Münchenschau, Stadt

Dimensionen des Zockens in der Unterhaltungsindustrie

Am Weißenburger Platz findet eine gut organisierte Reality Show der ganz besonderen Art statt. Muntere Grüppchen, Kulturschaffende und Individuen aus vielen gesellschaftlichen Kreisen treffen sich für eine gemeinsame Demo gegen die GEMA !


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Eine einzigartige Situation: Fast alle größeren Parteien sind auf dieser von DEHOGA Bayern, dem Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur und dem Verband der Münchner Kulturveranstalter organisierten Zusammenkunft, um zusammen zu protestieren. Sowas gibts selten.

„Dürfen Van Gogh und Mona Lisa bald nur noch im Keller hängen?“

Der muntere Ali Khan moderiert gewohnt frech (wie wir ihn von seiner Show in den ’90ern auf TV München kennen) die Ansprachen mehrerer Redner, die ich in Kurzform zusammenstenografieren will.
Wer von ihnen ist in der Lage, uns einen vernünftigen Ausweg aus der dreisten Gebührenerhöhung, dem Paragraphendschungel und Behördenwirrwarr der GEMA-Verordnungen zu weisen? Mehrere betrachten die GEMA als streng hierarchische Verwertungsgesellschaft mit kaum Mitspracherechten und undemokratischem Aufbau.

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„Die GEMA konnte diese Veranstaltung leider nicht verbieten“
-quittierende „ooooooh“-Rufe

Ulrich N. Brandl, Präsident des DEHOGA Bayern:

„Es kann nicht sein, dass die GEMA ohne jegliche vorherige Kontaktaufnahme mit den zuständigen Verbänden ihrer Vertragspartner eine derartige Tarifreform beschließt, die für einen Teil unserer Betriebe den finanziellen Ruin bedeuten kann. Was sollen die Wirte denn noch alles schultern?“.

Bruno Kramm, Piratenpartei, (auch bekannt von der Band DAS ICH) :

„Wann verkehrt sich eine Idee in ihr Gegenteil? Unsinn von 100 Blackboxen in Discos um nach nicht-gemafreien Tracks zu suchen. Ungerechtigkeit der Flaechenzuschlaege. Raubtierkapitalismus. Kulturelle Vielfalt darf nicht gleichgeschaltet werden. Geben und Nehmen- aber fair bitte!

Der nächste Redner hat mir am besten gefallen,

er entführt uns metaphorisch in die Tierwelt: und erklärt das wahre Verhältnis des Madenhackers zu Krokodil und Kolibri.

**** vereinzelte Rufe : „Gema – Mafia“ *****

Rednerin der freien Waehler :

Welche Berufsgruppe könnte sich ohne Skandal eine derartig überzogene Gebuehrensteigerung erlauben
?

******** Tanzeinlagen der Gruppe Sundance *********

SPD-Rednerin:

Es lebe die Kultur.
Als Interessenvertretung is Gebührenerhöhung ja ok, aaaaaber…[….] – Freu mich, später mit euch im Club abzutanzen

CSU-Redner:

“ „Liebe Mitstreiter“: Der Hammer, dass ihr alle da seid.
[…]Leistungsgerechtigkeit[…..] Google macht Verträge mit Musikverwertern, mit der GEMA aber nicht. Warum ?“

FDP Redner, Freund von Ali Khan:

Musiker haben das Recht, gerecht enlohnt zu werden, aaaaber…….. diese Kahlschlagreform ist weltfremd, GEMA entfernt sich von Realität. Und kein Tanzverbot bitte !

(Jubelrufe)

Die Gruenen, Redner Weißenburg am Weissenburger Platz:

Innerhalb der Partie haben wir sehr differenzierte Positionen zum Urheberrecht. Wir versuchen, einen
freundlichen Mittelweg zu gehen, sind für eine Reform. GEMA Struktur à la Feudalismus anno dazumal.

********* stylischer DJ legt bestimmt gemafreien Sound auf *********

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Mittlerweile sind es mehr geworden, diversen Nachrichtenquellen zufolge um die 2500 Leute! Nun zieht der Demozug, ausgestattet mit Falt-Klatschen aus Pappe und Plakaten, begleitet von Ordnern, durch halb Haidhausen im Stil eines munteren Happenings, bestaunt von Kneipengästen und Anwohnern in Fenstern, die den warmen Spätsommer genießen. Die Stimmung ist gut, viele trinken Bier (früher auf vielen Demos undenkbar).

Ein lustiger Tshirt-Aufdruck mit einem Spruch dreht den Spieß um :“Ich fordere Entschädigung von der GEMA wegen Werbung für Musiker“

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Verwunderlich ist, als die Demo in der Kellerstraße ankommt: Nanu, warum gehen wir nicht direkt vor Ort, auf den malerischen Innenhof des GEMA-Gebäudes gegenüber vom Gasteig? Zugang gesperrt, alles wohlorganisiert. Bedenken, es könnten Farbbeutel fliegen? Wir skandieren zentral angefeuert: „Kultur retten – Gema anketten“ „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Discos klaut“
Die gutgelaunte Demo-Party löst sich wieder auf, um in der nahen Muffathalle bei freiem Eintritt auszuklingen.

Kultur retten-Initiative auf Facebook

Fotostream SZ

Exkurs zu Urheberrecht, Codecs, ACTA, SOPA ,PIPA ,CISPA

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