Leben

Das Max Pett und der Wohlfühl-Sabber

Sebastian Gierke
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In München gibts ein neues veganes Restaurant. Das Max Pett. Haben wir mal reingeschaut, reingegessen – und leider auch reingehört.

Vor ein paar Wochen war ich mit ein paar Freunden im Kopfeck. Vegan Speisen. Das Essen war wie immer deftig und gut. An der Wand hängen Ruud Gullit und Tony Iommi. Es läuft Metallica. Ziemlich laut, keinen störts.

Vor ein paar Tagen war ich mit ebendiesen Freunden im Max Pett. Das Essen war gut. Es lief loungiges Gedudel. Musik-Tapete, musikalischer Wohlfühl-Sabber. Irgendwas, das nicht stören soll. Wie ein Reißzweck im Arsch, so sehr hat es gestört. An den Wänden hingen Bilder von Topfpflanzen.

Das Max Pett hat erst vor wenigen Wochen eröffnet und ist eingerichtet wie ein moderner Wellnessbereich. Moosgrün. Es wirkt alles irgendwie ausgependelt. Ying&Yang-optimiert. Am Tisch nebenan saß der Yogalehrer einer guten Bekannten.

Schwierig. Für mich. Eine solche Atmosphäre hat in meinem speziellen Fall nicht viel mit Entspannung zu tun. Allein gegen das, was einige wohl tatsächlich als Musik bezeichnen würden, anzureden, war extrem anstrengend. Immer wenn das Gespräch auch nur für Sekunden verebbte, tat sich dieser mörderisch-blutige Schlund aus Langeweile und Aggression auf. Und das in einem veganen Restaurant.

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Doch das ist wahrscheinlich kein Problem des Max Pett. Das war wohl ein Problem unseres Tisches. Denn der Rest der Gäste schien entspannt das Essen und den alkoholfreien Wein zu genießen. Grüner Lifestyle, grüne Bürgerlichkeit. Wellness eben. Selbstoptimierung. Gesundheitsbewusstsein.

Darf das alles sein?

Veganismus und Politik: ein extrem weites Feld. Die Diskussionen werden schnell akademisch, ohne das negativ zu bewerten, aber leider hin und wieder auch dogmatisch. Es geht um den bösen Mensch-Tier-Dualismus, willkürliche Grenzziehungen, viel pseudointellektuelles Geschwafel ist dabei. Es geht darum, ob Hitler Vegetarier war. Es geht um Faschismus, Ideologie und Esoterik. Es geht um süße Tiere mit großen Augen, um Bienen und um Fliegen, Schaben, Mikroben. Es geht um Leidensfähigkeit und den Neokortex. Um Ackerflächen und den Welthunger. Es geht darum, dass der Mensch biologisch gesehen natürlich ein Allesfresser ist, sich aber auch gegen seine Natur entscheiden kann. Zum Beispiel dafür, kein Fleisch zu essen. Und diese Entscheidungsfreiheit sei es, weshalb einige die Menscheit zivilisiert nennt. Das alles genau auseinanderzuklauben würde jedoch an dieser Stelle viel zu weit führen.

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Dennoch: Wenn Politik, Ethik, Gewissen, möglicherweise eine alternative Lebensweise beim Besuch eines veganen Restaurants überhaupt keine Rolle mehr spielen und nur noch das individuelle Wohlbefinden im Vordergrund steht, bleibt bei mir ein zumindest zwiespältiges Gefühl zurück. Auch Bedauern. Die Frage, wer gewinnt: die altruistischen Motive oder die egoistischen, erscheint mir damit falsch beantwortet.

Ich bin übrigens kein Veganer, erst seit kurzem Vegetarier. Und ich sage ganz egoistisch: Das Sellerie-Schnitzel mit Kartoffel-Püree in grüner Kräutersauce im Max Pett war gut, auch was ich sonst probieren konnte war überwiegend sehr lecker, die Preise sind ok, alkoholfreien Wein hab ich nicht getestet und die Mucke, ja die Mucke hat mich fast umgebracht.

Infos zum Restaurant inklusive Speisekarte des Max Pett auf der Homepage.

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