber Florian Gleibs, sein Restaurant zu schließen und das gastronomische Konzept zu wechseln. Immer noch und gerade jetzt, im Kontext eines lauter und offensichtlicher werdenden Rassismus und Antisemitismus ein Fall, der zum Nachdenken anregt, über unseren Umgang mit offenen und verdeckten Ressentiments.

Das Modell Restaurant und der Diskurs rassistischer Vorbehalte

Die 12-stündige Performance beleuchtet und hinterfragt das Modell „Restaurant“ als scheinbar harmlosestes Scharnier zwischen Kulturen und als vielleicht alltäglichster und gern gesehendster Botschafter interkultureller Kommunikation.

Für das Reopening vom Schmock kocht Knolle & Kohl. Sie verwenden typisch deutsche Zutaten und verbinden diese mit israelischen Gerichten, um somit über das Essen auf die Möglichkeiten von Gastronomien als Gesellschaftskritik aufmerksam zu machen.

Fragen dabei sind u.a.: Was „darf“ Gastronomie und die Vermarktung „fremder“ Speisen und Kulturen im gesellschaftlichen Konsens und was nicht? „Darf“ ein Restaurant die Grenzen folkloristischer Abbildung gängiger Vorstellungen und Klischees des jeweils dargebotenen Kulturraums überschreiten und sich provokant in den Diskurs rassistischer Vorbehalte in der Gesellschaft einreihen?

Kulturelle Klischees und Essen als Kulturgut

Das Schmock pflegte einen ironisch-provokanten Umgang mit kulturellen Klischees und der jüdisch-deutschen Vergangenheit. Doch nicht jeder verstand das Konzept und den Humor. So warb das Lokal etwa mit Slogans wie „Deutsche esst bei Juden“ oder setzte seine Happy Hour auf 19:45 Uhr an.

Die performative und installative Arbeit Schmock II untersucht die (politische) Bedeutung beziehungsweise Dimension von Essen als Kultur- und Konsumgut im Zusammenhang mit den Mechanismen von Stereotypisierung und Ausgrenzung sowie den Möglichkeiten und Grenzen von Gastronomie.


In Aller Kürze: 

Was? Schmock II – studio sherut

Wann? 20.10.2018 / 15.00 – 03.00 Uhr

Wo? Artothek München (Rosenthal 12)

Wie viel? Performance gratis, Essen à la cart


Beitragsbild: © Studio Sherut

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