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Deutschlands größte Nase ist zurück

Judith Müller

Wir haben ihn vermisst: Ssiawash Sadat aka SSIO knüpft an seinem Über-Erfolg von „BB.U.M.SS.N“ mit seiner neuen Platte „0,9“ und gleichnamiger Tour an. Der Bonner macht mit seinem zweiten Studioalbum genau dort weiter, wo er aufgehört hat: Bei Selbstironie, Bi-Sprache und „Nuttööön“. Mit fast vollständig ausverkaufter Tour wickelt er nicht nur diese um den Finger, sondern auch seine Konzertbesucher. Deutschlands größte Nase „fibickt“ gerade Deutschlands Clubs mit obszönem Rap, der vor allem Spaß macht.

In der Backstage-Werk in München war es nicht anders: Das ausverkaufte Konzert am Samstag war eine einziges Feier-Fest. Unterstützt von Live-Band und „Alles oder Nix“-Kollegen erschien der deutsch-afghanische Rapper – ganz typisch – in Adidas Komplett-Look. Nur die berühmten Flip-Flops fehlten. Ebenso typisch war die Bühne aufgebaut: Ganz im Stil des 0,9-Covers, zierten den Schauplatz ein Papp-Bus und ein Riesen-Joint im Cartoon-Style.

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Das Konzert ähnelte einem Stand-Up-Comedy-Abend, der mit eingängigen Beats untermalt wude. Einen zweideutigen Witz nach dem anderen haute der Kanalreiniger raus: „Leute, wer von euch Schmutzfingern hat gerade meine Riesennase angefasst?“ Mit ironischen Texten und den Hang zu eindeutigen Themen „Heute geht es um Drogen, Huren und immer um Mecces“, fesselt der Big King XXL sein Publikum. Spätestens als Mörder-Tracks wie „SIM-Karte“ und „Nuttööö“ gespielt werden, ist das Publikum nicht mehr zu halten und es tropft von der Decke auf mich. Die Crowd hüpft, feiert, singt und schreit mit, „Fickfinger“ inklusive.

Jede Menge Energie trägt den Abend, bei dem kein Arm unten bleibt. “Schultertraining“ eben, wie SSIO es nennt. Von Moshpits, Wall of Death, Hinsetzen und Springen macht die Masse alles mit und lässt jedes Rockkonzert alt aussehen. Auch gratis Merch für den „Hochspringsieger“ wird verteilt und zwei glückliche Mädchen werden von dem Rapper mit den Worten: „Wo sind meine dicken Mädels im Publikum? Die richtigen Cheeseburger unter euch will ich hier oben sehen!“auf die Bühne geholt.
Knapp zwei Stunden bekommt München Machogehabe, gemischt mit Straßenstorys und Kiffer-Lifestyle vorgeführt. Aber eben alles mit einem Lächeln auf den Lippen.

Es scheint, als sei dies die letzte Tour, bevor der Rapper Hallen wie das Zenith füllen wird und wir Musik-Nerds uns die „Gute alte Zeit, als SSIO noch in kleinen Clubs gespielt hat“ wieder zurück wünschen. Mit den 14 Stopps in Deutschland setzt SSIO mit seiner „0,9 -Tour“ noch einen drauf, auf das, was er mit der „BB.U.M.SS.N-Tour“ begonnen hat. Zurecht ist die Tour ausverkauft. Und zurecht führt SSIO die Deutschrap-Charts an. Von wegen stumpfer Assi-Rap – wohl eher Unterhaltung auf höchstem Niveau inkl. purem Wortspiel-Witz.

 

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