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Der „Blauer Reiter“ – Pfosten im Museum Fünf Kontinente

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Der berühmte Maler Franz Marc (1880–1916) war schwer beeindruckt von einem doppelseitig beschnitzten Pfosten aus Kamerun, den er vor über einhundert Jahren bei einem seiner Besuche im damaligen Münchner Völkerkundemuseum zu Gesicht bekam. Er ließ die Schnitzerei deshalb als Illustration für den Artikel „Die Masken“ von August Macke in den wegweisenden Almanach „Der Blaue Reiter“ aufnehmen und schrieb an seinen Freund und Künstlerkollegen, dass dessen Artikel mit „ethnographischen Wundern ausgestattet“ worden sei.

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Marcs Empfänglichkeit für Skulpturen aus Kamerun hatte sich wohl im Winter 1910/ 11 im Berliner Völkerkundemuseum herausgebildet. „Ich war sehr ausgiebig im Völkerkundemuseum, um die Kunstmittel „primitiver Völker“ …zu studieren“ bemerkte Marc in einem Brief vom Januar 1911 an Macke und schreibt weiter: „Ich blieb schliesslich staunend und erschüttert an den Schnitzereien der Kameruner hängen, die vielleicht nur noch von den erhabenen Werken der Inkas überboten werden“.

Nicht zuletzt seine Studien außereuropäischer Werke führten dazu, dass Marc im selben Brief bekannte: „Ich bin in diesem kurzen Winter schon ein ganz anderer Mensch geworden“. Nach seiner Rückkehr aus Berlin wandte er sich daher auch der afrikanischen Sammlung im Münchner Museum für Völkerkunde zu und entdeckte dabei für sich diese Skulptur aus der damaligen deutschen Kolonie Kamerun.

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Allerdings wirft das Werk bis heute zahlreiche Rätsel auf. Künftige Forschungen müssen daher erst erweisen, ob es sich dabei tatsächlich um ein Architekturelement eines Kulthauses aus Westkamerun handelt. Und auch die Darstellungen und die Farbgebung harren ihrer Entschlüsselung.

Nun ist der Pfosten, der durch die Hochachtung der „Blauer Reiter“ – Künstler zu einem wichtigen Werk der Münchner Kunstgeschichte wurde, endlich wieder in München zu sehen – und zwar in der neu umgestalteten Afrika-Dauerausstellung im Museum Fünf Kontinente.

 

Stefan Eisenhofer

Leiter der Abteilungen Afrika und Nordamerika im Museum Fünf Kontinente


Fotos: (c) Museum Fünf Kontinente

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