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Liebe dich selbst: ein Sexualworkshop

Janna Lihl

Geht es um Sex, sind die Reaktionen breit gestreut; von beschämten Schweigen, über Gekicher (ja auch von definitiv erwachsenen Menschen) bis hin zu ausschweifenden Erzählungen. Auf die Ankündigung meiner Teilnahme an einem Sexualworkshops war die Ressonanz ähnlich.

Anna Mondrys Workshop „Ladies First“ gibt also bereits vor dem Besuch Anlass für Diskussionen. Trotz anfänglicher Bedenken, dass hier weitere Klischees bedient werden und mit viel Gekicher a la Sex and the City ein Dildo aus der Tasche gezogen wird, nehme ich an dem Workshop teil. Denn das Thema Sex ist nicht zum kichern, sondern eben natürlich. Das dabei auch mal gelacht werden darf, ist genau selbstverständlich, wie eine offene Kommunikation sein sollte.

Vor allem Neugierde und Wissbegierigkeit hat die Teilnehmerinnen an dem Abend in den Salon F getrieben. Eines fällt jedoch gleich zu beginn auf: Hier wird Sexualität zwar als Selbstverständlichkeit wahrgenommen, allerdings nur in heteronormativer Form. Anna Mondry schildert an diesem Abend oft aus ihrer Perspektive. Beim „Ladies First“ Workshop liegt der Fokus stark auf dem weiblichen Geschlecht im Hinblick auf Sex mit Männern – alles andere wird hier leider ausgeklammert.

Wer mehr über die weibliche Sexualität, sowie die Vulva an sich erfahren will findet hier im Text nur kurze Einblicke und sollte – Achtung Spoiler – definitiv zunächst einmal das Video unten im Beitrag ansehen, das eigentlich als Grundwissen Vulva gelten sollte. Hier gibt es nämlich noch eine Menge zu lernen.

Bereits im Vorhinein habe ich mich mit Anna Mondry unterhalten. Über Wortwahl, Ablauf und die Motivation für ihre sexuelle Aufklärungsarbeit.

Du beschreibst dich selbst als Coach für Berührung, Sinnlichkeit und Sexualität: Was genau machst du?

Das kommt immer darauf an, wer zu mir kommt und mit welchem anliegen.

Bei Frauen geht es darum herauszufinden,  „Was tut mir gut?“ „Was erregt mich?“ „Wie gut kann ich mich fühlen?“ Ich gebe ihnen dann beim Ladies First Kurs Tools an die Hand, wie sie das herausfinden können.

Was ist die erste Reaktion, wenn Sie erzählen, was ihr Beruf ist?

Es kommt immer darauf an, wem ich das erzähle. Es gibt Menschen die sehr fasziniert sind und mich gleich mit ganz vielen Fragen löchern und dann gibt es die Menschen, für die das Thema Sexualität mit viel Scham oder vielleicht auch Verletzungen verbunden ist, die wenden sich dann ab oder flüchten sogar. Kein Wunder, wir sind geprägt von unseren Eltern und Großeltern und diese Generationen sind da noch ganz anders damit umgegangen. Bei mir selber war das Thema Sexualität mit ganz viel Angst verbunden. Ich kann gar nicht genau sagen wieso, aber ich hatte immer Angst, dass mir weh getan wird.  Ich denke, dass ich deswegen diesen Weg gegangen bin und alles ganz genau wissen wollte. Ich versuche mich allem zu stellen, wovor ich Angst habe.

Wörter sind ja unglaublich wichtig. Wie achtsam sind Sie beim Thema Sex im Bezug auf Formulierungen?

Wörter sind vor allem wichtig, wenn wir uns mal die Begriffe für die weiblichen Geschlechtsorgane anschauen „Schambereich und Schamlippen“. Diese Begriffe kommen aus dem Mittelalter und mir ist besonders wichtig darauf hinzuweisen, dass wir uns für gar nichts schämen brauchen und man auch Venuslippen oder Vulvalippen sagen kann. Ich gehe auf die unterschiedlichen Begrifflichkeit ein und versuche Alternativen zu bieten.

Geht es in den Workshop ebenfalls um Kommunikation, also das Reden über Gefühle, Nähe, Berührung etc.?

Das Thema Kommunikation finde ich sehr wichtig, weil viele im Bett gar nicht reden. Wenn ich nicht sage was sich gut anfühlt, dann kann ich das auch nicht bekommen. Kommunikation kann natürlich auch non-verbal stattfinden, aber ich höre immer wieder „ich merke nicht, ob ihr/ihm das gefällt“. Das ist völlig ok, aber wenn ich es nicht merke und es wissen will, dann kann ich doch einfach fragen. Da es bei mir hauptsächlich um Berührung geht, finde ich es ganz besonders wichtig, dass ich ausdrücken kann, wie ich berührt werden möchte. Aber da fängt das Dilemma häufig schon an, weil dafür muss man erstmal herausfinden, was sich gut anfühlt. Da geht es dann erstmal darum seinen eigenen Körper zu erforschen um herauszufinden was sich für mich gut anfühlt.   

Wie löst sich die Hemmschwelle auf, die viele bei dem Thema haben?

Gerade bei Gruppen löst das Thema oft unterschiedliche Reaktionen aus von Scham bis Belustigung. Belustigung ist immer ein Zeichen von Unsicherheit, die es natürlich viel gibt, weil wir leider nicht lernen, wie Sexualität richtig funktioniert. Geschweige denn wie mein eigener Körper funktioniert. Ich erzähle ganz viel über mich und meine Erfahrungen. Ich glaube, dass das hilft. Abgesehen davon erwarte ich nicht von meinen Kursteilnehmer*innen, dass sie alles von sich preisgeben. Natürlich ist das ein geschützter Raum, wo ich den Teilnehmenden auch die Möglichkeit gebe Fragen zu stellen oder etwas zu erzählen, aber man kann auch einfach zuhören und das für sich mitnehmen, was gerade wichtig ist.

Dient der Workshop auch als Sexual-Aufklärung?

Absolut! Die Kurse sind Aufklärungskurse mit vielen praktischen Tipps. Die Handarbeitskurse gibt es mittlerweile in ganz Deutschland/Österreich und der Schweiz. Der Bedarf ist da und ich freue mich, dass die Menschen immer offener werden.

Wer nun Lust hat, selbst an einem Workshop teilzunehmen, kann diese auf der Seite von Anna Mondry buchen.

Und wer sein Grundwissen aufstocken will sollte sich diese Dokumentation von Arte Viva la Vulva anschauen. Und gerade die (Männer), die eh schon alles wissen, lernen hier vielleicht noch etwas dazu.


Titelbild: Malvestida Magazine on Unsplash

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